Der Held ist neu, die Atmosphäre satirischer und auch beim Gameplay bietet Watch Dogs 2 interessante Neuerungen.
Erlebte man im ersten Watch Dogs noch einen knallharten Rachefeldzug des Protagonisten Aiden Pearce, lässt Watch Dogs 2 immer wieder den satirischen, gesellschaftskritischen Unterton durchblitzen, den man von Open-World-Platzhirsch GTA kennt - thematisch bedingt mit dem Fokus auf Internet-Firmen. Google, Facebook, Microsoft und Co. werden zwar nicht beim Namen genannt, aber man braucht nicht viel Fantasie, um herauszufinden, welcher reale Suchmaschinendienst mit "Nudle" gemeint sein könnte. Zumal die Karte der Spielwelt von "Nudle Maps" bereitgestellt wird.
Quelle: Games Aktuell
Feuer frei:
Der Einbruch in die FBI-Zentrale gehört zu den Highlights des Spiels. (PS4)
Quelle: Games Aktuell
Shopping:
Die Klamottenauswahl ist groß - aber Marcus sieht irgendwie immer wie ein Hipster aus, egal, was er trägt. (PS4)
Big Data
Watch Dogs 2 ist jedoch kein Comedyspiel Marke Saints Row. Bei aller Lockerheit und klischeehaften Überzeichnung kommen die ernsten Momente nicht zu kurz. Die allgemeine Sorglosigkeit im Umgang mit Daten und Informationen, das "Internet der Dinge", die totale Vernetzung im Haushalt, all das wird thematisiert und in griffige Messages verpackt.
Als Mitglied der Hackergruppe Dedsec macht ihr es euch zur Aufgabe, die Öffentlichkeit aufzuklären und die Big Player, die aus der Arglosigkeit der Bevölkerung Profit schlagen, zu sabotieren. So plant die aus Teil 1 bekannte Blume Corporation, eine neue Version der Überwachungssoftware ctOS auf den Markt zu bringen, mit der Daten abgegriffen und an interessierte Unternehmen meistbietend versteigert werden sollen.
Die Qualität von Dialogen und Cutscenes schwankt stark. Einige Zwischensequenzen mit Schlüsselszenen der Handlung sind auf Top-Niveau geschrieben, doch oft ist das Geschwafel langweilig, ab und zu auch unfreiwillig komisch. Zumindest wurden alle Sprecher professionell deutsch synchronisiert.
Schade dagegen, dass die persönlichen Motive von Marcus und seinen Dedsec-Kollegen kaum zum Vorschein kommen. Klar, die Überwachungsstaat-Thematik gibt einiges her, aber emotionale Momente ergeben sich meist aus persönlichen Schicksalen und die werden kaum thematisiert. Dass die Dedsecs allesamt klischeehaft rüberkommen, mag dem satirischen Ansatz geschuldet sein, aber eine spannende Charakterzeichnung wäre trotzdem möglich gewesen. Zumal alle ihre Macken haben, die man wunderbar hätte aufgreifen können.
Quelle: Games Aktuell
Mut zur Brücke:
Grafisch hat sich seit dem ersten Watch Dogs nicht viel getan, dennoch wirkt Teil 2 aufgrund der knalligen Farben des Settings ansehnlicher. (PS4)
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Verdammte Touristen:
Die Sehenswürdigkeiten in der Bay Area sind schön umgesetzt. Sogar die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz darf man besichtigen. (PS4)
Was Watch Dogs 2 gut macht, ist, eine belebte Großstadtkulisse auf den Bildschirm zu bringen. Die San Franciso Bay Area wurde originalgetreu umgesetzt. Mit der Golden Gate Bridge, Silicon Valley, der Gefängnisinsel Alcatraz oder dem Pier 39 bietet euch die Spielwelt viel mehr Sehenswürdigkeiten als das eher karge Chicago des Vorgängers. Autos, Passanten, Gebäude und vor allem unser Held sind detailreich gestaltet, doch insgesamt hat sich technisch zu wenig getan. Auch Watch Dogs 2 kommt nicht an die Optik heran, mit der uns Ubisoft 2012 (!) im berüchtigten Watch Dogs-Trailer den Mund wässrig gemacht hat.
Mit den Lichtquellen gehen die Entwickler viel zu brav um, sodass selbst das 2014 auf aktuelle Systeme umgesetzte GTA 5 wesentlich besser aussieht als Watch Dogs 2. Hereinploppende Objekte und zuckelnde Schatten sieht man regelmäßig und sogar technikbedingter Nebel am Horizont, eigentlich ein Relikt aus der Videospielvergangenheit, feiert in Watch Dogs 2 ein wenig umjubeltes Comeback. Apropos: Die ebenfalls auf unserer No-go-Liste befindlichen unsichtbaren Wände des Vorgängers wurden jetzt - kaum eleganter - durch einen Counter ersetzt, der herunterzählt, wenn wir am Rande der Spielwelt angekommen sind. Auch hier zeigen die Rockstars, wie man es besser macht.
Follow Me
Die große Währung in Watch Dogs 2 heißt Follower. Erst wenn sich genügend Leute die Dedsec-App heruntergeladen haben, hat die Organisation die Chance, die Blume Corporation in der breiten Öffentlichkeit bloßzustellen. Also heißt es, die vielen Haupt- und Nebenmissionen zu bewältigen, die netterweise nicht nur über die Map, sondern auch über das spieleigene Smartphone und die darin befindliche App ausgewählt werden können. Wie in GTA 5 sind die Hauptmissionen unterteilt, man arbeitet also Handlungsstränge ab, kann aber auch mal zwischendurch eine Nebenmission einstreuen. Die Missionen sind nicht alle genial, aber es gibt Highlights wie den Einbruch beim FBI oder bei der NASA.
Durch bestimmte Milestones schalten wir Forschungspunkte frei, um in sieben Talentbäumen (Fahrzeug-Hacking, Social Engineering, Treffsicherheit ...) unsere Fähigkeiten stetig zu verbessern.
Quelle: Games Aktuell
Rohr verlegen:
Das aus dem Vorgänger bekannte Minispiel, in dem man Röhren verschiebt, um Datenpunkte miteinander zu verbinden, wurde schön überarbeitet und zieht sich nun oftmals über ganze Gebäude. (PS4)
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Flugstunde:
Mit dem RC Jumper und der Quadrocopter-Drohne hat Marcus zwei hilfreiche Gadgets, die Knotenpunkte hacken oder Gegner markieren. (PS4)
Great Freedom
Überhaupt wird spielerische Freiheit großgeschrieben, vor allem beim Bewältigen der Missionen. Neue Gadgets wie der RC Jumper oder (später) die Drohne ermöglichen uns, noch mehr von außen zu agieren. Gerade zu Beginn ist die Rambo-Methode eh nicht sinnvoll, da die Bewaffnung schwach und die Gegnerzahl meist hoch ist. Bis man sich schwere Waffen mit dem 3D-Printer ausdrucken kann (kein Scherz!), vergehen einige Stunden.
In einer Mission sollen wir die Basis einer verfeindeten Gruppe infiltrieren. Da wir auf dem Radar ungefähr 30 Feinde sehen, hacken wir von einem die Polizeiakte und sorgen so dafür, dass die Cops auftauchen. Während sich kurz darauf ein krasses Feuergefecht entwickelt, können wir unbeobachtet unserer Arbeit nachgehen - und freuen uns, dass unsere Idee so gut aufgegangen ist.
Quasi als Bossgegner muss man ab und an das aus dem Vorgänger bekannte Pipemania-artige Hacking-Minispiel absolvieren. Das Herstellen von Stromkreisen wurde allerdings aufgebohrt, die Leitungen erstrecken sich teilweise über ganze Gebäude und sind später echt knifflig, zumal es dann ein Zeitlimit gibt.
Die Nebenmissionen sind zwar auf den ersten Blick vielfältig, aber wenn man sie dann spielt, entdeckt man schnell verschenktes Potenzial. Zum Beispiel gibt es mehrere Aufgaben, bei denen man Leute (bei versteckter Kamera) lächerlich machen oder ihnen einen Schreck einjagen soll, etwa einen Firmenboss, der im Fitnessstudio auf dem Laufband steht oder einen Pädophilen in seiner Bude vor dem PC. Doch das Manipulieren von elektrischen Geräten im Umfeld ist halbgar umgesetzt und die Reaktionen auf eure Aktivitäten sind zu brav. Auch das Kartrennen ist albern, weil man die ersten beiden Versuche gar nicht siegreich bestreiten kann: Man verliert, soll dann ein Tuning-Teil klauen, versucht es noch mal, krallt sich noch ein Teil und erst dann ist ein Sieg möglich. Wer denkt sich so was aus!?
Quelle: Games Aktuell
Pro und Contra:
Während uns das detaillierte Schadensmodell gefällt, sagt uns das zu leichtgängige Fahrverhalten weniger zu. (PS4)
An der Steuerung haben wir im Grunde nichts auszusetzen, das Fahrverhalten ist aber zu arcadig. Klar, Watch Dogs 2 muss kein Gran Turismo sein, aber in GTA 5 (sorry für den häufigen Vergleich, aber der Rockstar-Titel ist nun mal die Referenz) hat das Auto- und Motorradfahren deutlich mehr Spaß bereitet.
Viel Wert legte Ubisoft im Vorfeld auf die Mehrspieler-Komponente. Zum Start gab es aber technische Probleme und der "nahtlose Multiplayer", also dass andere Spieler zufällig in eurer Spielwelt auftauchen können, wurde abgeschaltet. Nach einigen Tagen ging es dann und wir hatten unseren Spaß dabei, Missionen im Koop zu bewältigen, da man die vielfältigen Möglichkeiten dann noch mehr zu schätzen weiß. Das Hacken anderer Spieler fanden wir dagegen langweilig, die Belohnung ist den Aufwand nicht wert. Ganz unterhaltsam ist dagegen die Kopfgeldjagd, bei der man zu dritt ein Opfer durch die Stadt verfolgt.
So gut ist die verspätet erschiene PC-Version
Meistens ist es ja ein Grund zur Sorge, wenn die PC-Fassung um ein paar Wochen verschoben wird. Bei Watch Dogs 2 ist diese Sorge jedoch unbegründet.
Quelle: Games Aktuell
Am schärfsten:
Wer einen potenten Rechner hat, erlebt die schönste Version von Watch Dogs 2. (PC)
Ubisoft spendiert dem Hacker-Thriller eine vorbildliche Umsetzung für den Rechenknecht. Auch nach etlichen Stunden Spielzeit kamen während unseres Tests keinerlei Abstürze oder grobe Bugs vor. Lediglich die Werbung der Radiosender wechselte manchmal von einem Moment auf den anderen von der von uns gewählten deutschen Sprachausgabe zum ebenfalls installierten englischen Original. Dieses Fehlerchen beeinträchtigt aber natürlich nicht den Spielspaß und dürfte ziemlich schnell per Patch beseitigt werden.
Die PC-Version von Watch Dogs 2 verlangt zwar einiges an Leistung und bringt auf Ultra-Einstellungen selbst High-End-Rechner ins Schwitzen. Viele mögliche Feinjustierungen sorgen aber dafür, dass man schnell die richtigen Einstellungen für seinen Rechner findet. Auf unserem Testrechner mit i7-4790 CPU 3,60 GHz, einer Geforce GTX 980 und 16 GB RAM lief das Spiel auf sehr hohen Einstellungen jederzeit absolut flüssig. Die Ruckler beim Autofahren auf den auf 30 fps begrenzten Konsolen sind damit natürlich passé. Insgesamt sieht Watch Dogs 2 knackiger und feiner aus als auf PS4 und Xbox One. Wer das Bild noch schärfer haben möchte, darf zudem das Temporal Filtering ausschalten, was jedoch ordentlich Performance frisst.
PC-exklusiv lässt sich sogar der typische San-Francisco-Nebel einschalten, welcher der Stadt einen noch originalgetreueren Look verleiht. Aber auch das zerrt ordentlich an der Leistung. Lobend erwähnen müssen wir zudem die frei belegbare Maus- und Tastatur-Steuerung. So lässt sich selbst das schnelle Parkour-Gameplay richtig gut steuern. Wer dennoch lieber auf das Gamepad wechseln möchte, freut sich, dass dies ohne zusätzliche Einstellungen sofort möglich ist. Einfach Controller anstöpseln, auf eine Taste drücken und schon passt sich das Interface automatisch an. Das ist vorbildlich!
Entwickler: Ubisoft Montreal | Hersteller: Ubisoft | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 18
