Test zu A Fold Apart: Eine große Portion Charme in einem kleinen, feinen Abenteuer
Test
Wer sagt denn, dass in Videospielen immer nur epische Heldensagen besungen werden müssen? A Fold Apart spinnt eine kleine, charmante Alltagsgeschichte mit hohem Identifikationspotenzial. In unserem Test klären wir, was das einzigartige Puzzlespiel auszeichnet und an welchen kleinen Makeln es aller Qualitäten zum Trotz zu knabbern hat.
Mann trifft Frau (oder Mann trifft Mann oder Frau trifft Frau - das Spiel überlässt euch die Geschlechtskonstellation), sie verlieben sich, sind glücklich, doch ihre Beziehung wird von einer einjährigen Trennung auf die Probe gestellt. Der Grund dafür ist ein prestigeträchtiger Job in einer weit entfernten Großstadt, den ein Teil des Duos antritt.
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Beide entscheiden sich, ihre Partnerschaft in dieser Zeit als Fernbeziehung fortzuführen. Doch das ist trotz moderner Kommunikationsmittel gar nicht so einfach!
So nah und doch so fern
Das Thema von A Fold Apart ist Liebe auf Distanz. In etwa drei Stunden werdet ihr Zeuge von Momenten im Leben der beiden Protagonisten, wie sie sich Textnachrichten schreiben (manchmal bleibt die Wortwahl euch überlassen), einander missverstehen und daraufhin ins Grübeln und Zweifeln verfallen. Das ist nicht unbedingt weltbewegend und zunächst auch nicht übermäßig interessant zu lesen. Aber schon nach dem ersten Kapitel wachsen einem die beiden ans Herz und man möchte wissen, wie es mit ihnen weitergeht.
Zusammen falten
Quelle: PC Games
Da ist die gemeinsame Welt noch in Ordnung: Zu Beginn des Spiels erlebt ihr im Schnelldurchlauf, wie sich die beiden kennen und lieben gelernt haben.
Eingebettet ist die simple, aber charmante Geschichte in eine ungewöhnliche Puzzle-Mechanik. Wie der Titel bereits andeutet, geht es ums Falten! Um aus dem negativen Gedankenkarussell auszusteigen und in der Beziehung voranzukommen, müssen die beiden Helden Sterne ergattern. Außerdem besteht die gesamte Umgebung aus bemalten Papierblättern. Wenn eine Figur in den nächsten Bildschirm läuft, wird quasi ein weiteres Blatt angelegt. Immer wenn es in einem Level einen Stern zu ergattern gilt, könnt ihr das Papier falten. Erst nur rechts und links, später oben und unten und schräg an den Ecken, und drehen könnt ihr es im letzten Kapitel auch. Indem ihr die Rückseite nach vorne schlagt, verbindet ihr etwa Pfade, wenn ihr von hinten oben nach vorne faltet, fällt ein störender Block nach unten.
Schwierig zu erklären und im ersten Moment auch schwierig zu verinnerlichen, aber allemal kreativ und nach einiger Zeit tatsächlich motivierend und spaßig. Zumal man die Möglichkeit hat, das Spiel sich selbst lösen zu lassen, wenn man wirklich komplett auf dem Schlauch steht oder nur Interesse an der Geschichte hat. Die Tipps-Funktion ist nämlich äußerst großzügig und löst die Puzzles auf Wunsch an eurer Stelle.
Durchdacht, aber kurz
Quelle: PC Games
Indem wir das rechte obere Eck nach vorne falten, setzen wir den Weg fort. Die Puzzles erfordern es also im wahrsten Sinne des Wortes, um die Ecke zu denken.
Technisch bietet A Fold Apart das, was man von einem kleinen Indie-Studio erwarten kann. Bunte, aber schlichte Cartoon-Optik, plätschernde Musik und eine im Großen und Ganzen gut funktionierende Steuerung. Nur das Umschlagen der Ecken ist fummelig - oft faltet man stattdessen ungewollt vertikal oder horizontal. Ein großes Lob geht aber an die intelligente Verzahnung des Spielprinzips mit dem Thema der Geschichte: Alles hat zwei Seiten und das Betrachten aus unterschiedlichen Blickwinkeln hilft aus vermeintlich aussichtslosen Situationen. Und genau das tut ihr im Spiel: Ihr wendet wortwörtlich das Blatt, betrachtet Nachrichten des Partners unter anderen Gesichtspunkten und wechselt euch außerdem Kapitel für Kapitel ab, erlebt die Krisenmomente also aus zwei Perspektiven.
Ein gutes Konzept und eine schöne Botschaft - wer gerade selbst in einer Fernbeziehung steckt, findet sich bestimmt in dem einen oder anderen Moment der kurzen Erzählung wieder. Auf das "kurz" sollte man dabei aber sein Augenmerk legen - circa 18 Euro ist nämlich ein happiger Preis für A Fold Apart, das keinen Wiederspielwert besitzt und abseits des Storymodus - so schön er auch ist - keine weiteren Inhalte vorzuweisen hat. Dabei hätte es sich doch so angeboten, einen Online-Koop-Part für getrennt voneinander lebende Pärchen zu integrieren!
English, please
Quelle: PC Games
Die grafische Gestaltung der Gedanken der Darsteller ist nur auf Englisch schön in die Umgebung eingebunden. Der deutsche Text steht oben am Bildschirmrand.
Wer gute Englischkenntnisse besitzt, der kann und sollte in den Optionen diese Sprache auswählen. Denn die Gedanken der Protagonisten werden als Texte auf Englisch in die Umgebung eingebettet, grafische Hilfsmittel verdeutlichen die Emotionen dahinter. Bei Wut sind etwa einzelne Wörter groß, bedrohlich und rot, besonders wichtige Begriffe nehmen riesige Ausmaße an und Ähnliches. Auf Deutsch ändert sich an den englischen Texten, die so schön in die Spielwelt eingepasst sind, nichts, stattdessen lest ihr zusätzlich die deutsche Übersetzung als gesonderte Einblendung am oberen Bildschirmrand. Das lenkt ab, andererseits ist es natürlich zu begrüßen, dass bei der Portierung auch an die Spieler gedacht wurde, die es vorziehen, A Fold Apart auf Deutsch zu erleben. Doch egal, auf welcher Sprache man das Puzzle-Abenteuer in Angriff nimmt - Botschaft und Geschichte sind universell und die Puzzle-Mechanik überzeugt! Ob ihr euch für die paar Stunden Spielzeit für immer von etwa 18 Euro trennen wollt, das müsst ihr entscheiden.
A Fold Apart ist seit dem 17. April für PC, PS4, Nintendo Switch und Xbox One erhältlich.
