Pro Evolution Soccer 5
Vom Torsturm zur Fußball(r)evolution: In diesem Jahr feiert die "Pro Evolution Soccer"-Reihe ihr zehnjähriges Jubiläum. In den zurückliegenden Jahren hat sie mehrmals den Namen gewechselt. "Goal Storm", "International Superstar Soccer Pro", "ISS Evolution Pro", "Pro Evolution Soccer" -- die Bezeichnungen auf den deutschen Verpackungen änderten sich immer wieder. Gleich geblieben sind hingegen die inneren Werte. Seit Jahr und Tag treibt das Team um den Fußball-Maniac Shingo "Seabass" Takatsuka das PlayStation-Gekicke immer weiter nach vorne. Der Hobby-Angler -- daher auch sein Spitzname -- und Anhänger von Inter Mailand legt die Messlatte in jeder Entwicklungsphase höher. Und damit steigen natürlich auch die Ansprüche an das Produkt...
Aller Anfang ist schwer
Dieser Ehrgeiz hat sich bei "Pro Evolution Soccer 5" abermals ausgezahlt. Doch wird die schrittweise Annäherung an den echten Rasensport teurer denn je bezahlt. Wer bis dato in Teil 4 voll ambitioniert an den Ball getreten hat, muss sich auf eine krasse Umstellung gefasst machen. Die ersten Matches sind von Torarmut geprägt, egal ob man zu Beginn gegen die CPU oder gegen einen Konsolero-Kollegen antritt. Des Pudels Kern ist die aggressive Künstliche Intelligenz. Die Teams beherrschen es jetzt nahezu perfekt, die Räume eng zu machen und den Spielaufbau früh zu stören. Jede Partie artet gleich nach dem Anpfiff in Rasenschach aus, bei dem man den Gegner durch rasches Kurzpassspiel und viel Spielübersicht matt setzen muss. Taktieren statt attackieren lautet jetzt also die Devise.
"Die Freiheit nehm' ich mir!" Das haben sich die "PES"-Macher im Hinblick auf die Steuerung wohl fest vorgenommen. Alle offensiven und defensiven Aktionen eines Feldspielers werden manuell ausgeführt, was logischerweise gutes Timing voraussetzt. In Abwehrsituationen ist das Nachsetzen mit der X- und Vierecktaste effektiver, doch muss es im richtigen Augenblick geschehen. Ansonsten springen die Angreifer entweder souverän über den grätschenden Verteidiger oder werden rigoros mit einer Rot-verdächtigen Aktion umgemäht.
Etwas nervig treten in solchen Extremsituationen die Unparteiischen in Erscheinung, da sie das Spiel trotz der optimierten Vorteilsregel zu oft unterbrechen. Ein Trikotzupfer hier, ein Rempler da -- und schon gibt's einen Freistoß. Diese Angelegenheit lässt sich gut mit den übermäßigen Handspielen in "PES 3" vergleichen. Fairplay: Liegt jetzt ein Athlet länger regungslos auf dem grünen Geläuf und geht die Partie dennoch weiter, unterbricht der Mann in Schwarz den Schlagabtausch. Es schließt sich ein Schiedsrichterball an.
Strahl aus 30 Metern!
"Pro Evolution Soccer 5" gibt sich auch in dieser Saison nicht sonderlich einsteigerfreundlich. Man muss trainieren und an Aufstellung sowie Taktik feilen, um letzten Endes auf dem Rasen zu dominieren. In diesem Jahr erscheinen daher weitere sinnvolle Features im Menü "Formationseinstellungen".
Zum einen werden die Spieler jetzt auch nach ihren Fernschuss- und Außenrist-Fähigkeiten beurteilt, zum anderen können sie als hängende Spitze positioniert werden. Setzt man diese neuen Attribute -- also Schüsse aus der zweiten Reihe und gefühlvolle Schlenzer -- während der Spiele konsequent um, steigt die Torausbeute auf jeden Fall an. Apropos Gefühl: Die Krönung ist eine zusätzliche Schusstechnik: Schließt man mit der R2-Taste einen Torschuss ab, wird das Polygonleder mit dem Innenrist gefühlvoll und präziser auf den gegnerischen Kasten geschoben. Der aufgepeppte Trainings-Modus bietet hier gute Übungslektionen an.
Die wenigen Schwächen
Als unangenehm entpuppt sich die Bildwiederholungsrate. Überraschenderweise treten die gleichen Symptome auf wie bei "PES 4". Hat man sich für die komfortable 60-Hertz-Option entschieden, hängt die Spielgeschwindigkeit tatsächlich von der Stadionarchitektur ab. Je mehr Schlachtenbummler auf der Tribüne Platz nehmen und für tolle Stimmung sorgen, desto weniger flüssig steuert sich der Budenzauber.