Aliens Fireteam: Erfrischend actionreiches und kurzweiliges Aliens-Gemetzel sucht dringend nach Langzeitmotivation

Test Christian Zamora
Aliens Fireteam: Erfrischend actionreiches und kurzweiliges Aliens-Gemetzel sucht dringend nach Langzeitmotivation
Quelle: PC Games

Nachdem der letzte Vertreter von Mehrspielerballerei im Aliens-Franchise eher wie eine billige Schießbudenattraktion wirkte, besteht mit Aliens: Fireteam Elite die Hoffnung auf spaßige Ballerorgien mit Freunden gegen Horden von schleimigen Außerirdischen - aber kann das auch auf lange Zeit motivieren? Erfahrt es im Test.

Man sollte meinen, dass beliebte Sci-Fi wie Alien, Predator und Terminator die perfekte Vorlage für großartige Spiele bieten. Stattdessen wurden wir schon seit den 80er-Jahren mit viel Ramsch überschüttet, mit wenigen einigen Ausnahmen.

Erfreulicherweise boten jüngst Vertreter wie Terminator: Resistance und das fantastische Alien: Isolation kurzweilige Solo-Unterhaltung, nur für Mehrspielerenthusiasten sah es in all den Jahren mau aus. Einige Spiele mit Multiplayer-Anteil stehen heute noch auf dem Index, Predator: Hunting Grounds ist magere Kost und über Alien: Colonial Marines legen wir lieber ein Tuch des Schweigens. Letztgenanntes befreiten erst Fan-Patches von gröbsten Fehlern, das leidet aber weiterhin unter arglosen KI-Begleitern im Kampf gegen reizlose Aliens.

Mit Aliens: Fireteam (jetzt kaufen ) Elite vom kalifornischen Entwickler-Team Cold Iron Studios besteht ein Lichtblick, denn das setzt den Fokus auf Third-Person-Action mit fieseren Aliens, die euch und zwei Mitstreiter durch vier Kampagnen mit je drei actionreiche Missionen ans Leder wollen.

"Kneift die Arschbacken zusammen und macht euch an die Arbeit!"

Wir schreiben das Jahr 2202, etwa 23 Jahre nach den Geschehnissen in Alien 3. Als neuster Marine-Zugang tretet ihr hier euren Dienst auf dem Raumschiff namens USS Endeavor, auf dem Weg zum Planeten LV-895 an. Habt ihr euren Soldaten erstellt und zu Recht gestylt, findet ihr euch im Hangar von besagtem Vehikel wieder. Das Spiel bietet keinen First-Person-Modus. Alles läuft in Third-Person-Sicht ab, spielt sich aber geschmeidig und es mangelt dadurch nie an Übersicht. Quelle: PC Games Das Spiel bietet keinen First-Person-Modus. Alles läuft in Third-Person-Sicht ab, spielt sich aber geschmeidig und es mangelt dadurch nie an Übersicht.

Ihr dürft euer Äußeres jederzeit neu anpassen und wählt nebenbei, ob euch Schütze (Soldat), Zerstörer (Flächenschaden), Techniker (Unterstützung) und Doc (Heiler) besser liegt. Nach abgeschlossener Kampagne gesellt sich noch der Späher (Sniper) als Belohnung hinzu. Jede dieser drei Spezialisierungen stellt eine Fähigkeit bereit, mit der ihr euch besser vertraut macht, denn in höheren Schwierigkeitsgraden ist Planung und der gekonnte Einsatz der jeweiligen Begabung nötig - dazu später mehr. Übrigens kann nicht jede Klasse jede Waffe nutzen. Als Doc verzichtet ihr beispielsweise auf das berühmte M41A Gewehr aus Aliens, während der Zerstörer sogar mit einer Flammenwerfer-Variante der Smartgun den schleimigen Gegnern einheizt. Das wirkt sich natürlich auf das Spielgefühl jeder Klasse aus.

Die USS Endeavor dient euch zudem als Lobby und Hub zum Ausrüsten und Annehmen von Missionen. Mangels Zwischensequenzen informieren herumstehende NPCs im Small Talk über die Geschehnisse zur Story, sowie bereits gespielten und kommende Missionen.

Bildergalerie

"Räuchert sie aus!"

Apropos Schießeisen, davon gibt es knapp 40 Stück, versehen mit individuellen Schadenswerten und drei Erweiterungs-Slots für unter anderem Mündungen, Magazin-Erweiterungen und Zielvorrichtungen. Die Aufsätze schaltet ihr willkürlich in zahlreichen Spieldurchläufen jeweils nach den Missionen frei, findet sie in versteckten Kisten oder kauft sie beim dafür vorgesehenen Händler. Der hält übrigens - ebenso wie die Kisten - neue Emotes, Skins, Farben und Aufkleber für eure Waffen und rein optische Rüstungen bereit, natürlich nur gegen harte Credits und eine Spezialwährung.

Selbstredend ist Feuerkraft nicht alles, was ihr zum Überleben in den teils hektischen Metzeleien benötigt. Für weitere Freischaltungen steigert ihr neben Waffen auch jede Klasse separat durch erworbene Erfahrungspunkte. Den Klassen stehen hier noch zahlreiche sogenannte "Vorteile" zur Verfügung, die ihre Fähigkeiten verbessern. Die dürft ihr nur außerhalb der Missionen festlegen und solltet die Zusammenstellung gut durchdenken, denn die dafür vorgesehenen Slots sind begrenzt.
Die Story wird zum Großteil nur durch Gespräche mit NPCs erzählt. Vieles bekommt ihr zudem im Funkverkehr in Missionen mit. Quelle: PC Games Die Story wird zum Großteil nur durch Gespräche mit NPCs erzählt. Vieles bekommt ihr zudem im Funkverkehr in Missionen mit. Vor jeder Mission habt ihr die Wahl zwischen anfangs drei Schwierigkeitsstufen. Zwei weitere aktiviert ihr erst nach Abschluss der Kampagnen. Mit optional einmalig verwendbaren Herausforderungskarte gestaltet ihr den Missionsverlauf noch interessanter, allerdings meist auch schwieriger. Die Karten bieten nicht nur Vorteile wie mehr Credits und Erfahrung pro Abschluss, sondern nehmen oft noch Einfluss auf Startwerte, einen Malus wie Schaden über Zeit und Schlimmeres.

"Ich bin zwar synthetisch, aber ich bin nicht blöde..."

Einzelgänger stellen bald fest, dass sich erst mit menschlichen Marine-Kollegen echter Spielspaß entfaltet. Zwar sind die ersten beiden Schwierigkeitsgrade der Kampagnen mit zwei Computer-Begleitern relativ leicht zu meistern. Ab der dritten Stufe wird aber schnell klar, dass unter anderem Friendly Fire und mehr Schaden durch Gegner menschliche Mitstreiter unverzichtbar machen. Das merkt ihr spätestens, wenn die künstlichen Gefährten erneut willkürlich Granaten werfen, oder blind in die Menge feuern. Außerdem pfeifen sie auf den Einsatz jeglicher Zusatzfähigkeiten und ihr könnt ihnen keine Befehle erteilen. Bestimmte Abschnitte erfordern nämlich dringend Planung, wie das Aufstellen von Geschützen und Minen. Fairerweise erhaltet ihr vom Spiel den Hinweis, ab wann ihr auf Synthetische besser verzichtet. Das ist wichtig, denn die höheren Schwierigkeitsgrade sind auch mit echten Spielern anfangs kaum zu bewältigen.
Waffeneffekte, wie hier der Flammenwerfer, sind nicht nur beeindruckend, sondern schränken in hektischen Situation schnell mal eure Sicht ein. Quelle: PC Games Waffeneffekte, wie hier der Flammenwerfer, sind nicht nur beeindruckend, sondern schränken in hektischen Situation schnell mal eure Sicht ein.

"Kann ich vielleicht aus dieser Horrorstory noch aussteigen?"

Grafisch nicht bahnbrechend, aber durchaus ansprechend geht es abwechslungsreich und atmosphärisch durch eine Raffinerie sowie auf die Oberfläche und später ins Innere des Planeten LV-895. Zum Umschauen und Bewundern bleibt keine Zeit, denn unzählige Alien-Horden lassen permanent eure Läufe glühen. Von der ersten Sekunde an geht es heftig zur Sache, Zeit zum Verschnaufen gibt es kaum. Von den 20 Gegner-Typen, bestehend aus Aliens und Androiden, sind 11 mit gemeinen Fähigkeiten versehen, durch die sie etwa in Säureblasen explodieren, euch anspringen, anspucken, umrennen oder auflauern. Leider verlaufen Missionen dabei stets ähnlich. Fast immer ballert ihr euch zu einem Event-Bereich, drückt Knöpfe oder sucht Gegenstände und verteidigt diese Sektion. Das wiederholt sich, bis die Haupt- und Nebenaufgaben abgeschlossen sind. Nur die letzte Mission variiert hier zum Ende hin, aber wir möchten euch nicht zu viel verraten. Jede Klasse verfügt über zwei Waffenslots, sowie Platz für Zusatzfähigkeiten, Vorteile (Skills) und zwei Verbrauchsgegenstände. Quelle: PC Games Jede Klasse verfügt über zwei Waffenslots, sowie Platz für Zusatzfähigkeiten, Vorteile (Skills) und zwei Verbrauchsgegenstände.

Zwar verspricht der Entwickler, dass die Gegner euch überlisten könnten, sie nutzen bei Angriffen auch brav die Wände und Decken, kommen mal aus dem Hinterhalt und von der Seite, aber in den meisten Fällen stürmen sie einfach in Massen auf euch zu. Dank eines Motion-Trackers im Interface behaltet ihr dabei stets den Überblick. Auffällig: Spielt ihr Missionen zwangsläufig öfter, stellt ihr bald fest, dass sie konstant an den gleichen Ausgangspunkten erscheinen.
Sobald ihr übrigens alle Kampagnen hinter euch gebracht habt, geht es im frisch freigeschalteten Horde-Modus gegen endlose Wellen von Aliens ebenfalls heftig zur Sache.

"Wie oft soll ich Ihnen denn dieselbe Geschichte noch wiederholen?"

Bis ihr alle Waffen, Vorteile und optischen Schmankerl euer Eigen nennt, vergehen zahlreiche Spielstunden. Zwölf Missionen zu je ca. 25 Minuten Spielzeit klingt erst mal viel, die zehren aber durch den immer gleichen Ablauf schnell an der Motivation. Höchstens die einstellbaren Schwierigkeitsgrade für die persönliche Herausforderung motivieren für längere Zeit. Aliens: Fireteam Elite macht zudem den Eindruck, dass problemlos mehr Inhalte nachgeliefert werden könnten, wie weitere Ingame-Boni, neue Spiel-Modi und sogar Kampagnen. Das ist natürlich bisher nur Wunschdenken unsererseits. Bis dahin halten uns und euch vielleicht die täglichen und wöchentlichen Herausforderungen bei Laune.
Wir haben uns für den Test übrigens die PC-Version angeschaut. Besitzer einer Xbox One, Playstation 4/5, sowie Xbox Series X/S metzeln sich seit dem 24. August ebenfalls durch den Hive. Crossplay wird dabei nur im jeweiligen Mikrokosmos der Systeme unterstützt, nur XBOX-Spieler untereinander und Besitzer von Sony-Produkten gehen nur miteinander ins Gefecht.

Meinung

Wertung zu Aliens: Fireteam (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Stimmungsvolle Umgebung und AtmosphäreSpaßige Coop-BallereiFordernde Schwierigkeitsstufen + opt. HerausforderungenMissionen mit ordentlicher SpieldauerSehr guter Sound und MusikuntermalungAbwechslungsreiche KlassenZahlreiche Waffen, Skins und UpgradesZufriedenstellendes Waffenhandling
... in nicht mehr zeitgemäße Grafik verpackt... aber nur mit echten Mitspielern... deren höchsten Stufen fast zu schwer sind... die zum Aufleveln und Upgraden trotzdem zu wenig bieten
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