Während Electronic Arts, Ubisoft & Co. eifrig ihren Geschäftennachgehen, sind andere einst bekannte Publisher und Entwickler längst wieder von der Bildfläche verschwunden - und mit ihnen zumeist auch grandiose Computerspiel-Serien. Im zweiten Teil unseres Nachruf-Specials erinnern wir an 14 vergangene Spieleschmieden, die inzwischen leider schließen mussten. Mal aus eigener Dummheit, mal einfach nur aus Künstlerpech, mal aus purem Größenwahn.
Erinnert ihr euch nach an Bullfrog (Dungeon Keeper) zurück? Oder an Irrational Games (Bioshock)? Sagen euch die Acclaim und THQ noch etwas? Alle oben genannten Entwickler und Publisher haben eines gemeinsam: Es gibt sie nicht mehr! Während Branchenriesen wie Activision, Electronic Arts und Ubisoft weiter um Marktanteile kämpfen, sind Bullfrog und Co. längst von der Bildschirmfläche verschwunden. Um die Erinnerungen an einige großen Namen beizubehalten, hier ein Nachruf an verlorene, aber nicht vergessene Akteure der Industrie. Lest auch den ersten Teil unseres Specials, in dem wir un an Spiele-Klassiker wie Age of Empires und C&C erinnern.
In diesem Artikel
- Seite 1 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - 10tacle, Acclaim, Ascaron
- Seite 2 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Bullfrog, GoD, Ion Storm
- Seite 3 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Irrational Games, Looking Glass, Lucas Arts
- Seite 4 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Midway, Origin Systems, Pandemic
- Seite 5 Ein Nachruf auf Entwickler & Publisher - Sierra, THQ
- Seite 6 Bildergalerie
Quelle: 10tacle
Das Echtzeit-Strategiespiel War Front: Turning Point spielt in einer alternativen Realität, in der Hitler bereits zu Kriegsbeginn ermordet wird - der Titel ist 2007 einer der letzten aus dem Hause 10tacle.
10tacle
Wer waren die noch mal?
2003 wird in Darmstadt der Spielehersteller 10tacle Studios gegründet. Mit großspurigen Versprechungen sammelt das Unternehmen Millionen an Investorengeldern ein – unter anderem verspricht man die "deutsche Antwort auf Lara Croft" und nutzt Michael Schumacher als Testimonial. Tatsächlich feiert 10tacle mit der von SimBin entwickelten Rennspiel-Serie GTR einen ersten Achtungserfolg. Beim tollen Deck-13-Adventure Jack Keane fungiert man ebenfalls als Publisher.
Wie und wann kam das Ende?
10tacle eröffnet im Laufe der Jahre ein Entwicklungsstudio nach dem anderen und bläst seinen Personalapparat schnell auf. Der Börsengang im Jahr 2006 spült weiteres Geld in die Kassen und kaschiert, was Insider schon längst ahnen: 10tacle lebt weit über seine Verhältnisse, zahlreiche unfertige Produkte werden über Wert bilanziert und schönen so die Geschäftszahlen. 2007 soll dann gar noch der bedeutungslose Berliner Publisher The Games Company für völlig unrealistische 5 Millionen Euro übernommen werden – doch dazu kommt es nicht mehr. Am 6. August 2008 meldet 10tacle Insolvenz an.
Was wurde aus denen?
10tacle-Geschäftsführer Michel Pes taucht später als Kopf einer Investorengruppe auf und wird zum Chef der Slightly Mad Studios – die wiederum aus ehemaligen SimBin-Mitarbeitern bestehen. The Games Company ist 2010 indes ebenfalls insolvent. In Sachen Spiele ist das Vermächtnis der beiden Firmen sehr dünn: Einzig Das Schwarze Auge: Demonicon von TGC kommt 2013 noch über Kalypso in den Handel.
Acclaim
Quelle: Acclaim
Gute Kritiken, miserable Verkaufszahlen: Sowohl das gruselig-gute Action-Adventure Shadow Man (im Bild) als auch die grafisch wegweisende Fliegerei Forsaken bringen Acclaim nur wenig Geld ein.
Wer waren die noch mal?
Die Geschichte von Acclaim beginnt bereits 1987: Genervte Angestellte von Activision starten ihren eigenen Publisher und benennen ihn extra so, dass er in alphabetischen Listen vor dem Ex-Arbeitgeber auftaucht. Während die frühen Jahre des Bestehens noch von Konsolen-Hits wie dem ersten Teil einer "mortalen" Prügelspielserie geprägt sind, steigt man Ende der 1990er-Jahre auch ins PC-Geschäft ein. So erscheinen mit Turok und Forsaken zwei Titel, die Acclaim zu weltweitem Ruhm verhelfen. Zahlreiche Lizenztitel, etwa zur Wrestling-Liga WWF oder der Anarcho- TV-Serie South Park, komplettieren das Acclaim-Portfolio.
Wie und wann kam das Ende?
2002 erscheint mit Turok Evolution das bislang teuerste Projekt des Publishers – doch der Dinosaurier-Shooter floppt grandios. Hunderttausende von vorab produzierten Exemplaren stauben in den Lagern vor sich hin. Als dann auch noch weitere Hoffnungsträger wie das Agenten-Spektakel Alias (zur TV-Serie mit Jennifer Garner) und die Sandalen- Action Gladiator wenig Anklang finden, ist Acclaim Geschichte. Am 1. September 2004 wird das Unternehmen liquidiert.
Was wurde aus denen?
Ein Jahr nach der Pleite gründete das ehemalige Vorstandsmitglied Howard Marks eine neue Firma namens Acclaim Games – doch der Anbieter von Online-Games für Teenager konnte sich nicht nachhaltig am Markt etablieren. Die Rechte an zahlreichen Acclaim- Marken wanderten unterdessen 2006 an Throwback Entertainment. Spielbares kam dabei aber nicht heraus. Inzwischen hält die koreanische Firma We Go Interactive die Copyrights von Fur Fighters, Extreme-G & Co. Und zu Turok erschien 2008 tatsächlich noch eine (wenig berauschende) Fortsetzung, produziert von Propaganda Games für Disney.
Ascaron
Quelle: Ascaron
Höhen und Tiefen: Der Patrizier ist der erste Computerspiel Hit aus Gütersloh, Anstoß 4 (im Bild) vergrault ein Jahrzehnt später noch die letzten Fans der einst so tollen Fußball-Management Simulation.
Wer waren die noch mal?
Der deutsche Publisher und Entwickler Ascon residiert ab 1991 in der westfälischen Stadt Gütersloh. Besonders die Handelssimulation Der Patrizier und der kultige Fußball-Manager Anstoß machen das Unternehmen bekannt. 1996 muss der Firmenname aufgrund eines Rechtsstreits mit der Schweizer Ascom AG in Ascaron geändert werden. An den großen Ambitionen des Unternehmens ändert das nichts: Mit passenden Vertriebspartnern will man den europäischen Markt erobern. Doch besonders die Anstoß-Fortsetzungen werden zur Katastrophe: Zuerst verlässt Gerald Köhler das Entwicklerteam Richtung Electronic Arts, dann muss die Erstauflage von Anstoß 4 wegen Lizenzproblemen komplett eingestampft werden. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Bugs. 2004 gelingt Ascaron der überraschende Befreiungsschlag: Das Action- RPG Sacred verkauft sich exzellent.
Wie und wann kam das Ende?
2009 muss Ascaron bereits zum zweiten Mal in seiner Firmengeschichte Insolvenz anmelden – und nun ist auch wirklich Schluss. Als Hauptgrund für das finanzielle Desaster gilt Sacred 2: Sagenhafte 20 Millionen Euro verschlingt die Produktion der so bedeutenden Fortsetzung – als sich der Release des Spiels immer weiter verzögert, geht Ascaron quasi auf der Zielgerade die Puste aus.
Was wurde aus denen?
Publisher Deep Silver erwirbt die Rechte an der Sacred-Serie und bringt 2014 den mäßigen dritten Teil der Reihe heraus. Die restlichen Marken wandern an Kalypso: 2010 kommt Patrizier 4 auf den Markt, 2012 mit Port Royale 3 die Fortsetzung einer weiteren ehemaligen Ascaron-Produktion.
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