Quake Champions: ​Vorschau zur Rückkehr des Shooter-Altmeisters

Special Sascha Lohmüller
Strafejumps und fette Wummen fehlen auch im neuesten Teil der Shooter-Reihe nicht.
Quelle: Bethesda

Wir haben den neuen Shooter von id Software angespielt und sind begeistert: Alte Tugenden treffen auf moderne Shooter-Elemente.

id Software prägte seit den 1990ern mit Doom, Quake und Wolfenstein das Ego-Shooter-Genre wie kein Zweiter.
Nach dem tollen Comeback von Doom im letzten Jahr soll nun Quake als Großvater des Multiplayer-­Genres mit einer Frischzellenkur wiederbelebt werden. Quake ­Champions soll Ende 2017 als Free2Play-Titel mit Ingame-Kaufoptionen erscheinen, vorerst nur für PC. Spätere Versionen für PS4 und Xbox One sind aber nicht ausgeschlossen.

Polarisierende Champions

Sogenannte Hero-Shooter wie Overwatch oder Battleborn, die mit unterschiedlichen Klassen und Charakteren stark auf Teamplay und taktische Koordination setzen, stehen derzeit hoch im Kurs. Entwarnung für Nostalgiker: Quake Champions möchte dieses Konzept nicht imitieren und ist trotz einer bunten Heldenriege weit davon entfernt, ein klassenbasiertes Spiel zu sein. Die Entwickler scheinen sich lediglich vom aktuellen Trend inspirieren zu lassen, um moderner zu wirken. Die "Champions" unterscheiden sich primär in ihrer Optik, aber auch in drei spielerischen Faktoren voneinander: Geschwindigkeit, Lebensenergie und Rüstungsschutz. Diese variieren je nach Heldenfigur, stehen aber in ausgeglichener Relation zueinander - keine Figur scheint einen klaren Vor- oder Nachteil zu haben. Das Spektrum reicht vom transhumanen Punk Anarki, der pfeilschnell, aber dafür relativ ungeschützt mit seinem ­Hoverboard durch die Arenen gleitet, bis zum behäbigen, galaktischen Kriegsherrn Scalebearer, der in massiver Rüstung und mit deutlich mehr Lebensenergie etwas behäbiger durch die Levels zieht.
Geschenkt: Der Ranger ist der kostenlose Charakter, der allen Spielern in der F2P-Basisversion zur Verfügung steht. Seine Spezialfähigkeit lässt ihn einen Beacon werfen, an den er sich per Knopfdruck teleportiert, um Gegnern in den Rücken zu fallen. Quelle: Activision Blizzard Geschenkt: Der Ranger ist der kostenlose Charakter, der allen Spielern in der F2P-Basisversion zur Verfügung steht. Seine Spezialfähigkeit lässt ihn einen Beacon werfen, an den er sich per Knopfdruck teleportiert, um Gegnern in den Rücken zu fallen. Trotz spürbarer Unterschiede der Champions bleibt sich die Serie vom Spielgefühl fast schon überraschend treu. Wir hatten im Vorfeld eine deutlich größere Annäherung an moderne Shooter-Konventionen erwartet. Jedoch gibt es weder Autohealing noch freischaltbare Perks oder Waffen. Alle Spieler bedienen sich ganz in der Tradition der Serie am gleichen Waffenarsenal, das in den Arenen an festgelegten Punkten von Freund und Feind aufgehoben werden kann.

Schnell, schneller, Quake

Anarki: Der bereits aus Quake Live bekannte Held ist auch in Champions eine der spielbaren Figuren. Seine Stärke ist die Geschwindigkeit, dafür steckt er deutlich weniger Schüsse ein. Quelle: Activision Blizzard Anarki: Der bereits aus Quake Live bekannte Held ist auch in Champions eine der spielbaren Figuren. Seine Stärke ist die Geschwindigkeit, dafür steckt er deutlich weniger Schüsse ein. Jeder Held verfügt über eine Spezial­fähigkeit, die per Tastendruck nach dem Abklingen einer Cooldown-­Phase eingesetzt wird. Die Effekte rangieren von Selbstheilung, über Teleport- und Walljump-Fähigkeiten bis hin zum Versprühen von giftigen Schleimpfützen. In unseren Testrunden wirkten die Fähigkeiten sehr ausgeglichen und nicht zu übermächtig. Der gezielte Einsatz dieser Fähigkeiten lockerte das unterhaltsame Fragfest dezent auf. Die Wahl des Charakters wird stark durch den eigenen Spielstil definiert: Spiele ich lieber einen schnelleren, wendigen Helden oder ist mir mehr Lebensenergie wichtiger? Aber auch mit den langsameren Figuren gehört Quake Champions zu den schnellsten Shootern, die aktuell verfügbar sind. Im Gespräch mit den Mitspielern gab es keinen erkennbaren Favoriten - jeder Champion lässt sich auf Anhieb gut spielen und es bedarf keiner "Einarbeitungszeit", um die eigene Spielweise an die "Rolle" des Charakters anzupassen. Auch wenn es id Software damit gelingen mag, die Einstiegshürde niedrig zu halten, muss sich zeigen, ob das Champions-Modell angenommen wird. Der Reiz, einen anderen Helden auszuprobieren, sinkt im Vergleich zu klassenbasierten ­Shootern mit der Tatsache, dass sich die Champions spielerisch nur marginal voneinander unterscheiden.

Quad Damage & Rocketjumps

Im lokalen Netzwerk durften wir Team-Deathmatch-Partien im 5vs5-Modus auf zwei Maps (Blood Covenant & Ruins of Sarnath) mit allen derzeit vorgestellten Champions austragen. Geschwindigkeit, Steuerungsverhalten und Spielgefühl beschworen sofort das gewohnte Gefühl von Quake Live und seinem indizierten Verwandten herauf. Auch von der Serie etablierte Spezialmanöver wie Rocket- und Strafejumps gingen gut von der Hand. Da Waffen, Medikits und der begehrte "Quad Damage"-Schadensmultiplikator an den immer gleichen, festen Punkten auf der Karte auftauchen, sind Kenntnis der Map und Kontrolle der Spawnpunkte für den Sieg mindestens genauso wichtig wie gutes Zielen und Schießen. Die zwei spielbaren Karten boten nach kurzer ­Orientierungsphase einen guten Nährboden für spannende Gefechte und dynamische Kampfsituationen. Beide Maps waren angenehm verschachtelt und nicht zu groß, um lange Leerläufe entstehen zu lassen. Grafisch konnte Quake Champions in der Beta bereits überzeugen. Vor allem die durchgehenden 120 Herz sorgten für ein butterweiches Spielgefühl.
Hoch hinaus: Vertikales Gameplay steht auch in Quake Champions im Mittelpunkt. Die Arenen sind bestückt mit Jumppads, Portalen und mehreren Ebenen. Quelle: Activision Blizzard Hoch hinaus: Vertikales Gameplay steht auch in Quake Champions im Mittelpunkt. Die Arenen sind bestückt mit Jumppads, Portalen und mehreren Ebenen. Insgesamt vier kompetitive Spielmodi soll es geben. Die unzerstörbaren Klassiker Deathmatch und Team-Deathmatch werden ergänzt durch einen 1-on-1-Duelliermodus und den neuen Modus Sacrifice, der eine Mischung aus Domination und Capture the Flag darstellen soll. Vor allem vom Duellier-Modus erwartet sich Charles spannende Matches, nicht nur, aber auch mit dem E-Sport-Fokus im Hinterkopf. Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der "alten Hasen" und Quake-­Veteranen auf Free2Play-­Modelle nicht gut zu sprechen ist. Doch Spiele wie Dota und League of Legends zeigen, dass der kostenlose Zugang zur Basis-Version enorm wichtig sein kann, um eine beständige und aktive Multiplayer-­Community aufzubauen. Bei Quake Champions erscheint das Grundspiel mit allen Karten, Spielmodi und Waffen kostenlos, der Ranger steht darin als spielbarer Held zur Verfügung. Weitere Champions können mit Echtgeld nachgekauft oder aber mit der Ingame-Währung "Favor" für gewisse Zeit "ausgeliehen" werden. Ob es eine regelmäßig wechselnde Rotation mit freien Champions geben wird, wird bei id Software derzeit noch überlegt. Wer auf das Konzept keine Lust hat, kann mit dem Kauf des "Champions Pack" direkt alle Spielfiguren freischalten.

Looten und Leveln

Eine weitere Annäherung an moderne Shooter: Lootboxen. Unabhängig vom gewählten Champion sammelt man übergreifende Erfahrungspunkte. Beim Erreichen von Level-ups werden diese Fortschritte mit zufälligem, in der Seltenheit ­variierendem Inhalt belohnt. Die Beutestücke dienen nur der kosmetischen Personalisierung des Lieblingshelden. Von Masken und Rüstungsteilen über Schuhe bis hin zu Gesichtsbemalungen war nichts in den Lootboxen enthalten, was von spielerischer Relevanz gewesen wäre. Wer möchte, kann diesen Teil des Spiels ignorieren und muss kein "Pay2Win" befürchten. Man habe nicht vor, Power-­ups für Echtgeld zu verkaufen oder die Balance durch Bezahloptionen zu gefährden, versichert uns Senior Producer Matt Charles. Zusätzlich zu den erspielten Kisten gibt es optionale Rucksäcke mit gleichem Inhalt im angeschlossenen Shop, die mit Ingame- und Echtgeld-Währung erworben werden können.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk