Interview mit Zelda-Übersetzer Josef Shanel

Special Thomas Nickel

Wir haben mit Josef Shanel gesprochen – seit PSone-Tagen ist er einer der besten Übersetzer von Konsolenspielen überhaupt.

play: Was sind denn die schwierigsten Elemente beim Übersetzen? Wo geht man die meisten Kompromisse ein? Und wie frei bist du eigentlich beim Übersetzen?

Josef Shanel: Das schwierigste ist vielleicht die Vereinbarung der eigenen Ansprüche mit dem Schedule des Projekts, so banal das klingen mag. Soll eine Lokalisation gut werden, kommt es wie gesagt nicht nur auf das pure Übersetzen an, sondern darauf das Spiel gut zu kennen und nachher auch ideal mit dem Text zusammenzuführen. Da geht schon die eine oder andere Nachtschicht drauf, wenn man noch irgendeine knifflige Bonus-Aufgabe durchspielen will, nur um zu sehen, ob der Text, der auf dem Blatt etwas vage war, vom Kontext her auch wie gedacht im Spiel aufgeht.
Von daher empfinde ich die Kompromisse als eher logistischer Natur. Das Gefühl, etwas nicht adäquat auf Deutsch umsetzen zu können, hatte ich hingegen eigentlich noch nie. Mit etwas Liebe zum Projekt und Kreativität findet man immer eine Entsprechung, auch für scheinbar unübersetzbare Witzchen oder Eigenheiten. Und wenn die eine Sache mal zwangsläufig nicht so viel Biss hat wie in der Originalsprache, weil diese den Gedanken linguistisch einfach besser transportierte, dann sticht man eben an anderer Stelle das Original auf Deutsch sogar mal aus.
Was also die Freiheiten beim Übersetzen angeht, so sieht man, diese sind ziemlich groß. Zumindest bei den Projekten an denen ich beteiligt war, hatte man ausreichend „freie Hand“ und kreatives Übersetzen war Pflicht – im Prinzip „erfindet“ man den Text in seiner Landessprache ja neu, so als wären die Autoren des Originalskripts Deutsche und nicht z.B. Japaner. Verfälschen sollte man natürlich tunlichst nichts oder dem Ganzen gar eine andere Richtung geben – aber wenn es sich anbietet, den gleichen Inhalt manchmal in durchaus anderen Worten wiederzugeben, weil das gedanklich im Deutschen besser funktioniert, dann ist das kein Unding.

play: Wie ist das mit Kritik? Wie geht man als Übersetzer damit um? Bekommst du Feedback von Spielern?

Josef Shanel: Feedback von Spielern kann man natürlich in Internet-Foren bekommen. Ob man sich dort umschaut oder gar zu Wort meldet, muss aber jeder Übersetzer selber wissen. ;-) Ich tue das hin und wieder ganz gerne und manchmal schreib ich auch was. Zum Glück wird meine Arbeit, ob jetzt Manga oder Spiel, überwiegend positiv aufgenommen, von daher bin ich guten Mutes.
Aber Kritik gab es natürlich auch schon das eine oder andere Mal, sei es von Fans in Foren oder professionellen Redakteuren, und die trifft einen bei der Leidenschaft für den Job definitiv hart. Man will es ja wirklich jedem recht machen, aber das ist selbstverständlich unmöglich.

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