Anatomie einer Entführung

Test

Hollywood-Star und Sundance-Filmfest-Gründer Robert Redford spielt erstmals in einem Independent-Film mit

Anatomie einer Entführung Wayne Hayes (Robert Redford) hat durch jahrelange harte Arbeit ein stattliches Vermögen angehäuft. Das Eheleben mit Eileen (Helen Mirren) gestaltet sich unspektakulär, die Kinder Tim (Alessandro Nivola) und Jill (Melissa Sagemiller) sind längst aus dem Haus.

Eines Tages taucht ein Mann namens Arnold (Willem Dafoe) auf und zwingt Wayne mit vorgehaltener Waffe in den Kofferraum seines Wagens. In einem abgelegenen Waldgebiet will er den Millionär zu einer Hütte bringen und an anonyme Auftraggeber überstellen. Währendessen versucht Waynes Familie mit Hilfe des FBI den Kidnappern auf die Spur zu kommen. Bei den Recherchen kommen jedoch auch private Unstimmigkeiten ans Tageslicht ...

Großer Gönner

Seit 1985 haben Nachwuchs-Filmemacher die Chance, ihre Low-Budget-Streifen beim alljährlichen Sundance Festival im US-Bundesstaat Utah vorzustellen. Initiator der Veranstaltung ist der mittlerweile 67-jährige Robert Redford. Bislang vermied er es, bei Independent-Produktionen mitzumischen. Für Pieter Jan Brugge machte er jedoch eine Ausnahme.

Brugge griff bei seinem Debütfilm nicht auf die üblichen Handlungselemente zurück, sondern setzte die Story sehr ruhig und zurückhaltend in Szene. Das Augenmerk liegt auf der Psychologie von Täter, Opfer und Angehörigen. Dass er dafür überzeugende Darsteller gewinnen konnte, liegt nicht zuletzt daran, dass sich Brugge in Hollywood bereits als Produzent ("Heat", "Insider", "Die Akte") einen Namen gemacht hat.

Als Sonderausstattung bietet die Disc sechs nicht verwendete Szenen mit einer Laufzeit von knapp 15 Minuten. Die Sequenzen sind in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln und auf Wunsch mit Kommentar von Brugge, Autor Justin Haythe und Cutter Kevin Tent.MN n

Fazit

Film-Check: Das Entführungs-Drama glänzt mit einer erstklassigen Besetzung. Willem Dafoe und Robert Redford liefern eine einwandfreie Leistung ab. Pieter Jan Brugge verzichtete auf Effekthascherei und legte dagegen viel Wert auf die Entwicklung seiner Cha- raktere. Dafür muss man allerdings ein sehr gemäßigtes Tempo in Kauf nehmen.
DVD-Fazit: Pieter Jan Brugge lieferte ein sehenswertes Erstlingswerk ab, bei dem man sich zwar eine etwas straffere Inszenierung gewünscht hätte, dem es aber auch gelingt, einen Kriminalfall von mehreren Seiten psychologisch zu analysieren. Weniger überzeugend ist die DVD-Umsetzung. Bild und Ton gehen noch als Durchschnitt durch, die Extras sind mager.

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