Super Mario Maker 2: Nintendo macht 2D-Mario kaputt - und das ist eine gute Sache
Kolumne
Nintendo gibt mit Super Mario Maker 2 das Bauzepter an die Spieler ab - und macht die 2D-Mario-Reihe damit kaputt, findet Redakteur Lukas in seiner Kolumne. Aber ist das wirklich ein Problem oder nicht in Wahrheit vielmehr eine Chance für die Serie, der schon seit langer Zeit vorgeworfen wird, auf der Stelle zu treten?
Super Mario Maker 2 (jetzt kaufen 58,98 € ) wird klasse und ich freue mich wie ein Schnitzel drauf! Ich denke, das geht aus meiner Vorschau relativ klar hervor. War man beim Vorgänger bezüglich dessen, was man darin bauen konnte, rückblickend doch ziemlich eingeschränkt, so macht die Fortsetzung keine halben Sachen und ermöglicht es bis auf wenige Ausnahmen, so gut wie alle Welten aus den "normalen" Mario-Spielen nachzubauen.
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Eine tolle Sache, die allerdings eine Frage aufwirft: Wofür benötigen wir dann überhaupt noch die 2D-Mario-Hauptreihe? Diese Frage stellten sich schon beim Erstling so manche Spieler, da war sie durch die erwähnten Einschränkungen aber noch relativ klar zu beantworten.
Aber jetzt ist die Sache eben deutlich komplizierter, denn so gut wie alles, was man sich in Punkto klassischer Mario-Welten ausdenken kann, kann auch umgesetzt werden - und noch viel, viel mehr. Gewagte Itemkombinationen, Rätsellevel, unterschiedliche Grafikstile, ein Auto (!); de facto ist Super Mario Maker 2 das abwechslungsreichste 2D-Mario-Spiel, das man sich vorstellen kann und dank User-Kreationen theoretisch unendlich spielbar. Ist es jetzt also soweit? Ist die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, dass wir die Hauptreihen-Spiele nun gar nicht mehr brauchen? Hat Nintendo sich und die Serie, indem man das Baumeister-Zepter an die Spieler abgegeben hat, in eine Ecke entwickelt?
Wer braucht schon Nintendo-Entwickler!
Quelle: Nintendo
Der Level Editor in Super Mario Maker 2 ist so potent, dass man nun einen Großteil aller 2D-Levels der verschiedenen Spiele selbst mit wenig Mühe nachbauen kann.
Auf den ersten Blick mag das so scheinen, aber dann wäre das hier eine reichlich kurze Kolumne. Nein, tatsächlich bin ich trotz der genannten schwerwiegenden Argumente der Meinung, dass 2D-Mario noch eine blühende Zukunft vor sich hat. Nachsatz: Wenn er bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Und was ich damit meine, wird klar, wenn man einen Blick auf den Super-Mario-3D-World -Stil wirft, der in Super Mario Maker 2 seine 2D-Premiere feiert; und darauf, auf welche Art und Weise er implementiert wurde. Anders als die anderen Grafik-Wahlmöglichkeiten steht der neue Look nämlich für sich. Auf Knopfdruck wechseln wir zwischen Super Mario Bros., Super Mario World, New Super Mario Bros. und Co. Für 3D World hingegen gilt, dass, einmal gewählt, wir auch ausschließlich in diesem Stil bauen können. Das offenbart zwei Tatsachen. Erstens, dass die anderen Stile bis auf kleine spielerische Änderungen primär optisch unterschiedlich sind und Super Mario sich seit 1985 weniger weiterentwickelt hat, als man meinen mag. Und zweitens und direkt damit zusammenhängend, dass der 3D-World-Stil die größte Änderung ist, die 2D-Mario seit langer, langer Zeit widerfahren ist.
Alles neu macht der Maker
Quelle: Nintendo
Der Super-Mario-3D-World-Stil in Super Mario Maker 2 bringt überraschend frischen Wind in den 2D-Alltag. Was wäre da erst mit eine eigens kreierten Optik möglich!
Worauf will ich damit hinaus? Darauf, dass 2D-Mario schlicht und ergreifend eine Frischzellenkur notwendig hat. New Super Mario Bros. für den DS war ein tolles Spiel, aber spielerisch schon damals extrem auf der sicheren Seite angesiedelt. Seitdem steht die Sub-Serie für Stagnation und sogar die treuesten Nintendo-Fans haben sich an dem blassen, zu klinischen Stil sattgesehen. Dass es auch anders geht, zeigen die seltenen Momente, in denen die Reihe ihre Komfortzone verlässt. Die von Van Goghs "Sternennacht" inspirierten Welten in New Super Mario Bros. U machen spielerisch nichts anders, sehen aber einfach einzigartig aus und zeigen, wie viel kreatives Potenzial in der Reihe steckt. Bei Yoshi und Kirby probiert Nintendo mit großer Regelmäßigkeit auch neue Ideen aus - bei der heiligen Kuh Mario hingegen wird offenbar Tradition mit Stillstand verwechselt und die Reihe tritt dadurch auf der Stelle. Nun, zumindest in 2D. In 3D hingegen ist der Mario-Konzern mit Super Mario Odyssey einen notwendigen Schritt gegangen und hat das Grundkonzept gehörig aufgemischt (auch, wenn mich das Endergebnis nicht hundertprozentig überzeugt hat, aber das ist meinem persönlichen Geschmack geschuldet). Mit Breath of the Wild hat man im Zelda-Kosmos ähnlichen Mut bewiesen und wurde wie bei Odyssey mit einem der bestbewertetsten Spiele aller Zeiten belohnt.
Hauptsache anders?
Quelle: Nintendo
Diese von Vincent Can Goghs Gemälde „Sternennacht“ inspirierten Welten in New Super Mario Bros. U zeigen, was alleine künstlerisch mit der Mario-Serie möglich wäre.
Mit Odyssey und Breath of the Wild habe ich schon den zweiten und noch wichtigeren Punkt angesprochen, denn beide Titel gehen optisch ja schließlich kein oder zumindest kein großes Risiko ein. Stattdessen wurde hier spielerisch gehörig aufgemischt. Und das benötigt 2D-Mario auch. Ein Van-Gogh-Hintergrund in Super Mario Maker ist schließlich nur ein Update weit von Super Mario Maker 2 entfernt. Nein, es muss sichergestellt werden, dass der neue 2D-Mario sich dermaßen stark von all dem unterscheidet, was man kennt, dass eine Einbindung in den Switch-Baukasten quasi unmöglich ist. Wo 3D World schon eine eigene Kategorie braucht, um Teil des Mario Makers werden zu können, will ich, dass der mir vorschwebende nächste 2D-Mario-Titel so komplex, so neu- und andersartig ist, dass nicht einmal das in den Bereich des realistisch Möglichen fällt.
Zukunft durch Vergangenheit
Wie dieses neu gedachte Pilzkönigreich-Abenteuer aussehen könnte? Keine Ahnung! Aber zum Glück bin ich auch kein Spielentwickler, sondern kann hier in aller Ruhe über den Stillstand der Serie motzen, wissend, dass mit großer Wahrscheinlichkeit gerade einige kluge Japaner zusammensitzen und genau diese Vision umsetzen, die ich hier nur sehr schemenhaft habe. Wenn Nintendo seit dem Start der Switch eines bewiesen hat, dann nämlich, dass man lernfähig ist und erstmals bereit, sich und die eigenen Marken konsequent zu hinterfragen. Trotzdem gut zu wissen, dass dem klassischen 2D-Mario dank Super Mario Maker 2 und unzähliger fantastischer Bauherren aus aller Welt noch ein langes Leben vergönnt ist. Und dass Nintendo dadurch quasi gezwungen ist, die Hauptreihe neu zu erfinden. Das können sie dort nämlich ziemlich gut.
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