Eine packende Dokumentation über einen ehemaligen "Kalten Krieger", der seine Erinnerungen auspackt
Michael Moore hat es vorgemacht. Mit "Bowling for Columbine" und "Fahrenheit 9/11" riss er den Dokumentarfilm aus seinem traditionellen Schattendasein und zeigte, dass sich durch entsprechende Präsentation auch mit eigentlich sehr ernsten Themen viel Geld verdienen lässt. Nach Morgan Spurlocks Fress-Film "Super Size Me" erschien mit "The Fog of War" jetzt die nächste sehenswerte Doku auf DVD.
Filmemacher Errol Morris beschäftigt sich darin aus amerikanischer Sicht mit dem Kalten Krieg, der die Welt ein halbes Jahrhundert lang am Rande eines nuklearen Holocausts hielt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer der wichtigsten Schlüsselfiguren der US-Politik: Robert S. McNamara.
Im Gegensatz zu seinem Kollegen Michael Moore, dem eine direkte verbale Konfrontation mit George W. Bush verwehrt bliebt, hatte Morris das Glück, McNamara für seinen Film gewinnen zu können. Der 85-Jährige erzählt seine Lebensgeschichte und zieht mit Weitsicht Schlüsse aus seinen Handlungen.
McNamara wurde nach seinem Studien-Abschluss der jüngste Dozent an der Elite-Universität Harvard, diente als Air Force-Colonel im Zweiten Weltkrieg und wurde als erstes Nicht-Familienmitglied Geschäftsführer der Ford-Automobilwerke. Dann berief ihn John F. Kennedy in sein Kabinett.
Machtmensch
Unter dem jungen Präsidenten machte McNamara als Verteidigungsminister die Kuba-Krise durch. Im Film wird erschreckend deutlich, wie nah die Welt am Abgrund stand. Nach Kennedys Ermordung blieb McNamara unter dessen Nachfolger Lyndon B. Johnson zunächst im Amt, schied im Laufe des Vietnam-Krieges aber schließlich aus. Von 1968-1981 leitete McNamara die Weltbank.
Die DVD erscheint als Einzel-Disc mit nur wenigen, dafür aber interessanten Zusätzen. Im Angebot befinden sich die zehn Lehren des Robert S. McNamara, sowie 24 entfallene Szenen, die weitere Aspekte seines politischen Lebens beleuchten. Abschließend gibt es den Trailer zum Film und zwei kurze TV-Spots. PK n
