Bedeutet OnLive das Ende des klassischen Gamings? Den Tod der Konsolen? Bietet die digitale Distribution mehr Vorteile oder mehr Verzicht?
F ür Hardcore-Gamer ist das Auspacken eines Spiels jedes Mal aufregend, fast wie die Bescherung an Heiligabend. Das könnte bald Geschichte sein, untergegangen im Strudel der Zeit wie das Grammophon, die Schreibmaschine und bald auch die Glühbirne.
„Innerhalb der nächsten vier oder fünf Jahre wird es keine Verpackungen mehr geben – weder für Filme, noch für Musik oder Spiele. Spiele werden nur noch online vertrieben.“ Diese radikale These vertritt Rahul Sandil, der Senior Vice President von GamersFirst in unserem Interview. Die Free2play-Spiele, die sein Unternehmen veröffentlicht, erscheinen bereits jetzt
ohne Verpackung – gespielt wird, indem man die kostenlose Software GamersFirst LIVE! installiert. Der Erfolg gibt der Idee recht: Nach eigenen Angaben ist GamersFirst das meistbesuchte Free2play-Portal der Welt. Ehrfurcht vor den klassischen Publishern hat Sandil nicht: „Durch den Niedergang des traditionellen Einzelhandelmodells wird es für Videospiel-Publisher überlebenswichtig, innovative neue Vertriebswege zu gehen.“
Eine solche Innovation wird nun nach langer Wartezeit Realität: OnLive. Nach sieben Jahren geheimer Entwicklungsarbeit soll die Games-on-Demand-Plattform am 17. Juni voll funktionsfähig an den Start gehen – für die Spielebranche ein so denkwürdiger Moment wie für Fußballfans die WM in Südafrika, die sechs Tage zuvor beginnt. Manche Experten prognostizieren das Ende des Gamings wie wir es kennen, manche sogar den Tod aller Konsolen. OnLive selbst preist sich selbstbewusst als "The Future Of Gaming“.
