Wird 2021 das langweiligste Spielejahr seit langem?

Kolumne David Benke 53,99 €
Wird 2021 das langweiligste Spielejahr seit langem?
Quelle: PC Games

Das Spielejahr 2021 wurde bisher vor allem durch eines gezeichnet: coronabedingte Spieleverschiebungen! Gefühlt jeder zweite Blockbuster kommt einige Monate später, manche sogar erst 2022. Redakteur David Benke schaut angespannt auf den Release-Kalender und fragt sich in seiner Kolumne: Was sollen wir dieses Jahr denn überhaupt noch zocken?

Jetzt also auch Deathloop. Wie die Macher von Arkane Studios vor kurzem bekannt gegeben haben, wird ihr neues Zeitschleifen-Shooter-Spektakel doch erst ein paar Monate später erscheinen. Statt dem 21. Mai ist nun ein Release für den 14. September geplant. Diese Maßnahme soll den Entwicklern nochmal etwas Zeit verschaffen, um den letzten Feinschliff anzulegen. Den Spielern will man schließlich ein möglichst unterhaltsames, stylisches und hirnverdrehendes Gaming-Erlebnis bieten.

Mit diesem Schritt reiht sich Arkane nahtlos in einen Trend ein, der die Videospiel-Branche 2021 wie kaum ein anderer prägt: coronabedingte Verschiebungen. Die Pandemie hat Hersteller und Entwickler in den vergangenen Monaten vor komplett neue Herausforderungen gestellt und zu einigen kreativen Lösungen gezwungen: Gearbeitet wird von zu Hause, kommuniziert nur noch online.

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Das gestaltet sich natürlich nicht immer ganz so einfach und zieht entsprechende Konsequenzen nach sich. "Unsere IT ist quasi am Limit", erklärte etwa Steve Pritchard, Vice President of Production bei Gears-Tactics -Entwickler Splash Damage im Interview mit dem Guardian. "Gerade der Onlinetransfer riesiger Datenmengen stellt ein echtes Problem dar." Dazu kommt der Umstand, dass einige Arbeitsprozesse aktuell einfach gar nicht möglich sind: Performance-Capture-Aufnahmen stehen etwa komplett außer Frage. Auch Qualitätssicherung und Testverfahren beinahe fertiger Spiele nehmen momentan deutlich mehr Zeit in Anspruch.

Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Für viele Rennspiel-Fanatiker war das neue Gran Turismo 7 ein Grund, sich die PS5 zu kaufen. Nun müssen sie noch bis 2022 auf die Racing-Sim warten. Quelle: Sony Für viele Rennspiel-Fanatiker war das neue Gran Turismo 7 ein Grund, sich die PS5 zu kaufen. Nun müssen sie noch bis 2022 auf die Racing-Sim warten. Während viele Studios im letzten Jahr diese Umstände noch weitestgehend ordentlich verkraften konnten, weil ihre Spiele sich bereits in den Endzügen des Entwicklungszyklus befanden, trifft 2021 die Games-Branche deutlich härter. Spiele, deren Release für die kommenden Monate geplant war, sollten eigentlich mitten im Entstehungsprozess stecken, werden jetzt aber durch Homeoffice, Lockdowns oder andere logistische Probleme aufgehalten. Sei es nun das Strategiespiel Humankind, der Koop-Zombie-Shooter Back4Blood oder das Adventure Kena: Bridge of Spirits - kein Studio, kein Genre blieb verschont. Manchmal verzögerte sich die Veröffentlichung um ein paar Wochen, manchmal um mehrere Monate. Einige Branchenvertreter erwischt es sogar besonders hart. Ihre Titel wurden so weit nach hinten verschoben, dass sie dieses Jahr gar nicht mehr erscheinen. Mit Gran Turismo 7, Hogwarts Legacy und Gotham Knights dürfen wir beispielsweise frühestens 2022 rechnen.

Als Gamer ist aktuell Geduld das Gebot der Stunde. Für mich stellt sich langsam aber auch die Frage: Was soll ich dieses Jahr denn überhaupt noch spielen? 2021 wirkt aus Spielesicht bisher unglaublich unspektakulär. Es ist gerade einmal April und gefühlt stecken wir bereits jetzt mitten in der Saure-Gurken-Zeit. Es herrscht regelrecht Flaute, nichts passiert. Es gibt keine neuen Spiele, keine großen Ankündigungen, keine digitalen Events. Und angesichts der äußeren Umstände wird sich das für den Rest des Jahres wohl auch nur bedingt ändern.

Waffenruhe an der Spielefront

Klar, ein paar nette Titel hält beziehungsweise hielt das Jahr natürlich trotzdem parat. Mit Hitman 3, It Takes Two, Resident Evil Village und Ratchet and Clank: Rift Apart gab oder gibt es in absehbarer Zeit ein paar kleinere Highlights. Die großen Namen sucht man aber vergebens. Wo sind denn Kaliber wie ein God of War, ein Red Dead Redemption 2 oder ein The Last of Us Part 2? Die fetten Blockbuster, auf die man das ganze Jahr über hin fiebert und für die es sich tatsächlich auch mal lohnen würde, Unsummen in Hardware zu investieren? Richtig, verschoben!

Laut einer auf Instagram aufgetauchten Werbeanzeige soll Horizon Forbidden West noch 2021 erscheinen. Aber ob das auch wirklich eine verlässliche Quelle ist? Quelle: Sony / Guerrilla Games Laut einer auf Instagram aufgetauchten Werbeanzeige soll Horizon Forbidden West noch 2021 erscheinen. Aber ob das auch wirklich eine verlässliche Quelle ist? Eine der wenigen Ausnahmen und eine mögliche Rettung aus der aktuellen Dürreperiode könnte vielleicht Horizon: Forbidden West sein. Aloys neuestes Abenteuer hinterließ bereits zu seiner Ankündigung im vergangenen Juni einen richtig guten Eindruck. Angesichts der eindrucksvollen postapokalyptischen Welten und der fantastischen Maschinenwesen lief Playstation -Besitzern das Wasser im Mund zusammen. Doch selbst hinter dem Exklusivtitel steht ja noch immer ein dickes Fragezeichen! Eigentlich sollte das Action-RPG laut einem Trailer in der zweiten Jahreshälfte erscheinen. Jim Ryan, Chef von Sony, bestätigte in einem Interview mit GQ auch nochmal, man habe "ein gutes Gefühl", was diesen Termin angehe. Ein Release rund ums Weihnachtsgeschäft 2021 scheint also nicht vollkommen unrealistisch.

Im gleichen Atemzug sagte Ryan aber auch: Sony sei dafür bekannt, nicht ohne Rücksicht auf Verluste Termine einzuhalten, sondern Spiele herauszubringen, wenn sie fertig sind. Das klingt dann doch wieder so, als wäre eine nochmalige Verschiebung nicht endgültig vom Tisch. Bei all dem Durcheinander hilft es auch nicht, dass es von offizieller Seite nach wie vor keinerlei Statement zum Status Quo der Entwicklung gibt. Das zuständige Studio Guerilla Games hat sich schon lange nicht mehr zu Wort gemeldet. Auf der offiziellen Shop-Seite prangt nach wie vor die Info "Veröffentlichungsdatum unbestätigt".

Kein Grund zur Panik?

Über das diesjährige Call of Duty, das voraussichtlich wieder ums Weihnachtsgeschäft herum erscheinen wird, ranken sich bereits einige Gerüchte. Setting soll etwa wieder der 2. Weltkrieg sein. Quelle: Activision Über das diesjährige Call of Duty, das voraussichtlich wieder ums Weihnachtsgeschäft herum erscheinen wird, ranken sich bereits einige Gerüchte. Setting soll etwa wieder der 2. Weltkrieg sein. Heißt also: Fix ist noch immer nix. Gleiches gilt für andere verheißungsvolle Kandidaten. Aus dem Microsoft-Lager ist da beispielsweise noch Halo: Infinite. Wobei das auch mehr der Höflichkeit halber auf unserer Liste auftaucht, nachdem die letztjährige Gameplay-Enthüllung ja eher ernüchternd lief. Breath of the Wild 2 hat bisher auch nicht mehr als einen kurzen Teaser spendiert bekommen. Und zum allseits so heiß erwarteten Elden Ring von From Software und George R.R. Martin herrscht abgesehen von ein paar Leaks ohnehin schon seit Ewigkeiten Funkstille. Stand jetzt gibt es zu Weihnachten also nur ein neues FIFA und ein neues Call of Duty. Das sind ja mal rosige Aussichten!

In Pessimismus zu verfallen und 2021 als das langweiligste Spielejahr seit langem abzustempeln, bringt einen allerdings auch nicht wirklich weiter. Miese Laune herrscht momentan schon genug. Vielleicht sollten wir also viel mehr versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen und auch in der aktuellen Situation das Positive zu sehen: Wenn es an Triple-A-Produktionen gerade mangelt, dann muss man sich eben mal den Indie-Perlen zuwenden. Den Disco Elysiums und Hades' dieses Jahres. Von denen gibt es nämlich mehr als genug und sie warten nur darauf, entdeckt zu werden. Oder man nutzt die Zeit, um mal den unendlich hohen Pile of Shame abzuarbeiten. Damit sollte Langweile doch eigentlich recht schnell der Vergangenheit angehören ...

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