Young Adam

Test

Ewan McGregor gibt in dieser düsteren Adaption eines Trocchi-Romans einen Mann ohne Gewissen

Young Adam Die Kanäle zwischen Glasgow und Edinburgh in den fünfziger Jahren. Die Kohlenschiffer Les Gault (Peter Mullan) und Joe Taylor (Ewan McGregor) bergen eine Frauenleiche aus dem Wasser. Die Polizei nimmt den Fall auf und die beiden machen sich wieder auf die Fahrt. Joe hat auf dem Kahn von Les und dessen Frau Ella (Tilda Swinton) angeheuert. Das trostlose und eintönige harte Leben wird nur unterbrochen von Kneipenbesuchen und Joes Affäre mit Ella.

Kurze Rückblicke zeigen mehr aus Joes Leben: Seine gescheiterten Versuche als Schriftsteller und seine Beziehung zu eben jener Frau (Emily Mortimer), die sie aus dem Wasser zogen. Joes Dasein ist geprägt von Abstumpfung und Leere. Fehlende emotionale Beziehungen versucht er durch freudlose Sexabenteuer zu ersetzen. Selbst als es zu einer moralischen Frage kommt, bei der es um Leben und Tod geht, scheint er unfähig, die Initiative zu ergreifen ...

Finstere Stimmung

Dass es sich der Film leisten kann, ohne viele Worte und ohne wirklich sympathische Charaktere auszukommen, liegt vor allem an den überzeugend agierenden Darstellern, allen voran Ewan McGregor und Tilda Swinton, die einige Nacktszenen zu absolvieren hatten. Wer aufgrund dessen allerdings gefällige Erotik erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt.

In den Special Features wird auf die literarische Vorlage des heroinsüchtigen schottischen Beat-Autoren Alexander Trocchi Bezug genommen. Dessen Lebenslauf und Werke finden sich auch unter dem Punkt "Bio-/Filmografien". Den kryptischen Titel "Young Adam" versuchen die Darsteller im kurzen Making of zu entschlüsseln.

Das Highlight beim Bonusmaterial ist allerdings der von David Byrne (Talking Heads) komponierte, melancholisch klingende Soundtrack aus seinem Album "Lead us not into Temptation", der die pessimistische Grundstimmung des Melodrams passend unterstreicht. SB n

Fazit

Film-Check: Hätte man diesen Film mit Ewan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan und Emily Mortimer in den Hauptrollen nicht so hochkarätig besetzt, wäre er vermutlich untergegangen. Denn dies ist alles andere als ein "Feel-good-Movie". Wer aber die Muße aufbringt, wird mit tollen Darstellerleistungen und einer interessant aufgebauten Geschichte belohnt.
DVD-Fazit: Realistisch in Szene gesetzt, bedrückend, aber mit schönen Aufnahmen wird eine mit Thriller-Elementen angereicherte Story aus dem tristen Kleine-Leute-Milieu im Schottland der 50er-Jahre erzählt. Fans von Alexander Trocchi und Ewan McGregor ist dieser Film zu empfehlen, und auch der Soundtrack von David Byrne dürfte Interesse wecken.

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