AEW Fight Forever im Test: Auch digital ein WWE-Konkurrent? - Seite 2

Test Christian Fussy
AEW Fight Forever im Test: Auch digital ein WWE-Konkurrent? - Seite 2
Quelle: THQ Nordic

Die junge Wrestling-Promotion AEW erhält mit Fight Forever von Yuke's ihr erstes Videospiel für PC und Konsolen. Ein gelungenes Debüt?

Matchtypen, Modi, Minigames

In der Summe ergibt das erst mal ein recht ernüchterndes Bild von AEW Fight Forever. Wo der Titel allerdings richtig punkten will, ist bei den chaotischen Matchtypen und übertriebenen Storylines, die den Wrestlingzirkus so beliebt machen. Schauen wir uns also auch einmal an, was Fight Forever in dieser Hinsicht zu bieten hat: Neben den klassischen Matchvarianten 1 on 1, Ladder, Tag Team, Triple Threat und Fatal-4-Way gibt es auch besondere, AEW-spezifische Typenbezeichnungen, nämlich "Lights Out", "Casino Battle Royal" und "Exploding Barbed Wire Death Match". Von diesen ist eigentlich nur letzteres wirklich ein einzigartiges Match, Lights Out deaktiviert schlicht die Disqualifikation und erlaubt so die Nutzung von Waffen und die Casino Battle Royal ist ein Elimination-Modus, der dem WWE Royal Rumble gleicht, nur mit weniger Teilnehmern. Käfigmatches, eine Variante mit mehreren Ringen oder das berühmte Dog Collar Match gibt es nicht.

Die Spezial-Matches sollten für erfahrene Wrestlingspieler keine besondere Überraschung darstellen, sind aber zumindest sauber umgesetzt. Was mir fehlt, ist einfach eine persönliche Note, seien es simple Kameraschnitte zu interessanten Perspektiven oder coole, einzigartige Interaktionsmöglichkeiten mit Objekten und Arenen. Einfach irgendwas, das man nicht genau so erwarten würde und zu besonderen Momenten führen kann. Bei einer Firma wie AEW, deren Wrestler häufig (zumindest in gewissen Fankreisen) sogar dafür kritisiert werden, den Fokus ihrer Matches zu stark auf beeindruckende Spots zu legen, würde ich doch erwarten, auch einige davon ausführen zu können.

AEW Fight Forever Exploding Barbed Wire Quelle: PC Games Das "Exploding Barbed Wire Death Match" ist das klare Highlight unter den verfügbaren Matchtypen. Abseits der tatsächlichen Matches gibt es dann noch den "Road to Elite"-Karrieremodus. Auch hier muss man auf einprägsame Momente leider größtenteils verzichten. Wir können die Story mit jedem verfügbaren Charakter oder einer selbst erstellten Figur bestreiten. Bei einem Sieg verdienen wir Punkte, die wir dann in die Aufrüstung unserer eigenen Figur investieren können, AEW-Wrestler können nicht nachträglich angepasst werden, sondern besitzen ihre Standard-Werte und -Fähigkeiten.

Die Geschichte beginnt mit der Gründung von AEW und unserer Vertragsunterzeichnung. Starten wir mit einem Mann, beginnt die Geschichte immer mit dem Casino Battle Royal Match. Die unterrepräsentierten Frauen müssen stattdessen in einem Fatal-4-Way-Match ran. Je nachdem, ob wir gewinnen oder ausscheiden, verläuft die Karriere dann ein bisschen anders. Ob wir zum Schluss den obersten AEW World Title in der Hand halten oder beim letzten PPV um den popeligen FTW Titel kämpfen müssen, hängt ganz davon ab, wie wir uns in den verschiedenen Abschnitten der Story schlagen. Wirkliche Entscheidungsgewalt über das, was unsere Figur überhaupt möchte, haben wir aber nicht. Zwar wird einem an manchen Stellen vorgegaukelt, dass unterschiedliche Antworten auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, wenn überhaupt verändern sich aber nur unwichtige Details.

AEW Fight Forever Quelle: THQ Nordic Ein Beispiel: Bei meinem ersten Durchgang wurde ich von den Mitgliedern der Lucha-Faction Death Triangle gefragt, ob ich aus dem Dreieck nicht ein Viereck machen und mich ihrem Team anschließen möchte. Ich entschied mich dann dazu, das Angebot auszuschlagen und begann stattdessen eine Fehde mit dem Trio. Bei meinem zweiten Anlauf entschied ich mich dann dazu, Teil der Gruppe zu werden, was zu einem leicht anderen Bildschirmtext, aber letztendlich zum exakt gleichen Ablauf der Ereignisse führte. Enttäuschend.

Eine Sprachausgabe gibt es in Road to Elite überhaupt nicht, dafür ändern sich, je nachdem, welche Spielfigur wir wählen, zumindest ein bisschen die geschriebenen Dialoge. Das Gefühl, eine fortschreitende Karriere zu spielen, stellt sich aber trotzdem nicht ein. So gelang es mir zum Beispiel, die Casino Battle Royal für mich zu entscheiden und damit die Chance zu haben, zum allerersten AEW Champion aufzusteigen. Diese nutzte ich dann auch und riss mir das Gold im darauffolgenden Match unter den Nagel.

Bei meiner direkt im Anschluss ansetzenden Fehde mit Jon Moxley und Kenny Omega trat ich dann aber nicht als Titelverteidiger auf, sondern bekam von den beiden Kontrahenten erzählt, sie hätten bereits ein Match um den Titel hinter sich, das Omega für sich entscheiden konnte. Dieses Match gab es zwar wirklich, allerdings erst 2021 und definitiv nicht in der Realität des Spiels, in der ich ja eigentlich gerade der erste und bis dato einzige Champion sein sollte. Aber mit solchen Lappalien hält sich der Road-to-Elite-Modus nicht auf.

AEW Fight Forever Quelle: PC Games Stattdessen wird hier einfach eine Fehde an die nächste gereiht, bis das Ding nach vier Großveranstaltungen sang- und klanglos endet und dann darum bittet, erneut gespielt zu werden. Zwischendrin haben wir die Möglichkeit, mit unserer Figur Sightseeing zu betreiben, ins Gym oder zum Essen zu gehen und Selfies mit anderen Wrestlern zu machen, was zwar manchmal zu ganz charmanten Situationen führt, aber auch keinen wirklichen Einfluss auf den Verlauf des Spiels nimmt. Gelegentlich werden wir außerdem aufgefordert, an Minispielen teilzunehmen. Die meisten Leute werden dies aber, so wie auch ich, höchstens einmal tun.

Wir müssen mit unserer Spielfigur zum Beispiel schnell mehr Kisten zerschlagen als die Gegner oder mehr Chips einsammeln, die vom Himmel in den Ring fallen. Des Weiteren gibt es noch ein Quiz-Minispiel, bei dem Trivia-Fragen über AEW und seine Angestellten beantwortet werden müssen. Mehrere Fragen wiederholten sich aber bereits beim zweiten Mal. Ideenreichtum sieht wahrlich anders aus.

Fazit

Alles in allem ist AEW Fight Forever, auch wenn ich ziemlich viel zu kritisieren habe, trotzdem kein kompletter Reinfall. Das grundsätzliche Gameplay, sprich die zentralen Mechaniken und die arcadige Ausrichtung, funktionieren ja schon für mich. Das Problem ist aber, dass AEW abseits davon einfach zu wenig und vor allem zu wenig Eigenes zu bieten hat. Die paar Wrestler, die standardmäßig auswählbar sind, sind deutlich zu wenige. Funktionen wie den Editor oder die Minispiele als große Features zu bewerben, grenzt an Verzweiflung. Was als Alleinstellungsmerkmal verkauft wird, wie der Road-to-Elite-Modus, war auch vorher in irgendeiner Form schon mal in anderen Wrestlingspielen zu sehen - was kein Problem wäre, hätte das Teil mehr Persönlichkeit, einzigartige Momente oder bärenstarkes Writing. Hat es aber nicht. Und als Plug&Play-Fighting-Game für zwischendurch gibt es auch zahlreiche andere Optionen auf dem Markt, die trotz Zugänglichkeit über eine größere Tiefe verfügen. Leider würde ich für diesen Zweck, trotz aller Arcade-Versprechen, sogar eher das aktuelle WWE 2K23 empfehlen als AEW Fight Forever.

Wertung zu AEW Fight Forever (PC)

Wertung:

5.0 /10
Fazit

Die Wrestling-Experten von Yuke's setzen mit AEW Fight Forever auf routinierte, altmodische Wrestling-Action, versäumen es aber beinahe komplett, dem Genre neue, eigene Impulse hinzuzufügen.

AEW Fight Forever ist seit dem 29.6.2023 für Xbox Series X|S, Playstation 5, PC und Nintendo Switch erhältlich. Dieser Test wurde vorwiegend anhand der PC-Version erstellt. Auf der Switch ist die Grafik vor allem im Handheld-Modus etwas matschiger als bei den anderen Konsolen. Außerdem müsst ihr dort kleinere Ruckler in Kauf nehmen. Hinsichtlich des Inhalts sind die verschiedenen Versionen deckungsgleich. Der Preis beträgt auf allen Plattformen derzeit 59,99 Euro.

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