The Reckoning

Test

1986 verfilmte der französische Starregisseur Jean-Jacques Annaud ("Am Anfang war das Feuer", "Duell -- Enemy at the Gates") "Der Name der Rose", einen Bestseller des italienischen Erfolgsautors Umberto Eco. Der spannende Krimi mit Sean Connery in der Rolle des vorwitzigen Franziskanermönchs William sowie Christian Slater, Ron Perlman und dem Deutschen Helmut Qualtinger in seiner letzten Filmrolle, war quasi der erste Mittelalter-Thriller der modernen Filmgeschichte. Anstelle alberner Mantel-und-Degen-Scharmützel stehen hier scharfsinnige Dialoge im Vordergrund, anstelle hektischer Action überraschende Wendungen.

Vor drei Jahren inszenierte dann Paul McGuigan mit "The Reckoning" einen würdigen Genre-Vertreter, der das interessante Thema erneut aufgreift.

Auf der Flucht

Ende des 14. Jahrhunderts versetzt die Pest das mittelalterliche England in Angst und Schrecken. Der junge Priester Nicholas (Paul Bettany) lebt zu jener Zeit in einem kleinen Dorf. Als er auf frischer Tat bei der Unzucht mit einer verheirateten Frau erwischt wird, flieht der Geistliche in Panik in die Wälder. Dort trifft er auf eine Gruppe fahrender Schauspieler, die auf dem Weg zu ihrem nächsten Gastspiel ist. Anführer Martin (Willem Dafoe) gestattet dem Flüchtling, sich dem Tross anzuschließen. In dem Ort, den die Truppe ansteuert, hat sich allerdings gerade erst ein Mord zugetragen. Ein Junge soll von einer taubstummen Frau erwürgt worden sein und die Täterin in Kürze auf dem Schafott hingerichtet werden.

Martin beschließt deshalb, nicht einen der üblichen biblischen Stoffe für sein Stück zu wählen. Stattdessen greift er die realen, grausamen Geschehnisse auf. Doch mitten in der Aufführung bricht plötzlich ein Tumult los: Die Angehörigen des Opfers behaupten, ihr Sohn wäre gar nicht von der Frau getötet worden. Nicholas beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, und findet heraus, dass noch drei weitere Jungen ermordet wurden ...

Im Gegensatz zu der bereits in Ausgabe 11/2004 getesteten Code-1-DVD liegt der deutschen Fassung eine Bonus-Disc mit einer Laufzeit von knapp einer Stunde bei. Wer mehr über den Film, die Charaktere und die gelungene mittelalterliche Kulisse erfahren möchte, sollte sich die drei entsprechenden Featurettes ansehen. Ebenfalls lohnenswert ist der Interview-Block. Hier sprechen u.a. die Darsteller Brian Cox, Paul Bettany und Willem Dafoe über ihre Rollen. Regisseur Paul McGuigan, Mark Mills (Drehbuch) und Caroline Wood (Produzentin) plaudern über die Dreharbeiten. MK n

Fazit

Film-Check: Paul McGuigans düsterer Streifen profitiert vor allem von der multinationalen Besetzung. Sowohl der Brite Paul Bettany in seiner ersten Hauptrolle als auch seine Kollegen -- der Amerikaner Willem Dafoe und der Franzose Vincent Cassel -- spielen ihre Rollen mit viel Überzeugungskraft. Das schmutzige Mittelalter-Setting wurde sehr authentisch auf die Leinwand gebracht.Der Fokus der Story liegt weniger auf den historischen Fakten dieser Epoche als vielmehr auf den Charakteren und ihren verborgenen Konflikten. Das Ergebnis ist ein sehenswerter, im England des 14. Jahrhunderts spielender Krimi mit einer clever erdachten Handlung.
DVD-Fazit: Die Bild- und Tontechnik leistet sich keine nennenswerten Ausfälle. Der Umfang des Bonusmaterials ist soweit in Ordnung und stellt auch inhaltlich zufrieden. Einen Audiokommentar gibt es auf der DVD jedoch leider nicht.

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