Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Aus guten Filmen werden schlechte Spiele. Synetic dreht den Spieß um.
Über die Qualitäten von Alarm für Cobra 11 kann man streiten, über den Erfolg nicht. Die RTL-Actionserie lockt Millionen vor den Bildschirm. Nicht so die bisherigen Umsetzungen: Grausige Grafik und grottige Steuerung verschrecken selbst Fans der Vorlage. Mit Synetic hat sich nun allerdings eine Spieleschmiede des Themas angenommen, die sich mit Computer-Rasereien bestens auskennt: Als Technikgerüst dient die Engine von World Racing 2.
V8 statt A8
Optisch lässt Cobra 11: Nitro die Vorgänger also meilenweit hinter sich. Vor allem mit den realistischen Strecken (Großstadt, Landstraße und Autobahn) haben die Entwickler exzellente Arbeit abgeliefert. Nur die Autos könnten ein paar Details mehr vertragen. Immerhin sind die Vorbilder erkennbar, auch wenn sie mangels Lizenz keine Markenschildchen oder Originalnamen tragen -- Executive V8 statt Audi A8. Dafür glänzt die Effektabteilung mit bildschirmfüllenden Explosionen. Denn wie Hollywood lehrt, gehen selbst Wohnwagen bei kleinsten Blessuren spektakulär in Flammen auf. Gelegenheiten für Karambolagen bieten sich reichlich, denn als Autobahnpolizist jagen Sie Ihren Streifenwagen mitten durch den Berufsverkehr. Schöne Crashes setzt Nitro übrigens per Automatik-Wiederholung extra in Szene.
Speed auf Speed
Prinzipiell geht?s in den 25 Einsätzen nur um eines: Gas geben. Allerdings haben sich die Macher einiges einfallen lassen, um die Rasereien abwechslungsreich aufzubereiten. Mal sollen Sie einen flüchtenden Verdächtigen ausbremsen, mal den Wagen eines Amokfahrers bis zum Totalschaden rammen. Dann wieder müssen Sie einen Transporter einholen, der führerlos über die Autobahn rast. Nur wenn Sie es schaffen, mit Ihrem Dienstwagen lange genug auf gleicher Höhe zu bleiben, können Sie umsteigen und die Kontrolle übernehmen. Oder Sie steuern wie im Film Speed einen Reisebus über die Schnellstraße. Sinkt die Geschwindigkeit unter 130 km/h, explodiert die Bombe an Bord.
Dabei lassen sich die 15 Spielerautos (von der Limo bis zum Rettungswagen) dank des simplen, aber glaubwürdigen Fahrmodells perfekt um jede Kehre zirkeln.
Rüdiger Steidle
