Colin McRae: Dirt - Xbox360-Version im Test

Test Andreas Szedlak

Den neuesten Colin-Teil "nur" als Rallye-Simulation zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung. Stattdessen gibt es hier Offroad-Spaß in allen Variationen.

Zehn Buggys kämpfen in der CORR-Serie um den Sieg. Diese Rennen leiden allerdings unter der zu trägen Steuerung. (Xbox360) Zehn Buggys kämpfen in der CORR-Serie um den Sieg. Diese Rennen leiden allerdings unter der zu trägen Steuerung. (Xbox360) Ultra-realistische Stage-Rennen waren immer das Markenzeichen der "Colin McRae"-Serie. Eingefleischte Rallye-Fans konnte man damit begeistern, der Rest der Rennspiel-Fraktion vermisste aber das Gerangel um Positionen. Darauf hat Codemasters reagiert, in "Dirt" ist nun für jeden Geschmack etwas dabei.

In den Wettbewerben der CORR- und Rally-Raid-Serien geht's gegen neun mitstreitende Rallye-Cars, Buggys oder Trucks. Prima: Die Konkurrenten verhalten sich glaubwürdig und begehen auch Fahrfehler. Beispiele: Ein Buggy verpasst den Bremspunkt und rutscht in eine dichte Sanddüne neben der Strecke. An anderer Stelle verliert ein Truckpilot die Gewalt über sein tonnenschweres Fahrzeug und setzt zu einer ungewollten Karussellfahrt an.

Die Truck-Rennen sind alles andere als langweilig. Überholvorgänge gehen hier fast nie ohne Berührung vonstatten. (Xbox360) Die Truck-Rennen sind alles andere als langweilig. Überholvorgänge gehen hier fast nie ohne Berührung vonstatten. (Xbox360) Vor allem die LKW-Rennen sind trotz des eher gemächlichen Tempos recht fordernd, da die Trucks extrem aufschaukeln und sogar komplett kippen können! Umso ärgerlicher, dass gerade in diesen Rennen die Bildrate sinkt und sich die Steuerung träger anfühlt. Während dies auf der Xbox360 zwar nervt, aber noch erträglich ist, stört das Ruckeln auf dem PC doch extrem. Es sei denn, Sie nennen eine Multicore-Kiste mit einer Geforce 8800 (oder vergleichbar) und zwei GB RAM Ihr eigen.

Bei den klassischen Stage-Events mit nur einem Fahrzeug auf der Strecke läuft das Spiel dafür deutlich flüssiger und macht auch mehr Spaß. Dank der direkteren Steuerung gelingen auch blitzschnelle Manöver, die auf den unübersichtlichen Kursen -- trotz der verständlichen Kommandos des Beifahrers -- vonnöten sind.

Schädlinge im Gebüsch

In der Cockpit-Ansicht kommt echte Rennsport-Atmosphäre auf. Das Armaturenbrett des Trucks strotzt geradezu vor Anzeigen. (Xbox360) In der Cockpit-Ansicht kommt echte Rennsport-Atmosphäre auf. Das Armaturenbrett des Trucks strotzt geradezu vor Anzeigen. (Xbox360) Wer sich nicht hundertprozentig auf die Ansagen des Kollegen konzentriert, braucht entweder viel Glück oder eine gute Vollkasko-Versicherung. Eine unfreiwillige Tour durchs Gestrüpp endet nicht selten mit einem heftigen Baumknutscher. Bei leichten Berührungen machen sich Karosserie-Teile wie Spoiler, Motorhaube oder Tür selbstständig, zudem leidet das Fahrverhalten: Mit beschädigtem Motor lässt sich ein Rennen zwar noch zu Ende fahren, aber nicht mehr gewinnen. Fliegt nach einem Crash jedoch ein Rad davon, bedeutet dies das Ende des Rennens.

Wie frustrierend die ungewollten Ausflüge sein können, dürfen Sie selbst bestimmen. Vor jedem der 66 Events im Karriere-Modus wählen Sie einen von fünf Schwierigkeitsgraden. In der niedrigsten Stufe brauchen selbst rüde Autoscooter-Fans keine Angst vor einem Totalschaden zu haben. Deutlich realistischer und schadhafter geht’s dafür im Pro-Level zu. Wer es hier schafft, sich von Bäumen fernzuhalten und auch noch den ersten Platz erreicht, erhält dafür das Sechzehnfache an Preisgeld.

Die Kohle brauchen Sie, um sich im Karriere-Modus mit reichlich Pferdestärken einzudecken. Auf der Einkaufsliste stehen insgesamt 46 Karossen aus dreizehn Klassen. Vielfalt wird hier ebenso wie bei der Event-Auswahl groß geschrieben: Mit Buggys, Pickups oder Trucks versuchen Sie, den neun Konkurrenten den Auspuff zu zeigen. Für die Stage-Rennen nutzen Sie Rallye-Cars vom schnöden zweiradgetriebenen Corsa bis zum brachialen Toyota Celica GT Pikes Peak mit einem sagenhaften Drehmoment von 1500 Newtonmetern. Ohne feinfühligen Pedaleinsatz lassen sich Bürzelschwünge damit aber kaum vermeiden. Zu wild zerren die Räder an der Hinterachse.

Konkurrenz voraus

Die Grafik ist insgesamt recht weich gezeichnet. Zudem verwischen bei höherem Tempo die Konturen am Bildrand. (Xbox360) Die Grafik ist insgesamt recht weich gezeichnet. Zudem verwischen bei höherem Tempo die Konturen am Bildrand. (Xbox360) Tiefe Furchen bleiben dabei im Lehm- oder Sandboden nicht zurück. In dieser Disziplin hat der nahende Konkurrent "Sega Rally" mehr zu bieten. Stattdessen wirkt es, als würden die Autos auf Schienen fahren. Fahrzeugmodelle und Umgebungsgrafik sind dafür sehr schön gestaltet. Vor allem bei den Ausflügen ins Gestrüpp merkt man, mit wie viel Liebe zum Detail die Grafiker die Pflanzenwelt gestaltet hat. Dabei ist die gesamte Optik mit einem leichten Unschärfefilter belegt worden. Zwar sieht dadurch alles nicht so nach Computergrafik aus, an manchen Stellen hat man es mit dem Weichzeichner aber übertrieben.
Fast schon perfekt fällt dagegen die Klanguntermalung aus. Das tiefe Röhren des Motors, Klickgeräusche beim Schalten und die knallenden Zündaussetzer versprühen viel Rallye-Atmosphäre. Als Mogelpackung erweisen sich die Mehrspieler-Rennen mit bis zu 100 Teilnehmern. Jeder Fahrer ist alleine auf der Strecke unterwegs, dabei wird stets die aktuelle Position eingeblendet.

Wertung zu Colin McRae: DIRT (X360)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Viele abwechslungsreiche WettbewerbeKlasse Optik und genialer SoundGute Steuerung bei StageEvents...
...aber zu träge bei den GegnerRennenFahrzeuge interagieren nicht mit dem Untergrund
Fazit

Rumsauen ohne Langeweile: Die vielfältigen Wettbewerbe garantieren fast ungetrübtes Offroad-Vergnügen.

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