Das Universum neigt zum Chaos, sagen Physiker. Das gilt wohl auch in kleinerem Rahmen - etwa für Volitions neues Spiel Agents of Mayhem!
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Es hat tatsächlich Vorteile, wenn man von einem kleinen Provinzflughafen nach London reist: Es gibt nur einen Rückflug und der ist am Abend. Dadurch hatten wir beim Preview-Event Zeit für eine weitere Runde Agents of Mayhem, während unsere Kollegen bereits im Taxi saßen. Doch der Reihe nach, sonst geht es hier viel zu chaotisch zu ...
Chaotisch gut?
Quelle: Deep Silver
Auge in Auge: Die Gegnervielfalt soll die Spieler auf Dauer bei Laune halten. Rechts seht ihr einen schwer gepanzerten Robotergegner, es gibt aber auch Ninjas und Fußsoldaten.
Gut gegen Böse? In Agents of Mayhem verlaufen die Fronten etwas anders. Die zwölf exzentrischen Kämpfer, die gegen die internationale Superschurken-Terrororganisation Legion vorgehen sollen, sind keine strahlenden Helden, sondern zufällig auf einer Seite kämpfende Chaoten. Das gemeinsame Ziel mag zwar die Vernichtung von Legion sein, Kollateralschaden wird dabei aber gerne in Kauf genommen. Kein Wunder, denn wenn man als letzte Waffe gegen Dr. Babylon und dessen fiese Handlanger durchgedrehte Fußball-Rowdys aus Deutschland (Red Card), versoffene RockabillyMannsweiber (Daisy) oder selbstverliebte Schauspieler-Egomanen (Hollywood) rekrutiert, dann liegt nach dem Sieg eben nicht nur die Panzerflotte des Gegners, sondern auch ein ganzes Viertel in Schutt und Asche.
Gruss aus der Vergangenheit
Als Third-Person-Shooter in einer Open-World-Sandbox im Comicstil erinnert Agents of Mayhem durchaus an die erfolgreiche Serie Saints Row, die ebenfalls aus dem Haus Volition stammt. Einige Merkmale, wie etwa die Fleur de Lys als Logo und das tiefe Violett, begegnen Serienkennern erneut. Sogar Charakter Kingpin hat sich von Stilwater aus nach Seoul aufgemacht. So ganz möchte man sich von der verrückten GTA-Parodie also mit Absicht nicht lösen. Auch der Anarcho-Humor von Saints Row hat bei den Agents of Mayhem ein neues Zuhause gefunden. Bierernst und mit einem Stock im Hintern werden hier keine Terrororganisationen ausgelöscht!
Quelle: Volition
Fette Wummen und coole Explosionen.
Wer aufgewachsen ist mit den Helden von G.I. Joe und anderen Samstagmorgen-Cartoons fühlt sich bei der Präsentation von Agents of Mayhem gleich heimisch: Animierte Zwischensequenzen im westlichen Stil treiben die schräge Story voran. Während der Action erstrahlen Seoul und die Charaktere im cartoonhaften Cel-Shading-Look. Das passt gut zur übertriebenen Handlung, die sich nie ernst nimmt, und erinnert ein wenig an das Microsoft-exklusive Open-World-Spektakel Sunset Overdrive.
Bald dürfen wir selbst unser Unwesen treiben. Nach einem kurzen und simplen Tutorial wissen wir alles, was wichtig ist, um Legion Feuer unter
Quelle: Screenshot
Euer Team von Super-Agenten stellt sich dem Bösen.
dem Hintern zu machen. In regulären Missionen sind wir mit einem Dreier-Team unterwegs, allerdings ist stets nur ein Charakter auf dem Spielfeld. Zwischen den drei Teammitgliedern wechseln wir also je nach Bedarf. Geballert wird auf allerlei futuristisch anmutende Feinde, vom schwebenden Ninja bis hin zum massigen Kampfroboter. Jeder der zwölf Recken bringt eine eigene Waffenausstattung, Lebenspunkte und Fähigkeiten mit. Je nach Missionsanforderung sollte das Trio neu zusammengewürfelt werden. Es gibt Begleiter wie die Inderin mit dem Decknamen Rama, die mit einem Bogen bewaffnet bei Feindgruppen keine Chance hat, dafür aber als Sniper gute Dienste leistet. Koloss Hardtack richtet dafür verheerenden Schaden bei mehreren Zielen an, besitzt aber nur eine geringe Reichweite. So weit ganz logisch.
Ballern mit Stil
Wendungen in verloren geglaubten Schlachten werden unter Umständen durch die Spezialfähigkeiten der (Anti-)Helden herbeigeführt. Diese laden sich automatisch auf und brauchen deshalb eine gewisse Zeit, bis man sie wieder einsetzen kann. Um beim Beispiel von Hardtrack zu bleiben:
Quelle: Deep Silver
Nicht sehr damenhaft: Brutalobraut Daisy kann sich auch nur mit Gesten sehr gewählt ausdrücken. Ihr Argumentationsverstärker ist eine Minigun.
Aktiviert man dessen besonderes Talent, zieht er mithilfe einer Harpune entfernte Feinde nahe an sich heran. Nach und nach baut sich auf diese Weise der Mayhem-Balken auf. Dahinter verbirgt sich eine besonders effektive Spezialattacke. Agent Hollywood wirft dann eine Zigarettenkippe als Marker und dort, wo sie landet, macht ein Orbitalfeuer Kleinholz aus etwaigen Feinden. Beim Spielen fühlt sich das stimmig und kurzweilig an, wirkt aber auch simpel. Grund dafür ist der zu Präsentationszwecken stark gesenkte Schwierigkeitsgrad. Eigentlich heißt es Game Over, wenn alle drei Teammitglieder gefallen sind. In diesem Falle ballern wir einfach weiter. Dennoch wird klar, dass kluges Team-Management einen wichtigen Teil des Spiels ausmacht. Mit den falschen Leuten im Team sind simple Aufgaben doppelt so schwierig und wer seine Mayhem-Fähigkeiten stiefmütterlich behandelt, hat deutlich weniger Spaß.
Die Spielwelt und das Fahren mit den verschiedenen Vehikeln muten noch recht rudimentär an. Die Helden selbst sind überraschend langsam unterwegs - ein erhöhtes Lauf- und Renntempo würde das Erlebnis aufregender gestalten.
