28 Years Later: Ich bin schon lange nicht mehr so verwirrt aus dem Kino gegangen
Kolumne
Seit einigen Tagen läuft 28 Years Later auch in deutschen Kinos. Teil drei der Reihe hat mich auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen.
Da geht man am Mittwochabend nichtsahnend ins Kino und kommt aus dem Staunen kaum noch heraus. Als großer Fan von 28 Days Later und der Fortsetzung 28 Weeks Later haben mich die Trailer zum neuen Kinofilm von Danny Boyle bereits ziemlich abgeholt. Die bis dato gezeigten Szenen aus 28 Years Later waren bildgewaltig, angsteinflößend und spannend. In welche Richtung sich Teil drei im Endeffekt entwickelt, konnte ich aber nicht einmal ansatzweise erahnen.
Aber genau das möchte man doch: Viel zu viele Trailer verraten bereits einen Großteil der Handlung und das eigentliche Kinoerlebnis bleibt im Anschluss als Enttäuschung zurück. Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Alex Garland schaffen mit 28 Years Later (jetzt kaufen 16,99 € ) aber genau das Gegenteil. Denn enttäuscht hat mich der Streifen auf gar keinen Fall, verwirrt bin ich aber definitiv aus dem Kino gegangen.
Eine komplett neue Welt
Schon die ersten beiden Teile hatten recht wenige Parallelen, was wohl unter anderem am gestiegenen Budget liegen wird. Dem Erstling mit Cillian Murphy in der Hauptrolle sieht man die günstigere Produktion durchaus an und dennoch ist es für mich bis heute einer der besten Zombie- ... sorry ... Infizierten-Filme.
28 Jahre nach Teil zwei kam nun eben der neue Streifen in die Kinos, der wiederum als Start einer dreiteiligen Reihe gilt. Während die ersten Minuten erwartungsgemäß abliefen und mich direkt an die Vorgänger erinnerten, bog der Film relativ schnell in eine ganz andere Richtung ab. Aber keine Angst, spoilern werde ich euch hier nichts von der Handlung. Kurz abholen, muss ich euch aber schon.
Quelle: Sony Pictures
Ein 12-jähriger Junge, der bislang in einem sicheren Dorf gelebt hat, das nur bei Ebbe vom Festland aus erreichbar ist, macht sich mit seinem Vater auf eine Erkundungstour in eben jenes Gebiet. Dort hausen auch 28 Jahre nach dem Ausbruch des Rage-Virus noch die Infizierten.
Die Zombie-ähnlichen Wesen haben sich allerdings ordentlich verändert, - mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Der kleine Twist kam für mich doch sehr unerwartet, aber mein Interesse wurde dabei sehr schnell geweckt. Immerhin kenne ich nach elf Staffeln The Walking Dead und vielen anderen Filmen sowie Serien sämtliche Evolutionsstufen der Matschbirnen nur zu gut.
28 Years Later bringt tatsächlich ein wenig frischen Wind in das Franchise, ohne aber komplett das Rad neu zu erfinden. Manchmal wirkt der komplette Film sogar wie ein Fiebertraum und nicht nur einmal musste ich hinterfragen, ob ich da gerade die Fortsetzung meiner geliebten Reihe sehe.
Starker Mix zwischen alt und neu
Das hört sich wohl negativer an, als es soll, was vermutlich an den etlichen WTF-Momenten liegt, die ich auch einen Tag später noch nicht wirklich einordnen kann. Man bekommt schließlich sogar einen relativ verrückten Vorgeschmack, wie es denn mit den Infizierten in der Zukunft weitergehen könnte. Spätestens bei diesem Moment im Film konnte ich kurz meinen Augen nicht mehr trauen. Als ein Charakter diese Szene dann auch noch mit den Worten "Was zum Fi**?" kommentiert hat, war das beinahe so, als wäre die dritte Wand durchbrochen worden.
Humor oder skurrile Figuren gab es in den Vorgängern ebenfalls nicht wirklich, doch Boyle und Garland bringen im neuen Teil auch die Komponente ins Spiel. Und größtenteils funktionieren diese Augenblicke überraschend gut und bringen mich und andere Zuschauer sogar zum Lachen.
Quelle: Sony Pictures
Manchmal habe ich das Gefühl, die beiden Filmemacher hatten Spaß daran, die Zuschauer verwirrt zurückzulassen und ich mag das. 28 Years Later ist dadurch erfrischend, ohne aber den Kern und den Charme aus Teil eins und zwei zu verlieren.
Dafür sorgen unter anderem auch in Part drei wieder wunderschöne und besondere Kamerafahrten, die schon immer wichtig für die Reihe waren. Auch an die exzellenten Schauspielleistungen von Cillian Murphy und Co. knüpfen die aktuellen Darsteller an.
Toller Cast und Soundtrack
Meine absoluten Highlights sind Alfie Williams, der den 12-jährigen Spike verkörpert und Ralph Fiennes in der Rolle des durchgeknallten Dr. Ian Kelson. Sobald es in den zweiten Abschnitt geht, zieht die Handlung an und überrascht mit einigen Twists. Das Zusammenspiel der beiden Charaktere verändert den Horrorfilm zeitweise zum Drama und auch die Wendung habe ich nicht kommen sehen.
Quelle: Sony Pictures
Der Soundtrack passt für mich ebenfalls wieder perfekt. Der Mix aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen setzt immer zum richtigen Zeitpunkt ein und sorgt für die richtige Stimmung in bestimmten Szenen.
Obwohl ich mich einen Tag später immer noch nicht festlegen kann, ob ich den Film gut oder vielleicht sogar genial finde, bin ich glücklich, 28 Years Later auf der großen Leinwand gesehen zu haben.
Solche besonderen Kinoerlebnisse sind selten geworden und neben den ganzen Action-Blockbustern und 0815-Horrorfilmen dürfen solche verrückten Streifen auf gar keinen Fall fehlen. Wer 28 Years Later noch nicht gesehen hat und eine normale Fortsetzung der beiden Vorgänger erwartet, könnte allerdings spätestens beim Abspann ziemlich überrascht sein.
Ich freue mich dagegen jetzt schon auf die angekündigten Fortsetzungen. The Bone Temple soll schon im Januar 2026 in den Kinos starten und die Geschichte rund um die Quarantänezone Großbritannien weitererzählen. Ich werde mir den Part auf jeden Fall wieder reinziehen und hoffen, dass die Filmemacher weiter mutig bleiben.