Die Fortsetzung des originellen Schockers "Saw" aus dem Jahr 2004 setzt den Trend der harten und humorlosen Horrorfilme fort
Alle Jahre wieder drehen junge Regisseure an der Gewaltspirale. 1960 waren sich viele Kritiker einig, dass Alfred Hitchcocks "Psycho" so ziemlich das Härteste sei, was normal gepolte Erwachsene ertragen könnten. Acht Jahre später belehrte George A. Romero die Welt mit der "Nacht der lebenden Toten" eines Besseren. Nach Tobe Hoopers "Blutgericht in Texas" hieß es 1974 ebenfalls, dass man dies nicht mehr toppen könne. Pier Paolo Pasolini nahm die Herausforderung an und kratzte mit "Die 120 Tage von Sodom" ein Jahr darauf tatsächlich an der Grenze des Zeigbaren.
Wiederholungstäter
Nachdem George A. Romeros zweiter Zombieaufmarsch in "Dawn of the Dead" 1978 zum Kassenknüller wurde, war der Splatterfilm endgültig etabliert. Der Originalität zukünftiger Genrefilme wurde damit allerdings kein Gefallen getan. Denn fast alles was danach kam, waren im Grunde nur noch Spielarten bestehender Storygrundgerüste.
Von den frühen 80ern angefangen, erzählten die meisten Horrorfilme bis weit in die 90er hinein von natürlichen wie übernatürlichen Schlitzern (Michael Myers, Jason Vorhees, Freddy Krueger). Zusätzlich verkam Horror durch endlose und immer schlechter werdende Fortsetzungen für den Videomarkt zu einem Genre, das immer weniger ernst genommen wurde.
Re-Animator
Die Wende verdanken wir Wes Craven. Mit dem augenzwinkernden "Scream" (1996) lockte er endlich wieder ein Millionenpublikum ins Kino und löste eine bis heute anhaltende Horrorwelle aus. Die nach "Scream" einsetzende Explosion des DVD-Marktes, der die Kunden seitdem immer wieder mit ungeschnittenen Versionen reizt und die sich plötzlich ergebene Möglichkeit, jeden Film auf der Welt über das Internet bestellen zu können, verankerten den Horrorfilm als eines der profitabelsten Bestandteile in jedem Portfolio eines Hollywoodstudios.
Der große Vorteil von Horrorfilmen ist außerdem, dass sie schnell und günstig produziert werden können. Wenn die Story und das Konzept stimmen, reichen unbekannte Teeniedarsteller oder viel Blut vollkommen aus, um ordentlich Kasse zu machen. Heutige Horrorfilmer müssen sich allerdings der immer dringlicheren Frage stellen, wie neue Konzepte aussehen könnten.
Mit "Saw" gelang dem damals 27-jährigen James Wan ein genialer Einstand. Der Nachwuchsfilmer inszenierte einen klaustrophobischen Schocker, der dem Publikum direkt an die Gurgel sprang. Mit einem Witz von Budget (1,2 Mio. Dollar) brachte es "Saw" auf ein World Box Office von 103 Millionen. Das erleichterte es dem verantwortlichen Studio Lions Gate, für das Sequel tiefer in die Tasche zu greifen.
Auch wenn die Investition von vier Millionen Dollar in Teil 2 mehr als einer Verdreifachung des Etats entspricht, ist das natürlich immer noch eine vergleichsweise lächerliche Summe.
Fallensteller
Die Fortsetzung knüpft mehr oder weniger direkt an den ersten Teil an. Ausgerechnet dem abgewrackten Polizisten Eric Matthews (Donnie Wahlberg) geht der gefürchtete Jigsaw-Killer ins Netz. Bei dem Täter handelt es sich wider Erwarten nicht um einen mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Schlächter, sondern um einen intelligenten Herrn mittleren Alters namens John Kramer (Tobin Bell), der einem baldigen Krebstod entgegensieht.
