25 Jahre Valve: Viel mehr als nur Steam und Half-Life - Seite 2

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper
25 Jahre Valve: Viel mehr als nur Steam und Half-Life - Seite 2
Quelle: Valve

Wegbereiter, Visionäre und Marktführer: So stieg Valve mit Gabe Newell an der Spitze zur Großmacht im Gaming-Sektor auf.

Eine besondere Entwicklerphilosophie

Gabe Newell pflegt einen modernen Führungsstil - frei von steifen Hierarchien. Diese sind für ihn Relikte aus Zeiten der Fließbandarbeit und des Militärs, wie er in dem bereits zitierten MCV-Interview erklärte. Er pocht auf die Bedeutung von Flexibilität und kurzen Wegen am Arbeitsplatz. "Schau dir doch mal an, wie schnell sich Videospiele weiterentwickelt haben: von Sprites zu Polygonen, von 256-Farben-Bitmaps zu ausgearbeiteten Polygon-Modellen. Spiele-Studios müssen sich konstant neu erfinden und Prozesse verändern", führte er diesen Gedanken weiter aus.

Diesen Grundsatz vertieft er anhand eines Beispiels aus der Entwicklung des ersten Half-Lifes. Entwickler Ken Birdwell wurde eigentlich als Artist zum Modellieren von Figuren angestellt, brachte sich aber selbst das Programmieren bei. "Erinnerst du dich an den Tentakel aus dem ersten Half-Life? Ken war in der Lage, Level und Modell anzupassen und den Code zu verändern, sodass dieser Teil des Spiels schließlich funktionierte." Valve und Newell selbst erwarten von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Selbstdisziplin, Eigeninitiative und Organisation. "Wir stellen nicht nach bestimmten Positionen ein, sondern nach einem Standard", lautete hier die Devise. Nur so könne man die Aufgaben lösen, die tagtäglich anfallen. Mit der Orange Box erschien auch der Team-Shooter Team Fortress 2. Der neue Comic-Look stieß bei der Community zunächst auf wenig Gegenliebe. Quelle: Valve Mit der Orange Box erschien auch der Team-Shooter Team Fortress 2. Der neue Comic-Look stieß bei der Community zunächst auf wenig Gegenliebe.

Das schlägt sich auch im damaligen Equipment in der Firmenzentrale nieder. Dort besaßen alle Schreibtische Rollen, damit die Mitarbeiter noch flexibler arbeiten können: "Sie packen einfach ihre Sachen zusammen und ziehen dann zu den relevanten Teams." Entsprechend hoch sind auch die Ansprüche, die Valve an neue Kollegen stellt. Bereits 2011 betonte Newell, dass er eigenes Personal stärker bevorzuge als große, externe Teams. Fünf von den eigenen Leuten könnten demnach genauso gute, wenn nicht sogar bessere Arbeit abliefern als 50 Externe - sofern es der richtigen fünf sind. Auf jährliche Großproduktionen wie etwa bei Ubisoft, die mithilfe von 1.000 und mehr Menschen entstehen, antwortete er: "Das Problem damit ist, dass du dasselbe immer und immer wieder raushaust, aber nichts entwickelst, was sich an die Veränderungen in der Industrie anpasst."

Genau dieser Aspekt scheint bis heute prägend für die Firmenpolitik von Valve zu sein: Wenn etwas Neues kommt, dann ist es wegbereitend - egal, ob es ein Spiel, eine Software-Lösung oder gar ein neues Stück Hardware ist. Valve besitzt bis heute einen hohen Qualitätsstandard und genießt auch deshalb innerhalb der Gaming-Community einen enormen Vertrauensbonus.

Virtual Reality, E-Sport und mehr

Valve fährt mit seinem mehrgleisigen Geschäftsmodell goldrichtig: Einerseits gibt es die klassischen Spieleentwicklungen eigener Produktionen, auf der anderen Seite aber die gesicherten Einnahmen via Steam, die inzwischen einen Großteil des Umsatzes ausmachen. Gesicherte Daten darüber, wie viel Geld Valve durch Steam generiert, sind nicht bekannt, da das Unternehmen derartige Informationen nicht veröffentlicht. Für 2017 weist Statista 4,3 Milliarden US-Dollar Umsatz aus.

Fest steht aber, dass die Plattform weiterhin boomt: 2020 erreichte man monatlich bis zu 120 Millionen Spieler. Täglich sind 62,6 Millionen Nutzer aktiv. Im Vergleich zu 2019 steigerte Valve die Anzahl der über Steam verkauften Titel um 21,4 Prozent und es wurden - auch bedingt durch die Corona-Pandemie - über 50 Prozent mehr Stunden gespielt als im Vorjahr. Steam besitzt einen Marktanteil von bis zu 75 Prozent und ist somit DIE Plattform für den Verkauf von PC-Spielen. Valve veränderte mit Steam die Kaufgewohnheiten einer ganzen Generation. Nicht selten heimste das Unternehmen für seine aggressiven Verkaufsmethoden auch Kritik ein. Steam Sales locken immer wieder Millionen von Nutzern mit drastischen Rabatten an die virtuelle Kasse, die ihr Geld auch ausgeben, obwohl sie die Programme womöglich niemals spielen werden. Valve arbeitete mit HTC an der Entwicklung neuer VR-Geräte. Daraus entstand die 2015 veröffentlichte HTC Vive. Die Valve Index produzierte Valve allerdings in Eigenregie und erschuf mit Half-Life: Alyx ein absolutes VR-Vorzeigespiel. Quelle: Valve Valve arbeitete mit HTC an der Entwicklung neuer VR-Geräte. Daraus entstand die 2015 veröffentlichte HTC Vive. Die Valve Index produzierte Valve allerdings in Eigenregie und erschuf mit Half-Life: Alyx ein absolutes VR-Vorzeigespiel.

Dank der vorhandenen Ressourcen wagt Valve unter der Federführung von Gabe Newell auch immer wieder Experimente und Ausflüge in andere Bereiche des Gaming-Sektors. E-Sport beispielsweise liegt ebenfalls im Blut der Counter-Strike-Macher. 2010 veröffentlichte man mit Dota 2 den Nachfolger der beliebten Warcraft-3-Modifikation Defense of the Ancients. Dota 2 gehört zu den MOBA-Dauerbrennern und im E-Sport neben Titeln wie League of Legends zum festen Inventar. Valve hat also in mehreren Genres den Fuß in der Tür und lobt etwa bei Turnieren wie The International 10 (2020) Basis-Preisgelder in Höhe von 1,6 Millionen US-Dollar aus.

Auch hardwareseitig probiert man sich aus: Die nach einer zweijährigen Testphase im November 2015 in den Handel gekommenen Steam Machines sollten eigentlich ein Angriff auf Spielkonsolen wie die PlayStation 4 oder Xbox One werden, erweise sich aber als Ladenhüter. In den ersten sieben Monaten nach Release verkaufte man lediglich 500.000 Geräte, danach rückte Valve keine offiziellen Zahlen mehr raus. Die Steam Machine gilt nicht zuletzt wegen des wenig praxisorientierten Betriebssystems SteamOS als "Totgeburt". Immerhin wusste der dazu passende Controller zu überzeugen und heimste gute Bewertungen ein. Valve eroberte dank Titeln wie Counter-Strike und Team Fortress Classic sehr früh das Online-Gaming und später auch den E-Sport. Mit Dota 2 entwickelte man zudem eines der populärsten MOBA-Games auf dem Markt. Quelle: Valve Valve eroberte dank Titeln wie Counter-Strike und Team Fortress Classic sehr früh das Online-Gaming und später auch den E-Sport. Mit Dota 2 entwickelte man zudem eines der populärsten MOBA-Games auf dem Markt.

Nach dem Flop der Steam Machines folgte das Unternehmen dem "Next Big Thing": Virtual Reality. In Kooperation mit HTC entwickelte und veröffentlichte man 2016 die HTC Vive, 2019 folgte die in Eigenproduktion entstandene Valve Index. Alles, was noch fehlte, war ein passendes Spiel, um den Markt anzukurbeln: Und auch wenn Half-Life 3 bis heute nie erschienen ist, so gab es am 23. März 2020 zumindest wieder eine Reise in das beliebte Universum - allerdings nur für Besitzer eines Virtual-Reality-Headsets. Half-Life: Alyx gilt bis heute als die Killer-Applikation für VR-Endgeräte wie HTC Vive, Oculus Rift oder Oculus Quest. Valve passte Steuerung und Gameplay nahezu perfekt an die VR-Umgebung an. Zum Start des Spiels zogen Twitch-Streams teils über 300.000 Zuschauer vor den Bildschirm. Half-Life: Alyx sorgte sogar dafür, dass VR-Headsets vorübergehend ausverkauft waren. Laut Superdata verkaufte man im vierten Quartal 2019 und mit der Ankündigung von Half-Life: Alyx 103.000 Valve Index, während im Rest des Jahres nur 46.000 Exemplare abgesetzt wurden.
Left 4 Dead und Left 4 Dead 2 waren Koop-Shooter der absoluten Spitzenklasse und prägten das Genre nachhaltig. Im Oktober 2021 erscheint mit Back 4 Blood von den Turtle Rock Studios ein geistiger Nachfolger. Quelle: Valve Left 4 Dead und Left 4 Dead 2 waren Koop-Shooter der absoluten Spitzenklasse und prägten das Genre nachhaltig. Im Oktober 2021 erscheint mit Back 4 Blood von den Turtle Rock Studios ein geistiger Nachfolger.

Blick in die Zukunft

Die Zukunft sieht rosig für Valve aus. Und das nicht nur, weil das Steam Deck so gut bei der Community ankommt, dass die erste Charge zum Launch bereits ausverkauft ist. Hinter den Kulissen arbeitet man weiterhin fieberhaft daran, die Gaming-Branche noch weitere Male zu revolutionieren. Das Steam Deck ist ein erneuter Angriff auf etablierte Konsolenhersteller – diesmal hat Valve Nintendo und die Nintendo Switch im Vieser. Das Handheld erscheint Weihnachten 2021 und kostet zwischen 419 und 679 Euro. Quelle: Valve Das Steam Deck ist ein erneuter Angriff auf etablierte Konsolenhersteller – diesmal hat Valve Nintendo und die Nintendo Switch im Vieser. Das Handheld erscheint Weihnachten 2021 und kostet zwischen 419 und 679 Euro.

Gabe Newell, der sich während der Pandemie in Neuseeland aufhielt, gab zu Beginn des Jahres gegenüber 1 News einen kleinen Einblick in die kommenden Projekte. Eines davon bezieht sich auf Brain-Computer-Interfaces (kurz BCI). Diese Geräte lesen die Körperwerte und Gehirnwellen des Spielers, anhand derer man die Immersion und das Spielerlebnis optimieren kann. Fühlt sich der Nutzer etwa unterfordert, könnte man so automatisch den Schwierigkeitsgrad anpassen. Valve plant offenbar, diese Technik mit Virtual Reality zu kombinieren und könnte so etwa typischen VR-Problemen wie Höhenangst oder Motion Sickness automatisch entgegenwirken. "Wenn du als Software-Entwickler im Jahr 2022 diese Technik nicht im Testlabor hast, dann machst du einen großen Fehler", kommentierte Gabe diese Technologie kurz und knapp. Darüber hinaus unterstützt Valve mit seinem Know-how auch Organisationen, die Prothesen herstellen.

In Sachen Gaming blickt man natürlich hoffnungsvoll auf das Steam Deck, zusätzlich machten zuletzt Gerüchte über Half-Life 2: Remastered Collection die Runde. Ob Half-Life 3 jemals erscheinen wird? Tja, das wissen wir auch nicht. Aber ganz abschreiben würden wir es angesichts Valves und Gabe Newells Tatendrang auf gar keinen Fall.

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