WWE 2K19 im Hands-on-Preview: Eine positive Überraschung
Special
Bereits vor dem Release am 9. Oktober durften wir die Wrestling-Simulation WWE 2K19 stilecht im WWE Performance Center in Orlando, Florida, mehrere Stunden ausgiebig anspielen und sämtliche Modi frei ausprobieren. Im Artikel gehen wir daher auf Technik, Präsentation, Gameplay sowie neue Feature ein und wir erklären, warum uns der Titel positiv überraschte.
Wie in jedem Jahr erscheint im Herbst der neueste Teil der WWE 2K-Reihe. Wir durften den 19er-Ableger bereits einen knappen Monat vor dem Release am 9. Oktober mehrere Stunden lang anzocken und reisten dafür in das WWE Performance Center nach Orlando, Florida, wo wir direkt an den Trainingsringen der NXT-Wrestler zum Controller greifen durften. Für gelungene Atmosphäre beim Hands-on war also gesorgt, gerade auch, da wir zwischendurch WWE Superstars wie Alexa Bliss, Cesaro, Elias oder AJ Styles interviewen durften. Während wir also im siebten Himmel der Wrestlingfans verweilten, hatten wir bezüglich WWE 2K19 (jetzt kaufen 89,99 € ) selbst keine sonderlich hohen Erwartungen. Statt aber nur mehr vom Alten zu präsentieren, zeigte sich der Titel überraschenderweise in vielen Punkten stark verbessert und bot zudem mehr Content als die letzten Teile.
WWE 2K19 im Hands-on-Preview
Hübscher, flüssiger, realistischer
Die Technik ist meistens der Hauptkritikpunkt der Reihe gewesen und viele Fans meckerten schon nach den ersten Videos, dass ja mal wieder alles beim Alten bleibt. Ja, in mancherlei Hinsicht ist die Grafik immer noch etwas altbacken und die Modelle einiger Superstars sehen besser aus als die von anderen Wrestlern, allgemein merkt man aber, dass sich die Entwickler die Kritik zu Herzen genommen und an vielerlei Dingen gearbeitet haben. Man erkennt nun viel mehr Details in der Halle und auch an der Kleidung der Superstars. Zudem läuft das Spielgeschehen weitaus flüssiger als noch im Vorjahr. Dies liegt aber nicht nur an einer stabileren Bildrate, sondern vor allem an den überarbeiteten Animationen.
Manche Aktionen wirken zwar immer noch ein wenig unrund, doch im Großen und Ganzen sind die Bewegungen bei Weitem nicht mehr so abgehackt wie noch in den letzten Jahren. Dadurch kommt tatsächlich ein spürbar besserer Spielfluss auf, da man Konter nun besser timen kann und diese auch nicht mehr so rumpelig aussehen. Zudem überarbeitete man die Physik und Kollisionsabfrage. Glitchte man im Vorgänger noch einfach durch die Seile, wenn man in deren Nähe hinfiel, knallen die Wrestler nun akkurat gegen die Objekte in ihrem Weg. Vor allem in Stipulation-Matches wirkt sich das aus, wenn man problemlos mit einem Springboard-Dropkick eine Leiter umtreten kann und der von einem gesteuerte Catcher nicht mehr vollkommen mit der Situation überfordert ist und ins Leere springt.
Quelle: PC Games
Die Modelle der In-Ring-Performer sind nun etwas detaillierter, dennoch ist die Grafik allgemein immer noch ein wenig altbacken.
Modernes Wrestling
Wer das Wrestling in den letzten Jahren halbwegs aufmerksam verfolgt hat, wird gemerkt haben, dass auch in der familienfreundlichen WWE der sogenannte Strong-Style angekommen ist. Diese härtere In-Ring-Technik, welche vor allem auf Schlägen und Tritten mit Ellbogen und Knien basiert, war in den letzten WWE 2K-Games jedoch nur durch Shinsuke Nakamura vertreten, obwohl auch andere Wrestler wie Daniel Bryan eigentlich "stiffere" Performer sind. In WWE 2K19 sieht das nun endlich anders aus. Wenn sich Pete Dunne und Dean Ambrose gegenseitig die Ellbogen um die Ohren hauen, klatscht es so schön, dass man fast schon Phantomschmerzen verspürt. Zudem verursachen normale Brawler-Aktionen nun auch mehr Schaden.
Quelle: PC Games
Strong-Style: Die Kämpfe wirken um einiges „stiffer“ als in den Vorgängern. Normale Schläge und Tritte sind nun wuchtiger und verursachen mehr Schaden.
Somit wirken die Kämpfe auch authentischer als noch in den letzten Jahren. Doch auch von der Gegner-KI wurden wir überrascht. Eure Kontrahenten agieren nun cleverer, kontern eher bei härteren Aktionen - statt einfach so lange zu kontern, bis deren Reversals vorerst aufgebraucht sind - und versuchen euch häufiger zu pinnen. Schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad lieferten wir uns mit der KI die eine oder andere spannende Schlacht, die so auch als Main Event eines echten WWE-PPVs funktioniert hätte. Wir brauchen wohl nicht zu erwähnen, dass wir dabei richtig viel Spaß hatten.
Doch nicht nur das allgemeine Spielgefühl wurde überarbeitet, auch einige Gimmick-Matches wurden runderneuert. Dies fällt vor allem bei Steel Cage Matches und Hell in a Cell Matches deutlich auf. Es gibt nun mehr und vor allem neue Interaktionspunkte, um beispielsweise aus der Zelle auszubrechen. Im normalen Käfig kann man nun auch wieder aus der Tür flüchten. Allerdings muss der Ringrichter diese natürlich erst aufschließen, was eurem Kontrahenten Zeit zur Erholung gibt. Überhaupt spielen sich die Käfigkämpfe weitaus besser als noch in den letzten paar Jahren. Bei den Backstage Brawls darf man zudem den Wyatt Compound als Arena wählen. Allerdings kann man dort kaum mit der Umgebung interagieren und läuft andauernd gegen unsichtbare Wände.
Quelle: PC Games
Die Animationen wurden teilweise stark überarbeit, sodass sie bei Weitem nicht mehr so abgehackt wirken wie noch in den Vorgängern.
DLCs & Arcade-Spaß
Der Umfang des Spiels wird natürlich wieder riesig. So werden nun noch mehr Wrestler spielbar sein als zuvor und auch zahlreiche alte und neue Arenen haben ihren Weg ins Spiel gefunden. Die undurchsichtige DLC-Politik schmälert jedoch ein wenig den Eindruck, denn Legenden wie "Macho Man" Randy Savage oder Ricky "The Dragon" Steamboat, welche im Vorgänger noch dabei waren, sind zunächst nur Käufern der "Woooo!"-Special-Edition vorbehalten und werden wohl erst später käuflich zu erwerben sein.
Quelle: PC Games
Dank der verbesserten Physik reagieren die Kämpfer nun richtig auf die Ringseile und man kann Objekte sogar mit Springboard-Aktionen wegtreten.
Auch der aktuelle NXT Champion Tommaso Ciampa - ebenfalls im Vorgänger spielbar - ist in WWE 2K19 nicht mehr dabei. Auf unsere Nachfrage, ob er später als DLC verfügbar sein wird, sagte man uns nur, dass man zu künftigen DLCs noch keine Aussagen mache und im Falle Ciampa gewisse Umstände dazu geführt hätten, dass er nicht mehr im Spiel ist. Doch genug gemeckert, denn dafür ist viel neuer Content im Spiel. Man sagte uns, dass man mit WWE 2K19 nun auch wieder ein wenig das Arcade-Spielgefühl vergangener Teile fördern möchte. Deshalb lassen sich die Matches nun im optionalen Big-Head-Modus bestreiten, in dem die Wrestler riesige Köpfe haben, und auch der neue Turm-Modus wurde eingebaut.
Dieser Modus soll an alte Prügelspiele erinnern, wo man sich eine Leiter nach oben kämpfte. In insgesamt acht verschiedenen Türmen mit unterschiedlichen Aufgaben und Schwierigkeitsgraden tretet ihr gegen mehrere, thematisch passende Gegner an, die ihr der Reihe nach besiegen müsst. Teilweise regeneriert sich eure Gesundheit zwischen den Kämpfen nicht oder ihr müsst Matches auf eine bestimmte Art und Weise gewinnen. Wer den schwierigsten der Türme bezwingt, qualifiziert sich sogar für die Million Dollar Challenge, wo ihr mit etwas Glück zu einem Turnier im Rahmen von WrestleMania 35 eingeladen werdet und dort im Finale auf AJ Styles trefft.
Comeback mit Rückkehrer
Quelle: PC Games
YES! YES! YES! Der Showcase-Modus ist wieder an Bord und dreht sich diesmal um die Karriere von Daniel Bryan. Sogar sein Jobber-Match gegen John Cena ist enthalten.
Neben dem neuen Turm-Modus gibt es jedoch auch ein Comeback, das Fans der Reihe besonders freuen dürfte: Der beliebte Showcase-Modus ist endlich wieder da. Der diesjährige Showcase konzentriert sich dabei auf die Karriere von Fanliebling und Ausnahmewrestler Daniel Bryan, der Anfang 2016 aufgrund der Folgeerscheinungen mehrerer Gehirnerschütterungen seine Karriere eigentlich beendete, zwei Jahre später jedoch wieder die ärztliche Freigabe erhielt und seitdem wieder im Ring antritt. Der Showcase ist in diesem Jahr weitaus toller inszeniert als in seinen vergangenen Auftritten, denn aufgrund der emotionalen Geschichte Bryans entschied man sich, den Modus wie eine persönliche Doku aufzubereiten.
Dafür arbeitete man eng mit den Produzenten der Dokumentationen auf dem WWE Network zusammen. In über 30 Minuten Videomaterial erzählt Bryan von den verschiedenen Stationen seiner Karriere und haufenweise Videoclips und Fotos untermalen seine Story. Euch erwarten zudem zwölf wegweisende Kämpfe aus Bryans Karriere, die ihr nachspielt, sowie ein bislang unangekündigtes Traum-Match. Unter anderem tretet ihr gegen John Cena beim Summerslam an und kämpft gegen Randy Orton und Batista um die WWE World Heavyweight Championship bei WrestleMania 30. Doch auch die Anfänge von Bryans WWE-Karriere werden beleuchtet.
So dürft ihr beispielsweise auch das Match gegen Chris Jericho in der ersten Staffel von NXT nachspielen, als der dritte WWE-Brand noch eine Art Reality Show war, und sogar das Try-Out-/Jobber-Match von Velocity 2003 gegen John Cena ist enthalten, als Daniel Bryan noch als "The American Dragon" Bryan Danielson antrat. Zwar konnten wir den Modus während unseres Hands-ons natürlich noch nicht durchspielen, doch bereits bei den von uns gezockten Matches aus der Frühphase von Bryans WWE-Karriere merkte man, dass in den Modus sehr viel Herzblut und Liebe zum Detail reingeflossen sind. Fans haben hier eine spielbare Doku für Fans erstellt. So macht das Zocken besonders Spaß, gerade da dieses Gefühl in den letzten Jahren eher selten vorkam.
Quelle: PC Games
Cage- sowie Hell in a Cell Matches wurden grundlegend überarbeitet. Es gibt nun mehr Interaktionspunkte und andere Wege aus dem Käfig zu fliehen.
Karriere mit mehr Story
Quelle: PC Games
Der Karrieremodus ist nun etwas linearer erzählt, bietet dafür aber eine richtige Story, die mit allerlei vertonten Zwischensequenzen erzählt wird.
Solospieler dürfte außerdem freuen, dass die ziemlich biedere Karriere gründlich überarbeitet wurde. Ihr tretet zwar wieder mit eurem selbsterstellten Wrestler an, doch ihr braucht keine Durchhänger mehr befürchten, in denen ihr ziellos durch den Backstage-Bereich lauft, um vielleicht irgendjemanden zu finden, mit dem man Streit anfangen kann, um vielleicht eine Storyline zu starten, nachdem man sich durch etliche unvertonte Textboxen geklickt hat. Der diesjährige Karrieremodus ist etwas linearer, erzählt aber eine übergreifende Geschichte mitsamt verschiedenen Storylines. Dafür nahm man über 30 Stunden Tonaufnahmen verschiedener WWE Superstars auf, die euch über den Weg laufen und euch mal freundlich, mal feindlich gesinnt sind.
Quelle: PC Games
Für euren selbsterstellten Superstar gibt es nun mehrere sehr umfangreiche Talentbäume. Es soll übrigens keinerlei Mikrotransaktionen geben.
Zwar gibt es immer noch Backstage-Abschnitte, doch ihr müsst nicht mehr herumlaufen, sondern dürft euch bequem durch die anwesenden Personen klicken, mit denen ihr interagieren könnt. Das ist viel komfortabler als im Vorgänger und die Karriere wirkt nicht mehr so sehr in die Länge gezogen. Allerdings braucht man auch nicht befürchten, dass der Karrieremodus deshalb zu kurz ausfällt. Zahlreiche, recht lange und gut inszenierte Zwischensequenzen tragen die Story weiter. Schön auch, dass man sich mit dem Verlauf der Geschichte der Realität besser anpasst. Euer Wrestler startet nämlich nicht mehr direkt bei NXT oder gar im Main Roster bei RAW oder SmackDown, sondern bei einer kleinen Independent Promotion, wo er in einer schmutzigen Halle vor einer Handvoll Fans performt und dort von den Scouts der WWE entdeckt wird.
Nun gilt es, vom Indie-Darling zum Superstar oder gar zum Hall of Famer aufzusteigen. Allerdings könnt ihr euch natürlich nicht direkt mit den Top-Leuten anlegen, da euer Rating viel zu schwach ist und euch deshalb wohl ganz übel der in Spandex steckende Popo versohlt würde. Sprich: Ihr bestreitet allerhand Matches, um neue Kleidungsstücke, aber vor allem Fähigkeiten freizuschalten. Dafür gibt es nun riesige Talentbäume, in denen ihr frei Skills aussucht, sofern ihr genug Erfahrungspunkte besitzt. Im Gegensatz zu NBA 2K soll es bei WWE 2K19 übrigens weiterhin keinerlei Mikrotransaktionen geben und auch die seltsamen Lootboxen aus dem Vorgänger wurden entfernt.
