AO Tennis 2 im Test: Immer noch kein Konkurrent für Top Spin 4
Test 44,99 €
2018 erschien der erste Teil, war allerdings eher mittelprächtig und konnte Tennis-Fans nicht überzeugen. AO Tennis 2 soll nun mit vielen Anpassungen und Neuerungen alles besser machen. Wir haben den Titel getestet und verraten euch, warum das Sportspiel der Big Ant Studios zwar durchaus Spaß macht, aber immer noch keine Konkurrenz für Top Spin 4 aus dem Jahr 2011 ist.
Im Jahr 2018 erschienen mit AO International Tennis sowie Tennis World Tour gleich zwei Spiele zur Filzballdrescherei, so richtig überzeugen konnte aber keiner der Titel. Da es nun keinen neuen Teil der Konkurrenzserie gibt und AO Tennis 2 (jetzt kaufen / 44,99 € ) sich mit vielen Neuerungen und Verbesserungen brüstet, sollte diesmal also mehr drin sein für die Entwickler der Big Ant Studios. Das Vorhaben, ein richtig gutes Tennisspiel abzuliefern, ist jedoch nur so halb gelungen. Zwar spielt sich AO 2 etwas besser als der Vorgänger, es hat dennoch einige Macken (manche davon sogar übernommen) und kommt auch immer noch nicht an die Qualität des 2011 erschienenen Top Spin 4 heran.
Realismus vs. Balancing
Quelle: PC Games
Wer in AO Tennis 2 Erfolg haben will, muss Laufrichtung und Körperhaltung beachten und individuelle Stärken des Spielers richtig ausspielen können.
AO Tennis 2 ist kein Arcade-Tennisspiel wie einst die beliebte Virtua-Tennis-Reihe von Sega, sondern setzt - genau wie einst Top Spin - auf Realismus. Wer nur auf ein paar schnelle Ballwechsel aus ist, wird nicht über die ersten beiden der insgesamt acht Schwierigkeitsgrade hinauskommen. Laufrichtung, Platzierung zum anfliegenden Ball, Timing, die richtige Anwendung der verschiedenen Schlagarten, die richtige Nutzung von Vor- und Rückhand sowie die individuellen Stärken der 25 enthaltenen Tennisstars (13 Herren, 12 Damen) entscheiden über Sieg oder Niederlage.
Je nach Schwierigkeitsgrad sind mehr oder weniger Spielhilfen eingeschaltet. Auf "Neuling" ist es beispielsweise unmöglich, ins Aus zu schlagen, und bei der Körperausrichtung wird kräftig nachgeholfen. Auf den normalen und höheren Schwierigkeitsgraden muss man jedoch höllisch aufpassen, dass man richtig steht und den Ball mit perfektem Timing trifft, damit die Filzkugel innerhalb des Spielfelds aufschlägt. Wie schon beim Vorgänger führt man mit den Aktionstasten Lobs, Slices, flache Schläge und Topspins aus und mithilfe der Schultertasten kann man dabei noch weiter variieren.
Standardmäßig ist auch ein kleiner weißer Punkt eingeschaltet, den man mit dem linken Analogstick steuert und der anzeigt, wo der Ball aufschlägt, wenn er perfekt getroffen wurde. Wer auf noch mehr Realismus steht, darf den Kreis aber auch ausblenden. Der Simulationsansatz von AO Tennis 2 gefällt, leidet aber unter zwei großen Schwächen. So greift das Tutorial bei Weitem nicht tief genug und bringt einem gerade mal die Basics bei. Den Rest muss man selbst herausfinden.
Quelle: PC Games
Die jeweilige Spielweise der Stars wird gut eingefangen, einige Aktionen sind aber nicht gut ausbalanciert. Gerade Stoppbälle sind etwas übermächtig.
Außerdem fehlt es den Ballwechseln aufgrund von Balancing-Problemen an Varianz. Gerade Stoppbälle (mit anschließendem Lob über den Gegner) sind zu übermächtig. Die Signature-Moves und Bewegungen der echten Tennisstars wurden zwar gut eingefangen, dennoch spielen sich alle Matches ziemlich gleich. Man spielt eher gegen die Eigenheiten des angewählten Schwierigkeitsgrades statt gegen Nadal, Kerber und Co. - hier wäre mehr drin gewesen!
Dies gilt auch für die Anzahl der auswählbaren Tennisspieler und die vorhandenen Arenen. Glücklicherweise darf man sich im Community-Bereich von anderen Spielern erstellte Stadien und Spieler herunterladen oder sie gleich selbst erstellen. Grafisch hat sich im Vergleich zum letzten Teil übrigens nicht allzu viel getan. AO Tennis 2 sieht zum Teil ganz schön altbacken aus.
Viel Inhalt, viel Leerlauf
Quelle: PC Games
In der Karriere darf man sich entscheiden, ob man Liebling der Massen oder verhasstes Ekel sein möchte. Man darf sich sogar mit den Schiris anlegen.
Über mangelnden Content kann man sich allerdings nicht beschweren. Neben schnellen Matches darf man auch spezielle Szenarien zocken oder an den Australian Open teilnehmen. Sowohl Einzel-Matches als auch (gemischte) Doppel sind möglich. Die Karriere ist allerdings wieder etwas bieder ausgefallen. Man hat zwar viel zu tun, wenn man von Platz 1.000 zur Spitze der Weltrangliste aufsteigen möchte, aber im Grunde genommen spielt man nur ein öde präsentiertes Turnier nach dem anderen. Man kann aber auch direkt als Starspieler in die Karriere einsteigen.
Auch die neue Gut-Böse-Mechanik vermag nicht so recht zu zünden. Während der Matches kann man mit einem Druck auf das Digi-Kreuz entscheiden, ob man nett ist oder sich mit Gegnern und Schiedsrichtern anlegt. Große Auswirkungen hat das allerdings nicht und die Cutscenes sind teilweise sogar sehr unpassend. Spaßig ist es hingegen, dass während der Matches Verletzungen beim Gegner auftreten können, die man dann gezielt ausnutzen kann, sodass der Kontrahent den Schlägen nur noch hinterherhumpelt. Nun ja, wir müssen wohl nicht extra betonen, dass wir im Karrieremodus nicht gerade einen Publikumsliebling verkörperten.
