Radsport Manager Pro 2006

Test

Ob der echte Jan Ullrich wohl diesmal die Tour de France gewinnt? Virtuell können Sie ihn im offiziellen Spiel zur Frankreich-Rundfahrt als Teammanager zum Triumph führen!

Radsport Manager Pro 2006 Wie in den Jahren davor versucht unser Jan Ullrich auch heuer, die Tour de France zu gewinnen. Ob er es trotz der Abwesenheit von Lance Armstrong schafft, ist angesichts von Gegnern wie Basso, Winokurow, Valverde und Co. zweifelhaft. Da hat es der Radsport Manager Pro 2006 eindeutig besser: Seit Jahren ist die Reihe konkurrenzlos, doch das verleitet bekanntlich dazu, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Aber es hat sich Einiges getan: Die 2006er-Version darf sich nach erfolgreichen Verhandlungen sogar »Offizielles Spiel zur Tour de France« nennen und enthält neben der Originalstrecke der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt fast alle lizenzierten Teams und Spitzenfahrer, darunter die für deutsche Spieler besonders wichtigen Mannschaften T-Mobile, Gerolsteiner und CSC. Discovery Channel und Phonak verweigerten die Erlaubnis, sodass die Namen dieser Teams und Fahrer leicht verfälscht wurden. Dieser Makel lässt sich aber per Editor bei Bedarf korrigieren.

Kosmetik statt Substanz

Die spielerischen Neuerungen halten sich wie im Vorgänger arg in Grenzen. Die von den Fans erhofften Verbesserungen wie umfangreiche Teamstrategien, detailliertes Training und mehr Komfort bei der Bedienung fehlen. Grafische Schmankerl wie typische TV-Perspektiven oder dicht gedrängte Zuschauer bei Bergankünften steigern zwar die Atmosphäre. Doch nach dem ersten »Aha-Effekt« ignoriert man solche optischen Feinheiten, zumal Sie die meisten Rennen ohnehin von der recht ordentlichen KI berechnen lassen. Gerade im Karrieremodus dauerte es viel zu lange, jedes Rennen selbst auszufahren. Daher ist es auch unverständlich, warum das Tutorial lediglich die Möglichkeiten in den Rennen erklärt, nicht aber die Manageraufgaben.

Viele Aufgaben, wenig Arbeit

Die Karriere als Teamchef steht im Mittelpunkt von Radsport Manager Pro 2006. Sie übernehmen die Leitung einer Equipe und kümmern sich fortan um alle wichtigen Belange wie Training, Aufstellung, Finanzen, Vertragsverhandlungen und den Nachwuchs. Das klingt nach mehr, als es wirklich ist, denn viele Punkte erfordern nur selten Ihr Eingreifen. Häufigste Aktion: Vor der Etappe statten Sie Ihr Team mit der entsprechenden Ausrüstung (Rahmen, Räder, Helm) aus. Blöd nur, dass sich keine festen Kombinationen, beispielsweise für Berg- und Flachetappen, speichern und per Tastendruck abrufen lassen. Wenigstens schlägt die KI bei Zeitfahren selbst eine passende Ausrüstung vor.

Späte Attacken

Wenn Sie die Rennen selbst austragen, bestimmen Sie über zahlreiche Parameter und Aktionen das Verhalten Ihrer Fahrer. So regeln Sie unter anderem Krafteinsatz und Aggressivität. Auf Tastendruck lassen Sie Ihr Team die Führungsarbeit verrichten oder ausgewählte Fahrer attackieren. Eine allzu offensive Fahrweise kostet aber wertvolle Kraft und führt schnell zur Ermüdung, sodass Sie die meiste Zeit einfach im großen Fahrerfeld mitrollen.

Attacken lohnen sich erst kurz vor dem Ziel -- egal, ob beim Schlussanstieg einer Bergankunft oder beim Massensprint. Für mehr als eine ernsthafte Attacke haben selbst zähe Ausreißer wie Jens Voigt keine Kraft. Die gegnerischen KI-Fahrer sind zwar merklich besser als im Vorgänger, aber insgesamt nach wie vor recht leicht zu durchschauen.

Taktik, wo bist du?

Wie in den Vorgängern vermissen Radsportkenner grundlegende Teamstrategien. Denn in der Realität entscheidet kein Fahrer spontan, was er im Wettkampf macht. Bei allen Rennen planen die Mannschaften ihr Vorgehen genau: Wer attackiert an welcher Stelle? Wie reagieren wir auf Angriffe der Konkurrenz? Soll ein Fahrer ausreißen, um das Bergtrikot zu erobern? Diese und ähnliche Fragen prägen die Taktik und machen echte Radrennen so spannend. Das die Entwickler dieses Jahr wieder nichts davon eingebaut hat, ist sehr enttäuschend.

Georg Valtin

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