Colin McRae Dirt 2: Die Auto-Schlammschlacht im Test

Test Andreas Szedlak

Test von Codemasters‘ Dreckspatz Colin McRae: Dirt 2! Mit einigen technischen Finessen geht's in die zweite DIRT-Runde!

Dirt 2 Quelle: Codemasters Dirt 2 Dirt-2-Test im Matsch: Dreckschleuder“ ist eigentlich ‘ne Beleidigung und etikettiert alte, stinkende Autos, die jede Menge Schadstoffe zum Auspuff rauspusten. Der Begriff beschreibt aber auch den neuesten Offroad-Spaß von Codemasters – nicht nur wegen des Namens (Dirt = Dreck): Wenn wir hinter einem tonnenschweren Hummer durch den Matsch fahren, freuen wir uns, dass da eine Windschutzscheibe ist. Und müffeln tun wir dabei auch, denn die packenden Rennen nässen unsere Achseln ganz schön ein.

Colin McRae - Dirt 2: BERÜHREN ERLAUBT

Dirt 2 (1) Quelle: Codemasters Dirt 2 (1) Rabiate Offroad-Wettkämpfe mit rüden Rempeleien machen einen Großteil des Spiels aus, klassische Stage-Events sind dagegen die Ausnahme. Wenn dies der 2007 viel zu früh verstorbene Rallye-Champion Colin McRae sehen würde … Wer also lieber gegen Autos fährt als gegen die Uhr, kommt in DIRT 2 auf seine Kosten.
Der Karriere-Modus führt euch quer über den Globus: In Malaysia, Tokio, London, Marokko, China und weiteren Orten wirbelt ihr gehörig Staub auf. Allerdings habt ihr die Locations schon nach wenigen Stunden freigespielt, danach macht sich ein „Das hab ich schon mal gesehen“-Gefühl breit. Auch der Fuhrpark fällt mit 35 Karossen nicht gerade üppig aus. Die Offroad-Auswahl erstreckt sich von kompakten Rallye-Cars wie einem Subaru Impreza oder einem Mitsubishi Eclipse über diverse Buggys bis hin zu dicken SUVs wie einem Hummer H3. Die noch vom Vorgänger bekannten LKWs bleiben diesmal in der Garage – ebenso wie die stetigen Ruckelanfälle, die den Offroad-Spaß im ersten DIRT noch getrübt hatten.
Technisch macht das Spiel seinem Namen keine Ehre, DIRT 2 läuft ausgesprochen sauber und sieht zudem hervorragend aus. Staub, Matsch, Wasser – an tollen Partikel¬effekten wird ebensowenig gespart wie an wegfliegenden Karosserieteilen oder heftigen Beulen. In Kombination mit der einwandfreien Steuerung und den aggressiven Mitstreitern sorgt dies für packende Offroad-Rennen, die schnell ein Suchtgefühl aufkommen lassen.

Colin McRae Dirt 2 - WO GEHT‘S LANG?

Dirt 2 (2) Quelle: Codemasters Dirt 2 (2) Enge Arenen mit 90-Grad-Kurven wechseln sich mit weitläufigen Strecken über Wald und Wiesen ab. Wie viel euch die Kurse abverlangen, richtet sich nicht zuletzt nach der gewählten Perspektive. Die Cockpit-Ansicht ist mit Abstand die beeindruckendste. Allerdings verlieren wir ob des schmalen Sichtfelds leicht die Übersicht, speziell an den häufigen Steigungen und Abhängen. Als Frustbremse hat Codemasters aber ein nettes Feature aus dem hauseigenen Rennspiel Race Driver: GRID übernommen: die Rückspul-Funktion.
Abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad dürft ihr bis zu fünf Mal pro Rennen die Zeit anhalten und die Uhr einige Sekunden zurückdrehen. So bekommt ihr nach einem Crash eine weitere Chance, um früher bremsen oder einen Sprung besser ansteuern zu können. Wer die Rückspul-Funktion effektiv einsetzt, hat wenig Probleme, die fürs Weiterkommen benötigten Punkte und Dollars einzustreichen. Neben neuen Karossen leistet ihr euch diverse Spielereien wie eine extravagante Hupe oder ein Accessoire fürs Armaturenbrett – Lust auf einen Totenkopfanhänger? Tuning-Teile wie einen besseren Motor oder dergleichen werden euch nicht angeboten. Tüftler dürfen lediglich vor jedem Rennen an Getriebeübersetzung, Abtrieb, Bremskraftverteilung oder Bodenfreiheit schrauben. Das macht durchaus Sinn, denn die Anforderungen bei weitläufigen Dschungelstrecken sind ganz andere als bei engen Motodrome-Kursen.

Colin McRae Dirt 2 - ABWECHSLUNG VOM ALLTAG

Colin McRae Dirt 2: Die Auto-Schlammschlacht im Test Quelle: Codemasters Neben normalen Renn- und Stage-Events sorgen einige Spezial-Wettbewerbe für Vielfalt im Karriere-Modus. So müssen wir zum Beispiel auf der Strecke verteilte Papp-Objekte überfahren und zwar in möglichst kurzer Zeit. In den Eliminator-Events fliegt nach jeder Runde der Letzte raus. Bei Dominator ist die Platzierung nicht entscheidend, stattdessen gilt es Sektorbestzeiten zu fahren, um die Strecke zu „dominieren“.
Anstatt mit drögen Menübildschirmen zu langweilen, präsentiert sich der Karriere-Modus von DIRT 2 in ungewöhnlicher Aufmachung. Zu jeder Location nehmt ihr einen alten verbeulten Wohnwagen mit, in dem ihr zum Beispiel die Events auswählt. Draußen auf dem Vorplatz steht eure Karosse bereit. Laute Mucke und abhängende Leute sorgen für Event-Atmosphäre. Außerdem melden sich eure geschwätzigen Mitstreiter regelmäßig zu Wort und verspotten oder loben euch.

Wertung zu Colin McRae: Dirt 2 (PS3)

Wertung:

9.0 /10
Fazit

Rallye-Puristen schütteln jetzt vermutlich den Kopf, aber seit dem ersten DIRT finde ich die Colin-Serie deutlich interessanter. Ich box‘ mich lieber durch ein Feld voller aggressiver Mitstreiter als allein auf der Strecke gegen die Uhr zu fahren. Wer meine Vorliebe teilt, darf sich bedenkenlos ans Steuer eines Hummer oder Subaru klemmen und über die ansprechenden DIRT 2-Kurse brettern. Im Gegensatz zum Vorgänger nerven diesmal keine Ruckler. Traditionalisten sollten dagegen eher auf die WRC-Simulation in Gran Turismo 5 warten.
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