Review: God of War II

Test Thorsten Küchler

Das Ende einer Ära: Sony haut zum Abschluss der PS2-Zeit noch mal kräftig auf den Putz -- und liefert ein Meisterwerk ab!

Spielerisch dünn, inszenatorisch genial: Gelegentlich steigt Kratos auf den Rücken des himmlischen Gauls Pegasus und reitet durch die Lüfte. Klar, dass Ihnen dabei feindliche Flieger auf die Pelle rücken -- eine wirkliche Herausforderung ist das Geflatter aber nicht. (PS2) Spielerisch dünn, inszenatorisch genial: Gelegentlich steigt Kratos auf den Rücken des himmlischen Gauls Pegasus und reitet durch die Lüfte. Klar, dass Ihnen dabei feindliche Flieger auf die Pelle rücken -- eine wirkliche Herausforderung ist das Geflatter aber nicht. (PS2) Das Beste soll man sich ja bekanntlich immer bis zum Schluss aufheben. Getreu diesem Motto macht Sony pünktlich zum Hardware-Generationswechsel allen PS2-Besitzern ein Abschiedsge-schenk, das kein Zocker ablehnen kann: "God of War II" ist das technisch imposanteste Stück PS2-Software aller Zeiten und gehört auch spielerisch zur absoluten Genre-Elite -- so viel können wir Ihnen schon zu Beginn unseres Tests verraten. Doch damit genug der Vorrede und rein in die Hintergrundgeschichte des Spiels. Wie Kenner des Vorgängers bereits wissen, ist der spartanische Muskelprotz Kratos inzwischen zum Gott des Krieges aufgestiegen. Allerdings bringt die Festanstellung auf dem Olymp diverse Probleme mit sich: Unser glatzköpfiger Antiheld bekommt sich mit den Götterkollegen in die (nicht vorhandenen) Haare und wird schon bald seiner übermenschlichen Fähigkeiten beraubt. Warum, wieso und weshalb? Das wollen wir an dieser Stelle nicht im Detail verraten, um die Spannung nicht zu verderben. Nur so viel: Die Geschichte um Verrat, Familienbande und Größenwahn wird leider nicht ganz so brillant erzählt wie noch bei Teil eins, und auch die eine oder andere recycelte Zwischensequenz fällt etwas negativ auf.

Alle Regler auf zwölf

In den ersten Spielminuten treten Sie gegen den Koloss von Rhodos an -- spektakulärer kann ein Abenteuer nicht beginnen. (PS2) In den ersten Spielminuten treten Sie gegen den Koloss von Rhodos an -- spektakulärer kann ein Abenteuer nicht beginnen. (PS2) Aufgewogen wird diese kleine Schwäche durch die fast schon unglaublich gute Inszenierung von "God of War II". Wer geglaubt hat, tolle Grafik hätte zwingend was mit HD-Firlefanz zu tun, der darf sich ab sofort schämen. Dieses Spiel sieht nämlich schlichtweg atemberaubender aus als ein Großteil der Xbox360-Titel -- niedrigere Auflösung hin oder her. Woran das liegt? Ganz einfach: Die Damen und Herren von Sony Santa Monica haben ein perfektes Gespür für Spektakel, Kampfchoreografie und Landschaftsarchitektur. Wo andere Spiele in ihrer grafischen Qualität schwanken, gibt's in "God of War II" Höhepunkte am laufenden Band. Kein Level, kein Endgegner, kein noch so unwichtiger Gang wirkt lieblos dahingeschludert.

Allerdings hat dieser Nonstop-Bombast auch seinen Preis: Irgendwann setzt ein dezenter Abnutzungseffekt ein, man hat sich schlichtweg sattgesehen am genialen Grafik-Schaulaufen. Technik-Fetischisten ärgern sich zudem über das ständige Zerreißen des Bilds (im Fachjargon: "Tearing" genannt) bei schnellen Kameraschwenks. Ob das aber den Spielspaß schmälert? Wir meinen: Nö, nicht die Bohne!

Was gigantische Levelhintergründe angeht, schlägt God of War II jedes andere Spiel -- inklusive aller Next-Gen-Titel! (PS2) Was gigantische Levelhintergründe angeht, schlägt God of War II jedes andere Spiel -- inklusive aller Next-Gen-Titel! (PS2) Ein weiteres Juwel in der "God of War II"-Krone ist die musikalische Untermalung des antiken Gemetzels. Statt billiger Synthi-Streicher spielt hier ein professionelles Orchester zum Klingentanz auf. Der Soundtrack passt sich dem Bildschirmgeschehen wunderbar an: Zurückhaltend bei Rätseleinlagen, aufbrausend bei derben Scharmützeln -- so muss sich eine Klangkulisse anhören. Allerdings ist uns beim Zocken aufgefallen, dass die Surround-Codierung gelegentlich rumzickt und einige Stimmen dann zu leise aus den Lautsprechern schallen.

Apropos Stimmen: Vor dem Spielstart dürfen Sie die Sprache der Dialoge auswählen. Obwohl die deutsche Synchronisation gut gelungen ist, kann sie mit dem englischen Original nicht mithalten.

Was den Spielablauf angeht, orientiert sich die Götterspeise an Kratos' PS2-Debüt -- kein Wunder, schließlich war Teil eins schon nahezu perfekt. Also turnen Sie durch gigantische Polygonkulissen, betrachten die Action aus vorgegebenen (aber jederzeit übersichtlichen) Kamerawinkeln und vertrimmen ganze Hundertschaften mythologischer Monster.

Dicke dinger im Dutzend

Dieser Zwischengegner verbirgt sich zu Beginn des Kampfs unter einer Tarnkappe -- die zugehörige Sucherei ist etwas langatmig. (PS2) Dieser Zwischengegner verbirgt sich zu Beginn des Kampfs unter einer Tarnkappe -- die zugehörige Sucherei ist etwas langatmig. (PS2) Einer der wenigen Kritikpunkte am ersten "God of War" war die Armut an Bossduellen. Diesen Vorwurf muss sich die Fortsetzung nicht mehr gefallen lassen. Während der knapp zwölfstündigen Griechenlandreise treffen Sie auf knapp ein Dutzend dickerer Zwischenbrocken. Deren Auftritte schwanken allerdings zwischen grandios und belanglos. Mal ringen Sie ein riesiges Tentakelvieh nieder ("Super!"), mal hauen Sie minutenlang auf irgendeine Sagengestalt ein ("Gähn!"). Insgesamt sind die Obermotzgefechte alle einen Tick zu einfach. Ein bisschen mehr Finesse hätte den großen Kerlen gutgetan.

Auch Kratos hat in der Zwischenzeit nicht geschlafen. Seinen zweiten Software-Auftritt bestreitet der Spartaner mit einem erweiterten Waffenarsenal. Zu den bekannten Kettenklingen kommen ein Barbarenhammer sowie ein magischer Speer. Deren Nutzwert ist jedoch begrenzt. Wir haben das neue Duo beispielsweise nicht einmal wirklich gebraucht!

Copperfield für einsteiger

Auch in der deutschen Version des Spiels geht's ganz schön blutig zur Sache -- Sony hat keine Szene geschnitten! (PS2) Auch in der deutschen Version des Spiels geht's ganz schön blutig zur Sache -- Sony hat keine Szene geschnitten! (PS2) Weitaus effektiver kommen die frischen Hokuspokus-Optionen daher. So greift Kratos bei Bedarf auf ein Instant-Erdbeben zurück, das alle Gegner im Umkreis aus den Latschen haut. Außerdem hilft ein magischer Flitzebogen beim Ausschalten entfernt stehender Feinde. Wer fleißig Gegner abmurkst und deren rote Seelen einsammelt, kann die Wirkung der Zaubereien noch weiter verstärken -- vor allem gegen Spielende ein Muss.

Seine Akrobatiktalente hat der Kriegsgott ebenfalls aufgebessert. An vorgegebenen Stellen macht er einen auf Tarzan und schwingt mittels R1-Tastendruck über Abgründe hinweg oder von Säule zu Säule. Diese Luftartistik müssen Sie des Öfteren auch unter Zeitdruck bewerkstelligen, denn die Rätsel bestehen fast ausnahmslos darin, vor Ablauf eines Timers von A nach B zu gelangen. Innovativ ist das nicht, aber so kommen auch Denkfaule in den Genuss des etwas enttäuschenden Abspanns.

Wertung zu God of War 2 (PS2)

Wertung:

9.5 /10
Pro & Contra
Fantastische InszenierungPunktgenaue SteuerungSinnvolle Neuerungen
Langweilige StoryEinige etwas nervige FruststellenDurchschaubare Rätsel
Fazit

Nicht frei von Fehlern, aber trotzdem göttlich gut: Kratos' Comeback ist das letzte ganz große Spiel für die dahinscheidende PlayStation2!

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