Blaue gegen Graue, Runde um Runde, Schlacht für Schlacht: Bürgerkrieg auf die altmodische Art.
Drei Tage tobte die Schlacht um Gettysburg. Das gleichnamige Strategiespiel verwandelt sie in 16 Szenarien, die ähnlich wie bei einem Brettspiel Runde für Runde ausgefochten werden. Im Gegensatz zu klassischen Genrevertretern, die die Kontrahenten abwechselnd zum Zug kommen lassen, setzt Gettysburg auf das Combat Mission-System. Dabei erteilen beide Generäle gemeinsam ihre Order, die dann in einer Filmsequenz gleichzeitig ausgeführt werden. Das sorgt für Spannung, weil jeder versuchen muss, die gegnerischen Manöver vorauszuahnen.
King of the Hill
Mit der Maus suchen Sie Abteilungen aus, wählen Formation, Wegpunkt oder Feuerziel. Ähnlich wie bei den Kollegen der Echtzeit-Zunft. Nur dass Gettysburg das 3D-Spielfeld in sechseckige Felder unterteilt, und Ihre Jungs die Befehle erst abarbeiten, wenn Sie Ihren Zug abgeschlossen haben.
Die Zeit zum Nachdenken sollten Sie nutzen, denn neben der reinen Mannstärke entscheidet eine ganze Reihe von Faktoren über Sieg und Niederlage. Wälder und Felder schützen vor Beschuss, mit Höhenvorteil steigt die Feuerkraft. Formationen beeinflussen die Kampfstärke ebenso wie die Position zum Gegner. Zangenmanöver von Hügeln aus haben absolut vernichtende Wirkung. Dankenswerterweise zeigt das Programm alle Einflüsse im Klartext an.
General Kamerakind
Die Armeen gliedern sich in Bataillone zu 200 bis 400 Mann regulärer Infanterie, Miliz und Kavallerie. Dazu gesellen sich wenig zielgenaue Kanonen. In der niedrigsten Zoomstufe stellt das Programm alle Abteilungen als abstrakte Spielfiguren dar, fährt man die Kamera näher heran, sind nach und nach einzelne Soldaten, Pferde und Geschütze zu erkennen. Doof: Man muss ständig die Perspektive wechseln, denn die entscheidenden Höhenverhältnisse sind in der Vogelperspektive kaum zu erkennen. Hübsch ist Gettysburg aus keinem Kamerawinkel -- dafür flutscht es auch auf alten Boliden wie geschmiert.
Rüdiger Steidle
