Das Spiel trumpft mit einer Atmosphäre auf, die dem Kinofilm das Wasser reichen kann.
Obwohl sich die Filmumsetzung King Kong wie ein Ego-Shooter spielt, kommen Schusswaffen nur selten zum Einsatz, wenn wir mit Jack Driscoll auf die Pirsch gehen. Zwar stehen uns eine Pistole, eine Schrotflinte, eine Tommy-Gun und ein Scharfschützengewehr zur Verfügung, wir können aber immer nur eine Bleispritze mit uns herumtragen. Und Munition ist rar. Also heben wir uns die schweren Geschütze für die dicken Brocken auf und gehen mit überall herumliegenden Speeren oder angenagten Knochen auf Dinojagd.
Ständige Munitionsarmut und Holzspeere als einzige Bewaffnung gegen Saurier -- mit diesen Mitteln erzeugen die Entwickler von Ubisoft Montreal eine dichte Atmosphäre. Immer wieder stehen wir beispielsweise einem turmhohen T-Rex gegenüber. Den können wir zwar nicht auf die Matte schicken, aber zumindest in Schach halten, während unsere Kameraden im Hintergrund eine Tür öffnen, die in die Freiheit führt. Das ist Hochspannung!
Der King im Ring
Während wir uns in den Abschnitten mit Jack permanent bedroht fühlen, poltern wir später mit King Kong höchstpersönlich wie auf Schienen durch Dschungel-Levelschläuche, springen im richtigen Moment von Plattform zu Plattform oder schwingen von Baum zu Baum. Diese Einlagen sind nicht anspruchsvoll, aber auch nicht unnötig in die Länge gezogen und deshalb angenehm kurzweilig.
Wirklich actionreich wird es, wenn wir uns als Riesenaffe mit Sauriern oder übergroßen Fledermäusen anlegen. Eine Taste zum Schlagen, eine simple Tastenkombination für das Auslösen einer kräftigen Attacke -- mehr müssen wir für diese Sequenzen nicht auf dem Kasten haben. Und egal, wie wild und sinnfrei wir die Tastatur auch beackern, das Geschehen auf dem Bildschirm ist reif für die Leinwand. Phantastisch animiert schlägt Kong mit seiner Rechten zu, bei besonders starken Angriffen bebt das Bild.
Lizenz-Korsett
King Kong spielt sich zwar hervorragend, bietet aber kaum Abwechslung. Sowohl Jack als auch Kong bewegen sich auf klar abgesteckten Wegen durch den Dschungel. Das ist der Preis, den die Entwickler zahlen müssen, damit das Spiel in den Lizenz-Rahmen der Filmvorlage passt. Das kann man Ubisoft Montreal allerdings verzeihen, denn mit dichter Atmosphäre und einem Leveldesign, das mit ausladenden Dschungellandschaften Größe suggeriert, überspielen die Entwickler gekonnt die winzigen Dimensionen der Levels.
¬ Originaltest in Heft 12/2005
David Bergmann
