Alles ist erleuchtet

Test

Alles ist erleuchtet Nur ganz wenige Hollywood-Schauspieler neben George Clooney haben das Talent, auch als Drehbuchautor und Regisseur erfolgreich zu sein. Mit "Alles ist erleuchtet" ließ sich Liev Schreiber ("Der Manchurian Kandidat") 2005 erstmals auf einen Seitenwechsel ein. "Als Schauspieler hatte ich bereits einiges erreicht und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Außerdem packte mich die Neugier auf eine fremde Kultur", so der bekennende Independentfilm-Fan über seine Beweggründe.

Rat und Unterstützung für sein Low-Budget-Projekt holte er sich von befreundeten Filmemachern wie z.B. Jonathan Demme ("Philadelphia"). Als Vorlage für das in sechs Wochen verfasste Drehbuch griff Schreiber auf den im Jahr 2001 erschienenen, gleichnamigen Besteller-Debütroman des US-amerikanischen Schriftstellers Jonathan Safran Foer zurück.

Der Weg als Ziel

Der amerikanische Jude Jonathan (Elijah Wood) ist ein fanatischer Sammler von Erinnerungsstücken. Was nur irgendwie mit seiner Familie zu tun hat -- seien es Zahnprothesen, Kaugummis oder alte Unterhosen -- landet an der Wand seines Zimmers neben Dutzender ähnlicher Dovotionalien. Was dem Hornbrillenträger Jonathan allerdings noch fehlt, ist ein Andenken an seinen verstorbenen Großvater.

Eine vergilbte Photographie zeigt Jonathans Ahnen mit einer Frau, die ihm in den Wirren des Zweiten Weltkriegs das Leben gerettet und die Flucht vor den Nazis ermöglicht haben soll. Um dem Geheimnis dieses Bildes auf den Grund zu gehen und die Frau namens Augustine zu finden, fliegt der introvertierte junge Mann in die Ukraine. Es beginnt ein unvergesslicher Trip in die Vergangenheit mit dem so mäßig begabten wie selbstbewussten Dolmetscher Alex (Gogol Bordello-Frontman Eugene Hütz), dessen störrischem Großvater als Fahrer (Boris Leskin) und der geistig zurückgebliebenen Blindenhündin Sammy Davis Jr. Junior.

Düstere Aussichten

Die Special Features der DVD sind leider wenig erhellend. Hier finden sich nur zusätzliche bzw. verlängerte Szenen wie z.B. "The Collector", "Premium Dancer", "Breakfast" und "400 Words for Snow" sowie der Original-Kinotrailer. Ein Regiekommentar, Making of, Informationen zur Musik bzw. Interviews mit Cast & Crew-Mitgliedern oder dem Autor der Romanvorlage wären wünschenswert gewesen. Bleibt zu hoffen, dass es sich die Verantwortlichen noch mal überlegen und in naher Zukunft eine Edition mit reichhaltigeren Hintergrundinformationen herausbringen. SN n

Fazit

Film-Check: Liev Schreiber lieferte eine sehenswerte Tragikomödie ab, in der sich drei grundverschiedene Männer auf die Suche nach einem von den Nazis ausgelöschten ukrainischen Dorf machen. Jonathan Safran Foers virtuos erzählte Buchvorlage über die Kraft der Erinnerung und die Schrecken des Holocaust wird durch Schreibers Adaption zum skurril-melodramatischen Roadmovie mit poesievollen Momenten, nostalgischen Landschaftsbildern, abstrusen Typen und reichlich Situationskomik. Der dialogarme Film über eine familiäre Spurensuche ist ideal für alle, die sich für Low-Budget-Projekte abseits des Mainstreams begeistern können.
DVD-Fazit: Auch wenn bei einem Streifen dieser Machart die Technik üblicherweise erst an zweiter Stelle steht, kann man mit der Umsetzung zufrieden sein. Schade ist allerdings, dass man sich mit dem Zusatzmaterial so wenig Mühe gab.

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