Review: Spider-Man 3

Test Jochen Gebauer

Im Kino bekommt es Toby Maguire mit grünen Goblins, doktoralen Tintenfischen und gemeinen Sandmännchen zu tun. Das Spiel setzt noch einen Superschurken drauf: Captain Kameraführung.

In einem alten Kinosaal treibt eine Schulmädchen-Gang ihr Unwesen. Was die Kamera nicht zeigt: Etwa sieben Gegner, die in zwei Sekunden zuschlagen. In einem alten Kinosaal treibt eine Schulmädchen-Gang ihr Unwesen. Was die Kamera nicht zeigt: Etwa sieben Gegner, die in zwei Sekunden zuschlagen. Das Superhelden-Dasein könnte eigentlich ganz lauschig sein: Mit Kirsten Dunst im Arm durch New Yorker Straßenschluchten segeln, ein paar bösen Buben die Ohren lang ziehen, dem Arbeitgeber buchstäblich aufs Dach klettern ... es gibt miesere Jobs als den des Spinnenmanns. Dummerweise platzt alle naselang ein Superschurke in die heile Marvel-Welt und träumt von Mord, Totschlag und anderen üblen Sachen. Den meisten Lümmeln ist das Handwerk schnell gelegt -- doch gegen die Kamera von Spider-Man 3 mutiert selbst Dr. Octopus zum Waisenknaben. Aber der Reihe nach ...

Superschurke Kamera

Auf einer zuschaltbaren Karte von Manhattan wählen wir unsere nächsten Einsatzziele. Im weiteren Spielverlauf schalten wir so rund 40 Missionen frei. Auf einer zuschaltbaren Karte von Manhattan wählen wir unsere nächsten Einsatzziele. Im weiteren Spielverlauf schalten wir so rund 40 Missionen frei. Im Kern ist Spider-Man 3 ein grundsolides Actionspiel, wie es sie auf Konsolen im Dutzend gibt. Wenn wir uns nicht gerade von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer hangeln, prügeln wir Gegnerlawinen zu Kleinholz und bedienen uns dabei allerlei Kombos sowie diverser Spezialattacken. Klingt altbekannt und spielt sich auch so. Das alleine wäre natürlich noch kein Beinbruch -- schließlich hat Devil May Cry 3 das Rad auch nicht neu erfunden. In Kombination mit der enervierenden Kamera -- die wir ununterbrochen von Hand feinjustieren müssen -- werden die eigentlich unkompliziert-launigen Prügeleinlagen aber schnell zur Qual, weil man im Eifer des Gefechts den anvisierten Gegner permanent aus den Augen verliert.

Gesucht: ein neues Handgelenk

Ein Saboteur hat’s schwer: Manchmal müssen wir zum richtigen Zeitpunkt bestimmte Tasten drücken. Ein Saboteur hat’s schwer: Manchmal müssen wir zum richtigen Zeitpunkt bestimmte Tasten drücken. Die Kämpfe selbst strapazieren eher den Daumen als die grauen Zellen. Wer stoisch die Gamepad-Knöpfe bearbeitet (per Maus und Tastatur lässt sich Spider-Man 3 auch spielen, steuert sich aber hakeliger), erzielt eine Sehnenscheidenentzündung später das beste Ergebnis. Alternativ dürfen wir auch in einen Bullet-Time-Modus à la Max Payne schalten, in dem sich feindliche Angriffe problemlos kontern lassen.

Gerade in den sporadischen Boss-Kämpfen haben wir nur mit permanenten Konterangriffen eine reelle Chance -- Spider-Man 3 ist stellenweise frustrierend schwierig. Das gilt auch für die Reflex-Einlagen im Stile von Fahrenheit: Hier müssen wir plötzlich (und meist gänzlich ohne Vorwarnung) die richtige Taste drücken.

Spielerische Freiheit

Unser Lehrer Dr. Spidey! Schulschwänzer passen perfekt ins Beuteschema des Superhelden. Verpasste Unterrichtseinheiten werden gnadenlos aufgearbeitet. Unser Lehrer Dr. Spidey! Schulschwänzer passen perfekt ins Beuteschema des Superhelden. Verpasste Unterrichtseinheiten werden gnadenlos aufgearbeitet. Welche der insgesamt über 40 Missionen wir wann in Angriff nehmen, bleibt uns überlassen. Auf einer ständig zuschaltbaren Karte New Yorks dürfen wir stets aus mehreren Aufträgen wählen. Per Spinnenfäden geht’s anschließend stilvoll per Luftweg ans Ziel. Was zu Beginn noch herrlich tollpatschig aussieht, entwickelt auf Dauer echtes Popcorn-Feeling wie vor der großen Leinwand: Hat man den Dreh erstmal raus, fühlt man sich während der kurzen Flugeinlagen tatsächlich wie ein Teil des Films.

Das Schwingen durch die Straßenschluchten macht durchaus Laune -- die öden Gebäudetexturen lassen aber nur wenig Kinoflair aufkommen. Das Schwingen durch die Straßenschluchten macht durchaus Laune -- die öden Gebäudetexturen lassen aber nur wenig Kinoflair aufkommen. Leider enden hier die Parallelen. Während Regisseur Sam Raimi ein atemberaubendes Budget für Special Effects verjubeln durfte, sieht die Spielumsetzung trotz horrender Hardware-Anforderungen geradezu absurd mittelmäßig aus. Unter einer Grafikkarte mit mindestens 256 Megabyte sowie zwei Gigabyte Arbeitsspeicher geht bei Spider-Man 3 gar nichts. Dafür bekommen PC-Spieler den ohnehin schon biederen Xbox-360-Look und -- wie es sich für eine lieblose Konsolenumsetzung gehört -- einen einzigen lächerlichen Speicherstand. Wenigstens retten die guten Sprecher (unter anderem die deutsche Synchronstimme von Toby Maguire) Spider-Man 3 vor dem technischen Offenbarungseid.

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