Als inoffizielle Fortsetzung der Close-Combat-Reihe entpuppt sich Angriff auf die Westfront selbst für eingefleischte Strategen und Geschichtsfans schnell als Angriff auf die Lachmuskeln. Dafür sorgt vor allem die lachhafte KI.
Es war einmal eine Firma, die legte jahrelang ein und dasselbe Spiel immer wieder neu auf, ohne es wirklich zu verbessern. Das Spiel hieß Close Combat, die Firma Atomic Games, und nach fünf Teilen war sie pleite. Einige der Entwickler machten sich unter der Flagge des neu gegründeten Studios Freedom Games daran, die Serie unter neuem Namen wieder zu beleben: GI Combat. Ein Reinfall, nicht zuletzt wegen zahlreicher Bugs. Der Nachfolger soll nun alles besser machen. Tut er aber nicht.
Strand-Buggy
Okay, verglichen mit Freedom Games' Erstlingswerk ist Eric Young's Squad Assault: Angriff auf die Westfront (so der volle Bandwurmname) geradezu fehlerfrei. Sieht man mal von Grafik-Bugs, Abstürzen und Unstimmigkeiten in der Missionsbewertung ab. Als Hintergrund muss einmal mehr die alliierte Invasion herhalten, vom D-Day bis hin zur Operation Market Garden und der Ardennenoffensive, wobei Hobbygeneräle beide Seiten übernehmen können.
Die über 50 Szenarien teilen sich in Einzelschlachten, kurze Operationen mit drei, vier verknüpften Gefechten und längere Kampagnen. Letztere stellen nicht nur aufgrund des gewaltigen Umfangs den interessantesten Spielmodus dar. Auch, weil man dort Kerntruppen über mehrere Einsätze hinweg befehligt sofern sie am Leben bleiben. Vermeidet man also große Verluste am Omaha Beach, stehen einem später beim Vormarsch auf Cherbourg stärkere und erfahrenere Kräfte zur Verfügung.
Hasenfuß mit Stahlnerven
Der Erfahrungswert kann durchaus Schlachten entscheiden. Denn wie bei Close Combat behält Squad Assault den Kampfgeist jedes Soldaten und jeder Abteilung im Auge. Wenn Unteroffizier Müller in Angstschweiß ausbricht, büxt sein Grenadierzug schneller aus, als man »Hasenfuß!« rufen kann. Theoretisch sorgt das für Spannung, weil man etwa Gewaltmärsche vermeiden oder angeschlagene Abteilungen zurückzuziehen muss. Praktisch ist oft nicht nachvollziehbar, warum Schütze Schröder mal im Kugelhagel die Nerven behält, ein andermal aber die Beine in die Hand nimmt, obwohl weit und breit kein Feind in Sicht ist. Immherhin lässt sich das Moralsystem deaktivieren.
Die Steuerung funktioniert wie in den meisten Genrekollegen, wobei neben den üblichen Angriffs- und Bewegungsordern auch Sonderkommandos zur Verfügung stehen, etwa Einnebeln oder Stürmen. Die sind bitter nötig, denn die Soldaten stellen sich oft reichlich deppert an. So campieren geflohene Einheiten auf offenem Feld, Truppen in Gebäuden sind zu doof, aus dem Fenster zu schießen, und mancher Grenadier sucht lieber vor dem Graben Schutz statt darin. Das ist umso ärgerlicher, als zum einen die Grafik oft Sichthindernisse oder Deckungsmöglichkeiten nicht richtig darstellt. Zum anderen lassen sich Gruppen nur als ganzes befehligen. Man kann Feldwebel Müller also nicht bitten, mal ein paar Meter vor zu kriechen.
Rüdiger Steidle
