Inside im Test: Das verstörende Meisterwerk der Limbo-Macher - Jetzt auch mit Wertung für Nintendo Switch
Test
Düster, beklemmend, faszinierend: Das neue Werk von Playdead spielt sich wie der geistige Nachfolger von Limbo - ein Albtraum mit Sogwirkung, der zu den besten Titeln des Jahres 2016 zählt. Unser Review für PC, Xbox One, PS4 und Nintendo Switch klärt, warum die zeitlose Indie-Perle ihren stattlichen Kaufpreis wert ist.
Quelle: PC Games
Spannend: Gleich zu Spielbeginn müssen wir mehrere dramatische Verfolgungsjagden überstehen.
Für die Indie-Szene war Limbo ein kleiner Meilenstein: finster, verstörend, erstklassig spielbar. Zurecht hagelte es Top-Wertungen für den kreativen Puzzle-Plattformer, Entwickler Playdead wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Doch danach: vier Jahre Funkstille, die Entwickler zogen sich zurück. Erst auf der E3 2014 kündigte das dänische Team endlich an, woran es die ganze Zeit gearbeitet hatte: Inside (jetzt kaufen 7,99 € ), ein geistiger Nachfolger zu Limbo. Im Test zeigt sich nun: Das Indie-Spiel knüpft nicht nur mühelos an den Quasi-Vorgänger an - es übertrifft ihn.
Hinweis: Alle Screenshots haben wir mit der Xbox-One-Version erstellt. Die PC- und PS4-Fassungen sind grafisch identisch. Die Switch-Version ist visuell nicht ganz auf Augenhöhe, aber sehr nahe dran.
Auf dieser Seite
- 1 Inside im Test: Der würdige Limbo-Nachfolger
- 2 Inside im Test: Bedrückendes Szenario
- 3 Inside im Test: Präzise und kreativ
- 4 Inside im Test: Grausame Tode, überraschende Tauchgänge
- 5 Inside im Test: Ein gigantischer Level
- 6 Inside im Test: Infos zur PC-Fassung
- 7 Inside im Test: Preis, Versionen, Wertung und Fazit (Switch-Update)
Inside im Test: Der würdige Limbo-Nachfolger
Wer Limbo gespielt hat, wird Playdeads düstere Handschrift sofort wiedererkennen: Auch in Inside steuern wir einen kleinen Jungen aus der Seitenansicht durch eine feindselige, farblose Welt. Anstatt kräftiger Schwarz-Weiß-Kontraste setzt Inside auf das Zwischenspiel aus Grautönen, das zusammen mit behutsam durchschimmernden Farben, kunstvollen Licht- und Schatteneffekten und Unschärfefiltern für einen unverwechselbaren Look sorgt. Die 3D-Optik, angetrieben von der Unity Engine, ermöglicht den Entwicklern spannende Schwenks, räumliche Kulissen und interessante Perspektivwechsel. Das Gameplay ist allerdings immer noch zweidimensional und ähnelt in den Grundzügen dem von Limbo: In Inside dürfen wir weder schießen noch prügeln, stattdessen wird gesprungen, geklettert, getaucht, dazu verschiebt man Kisten, drückt Schalter, geht in Deckung - auch Inside vermixt damit Jump-and-Run-Mechaniken mit Adventure-Elementen.
Inside im Test: Bedrückendes Szenario
Quelle: PC Games
Kein Platz für Freude: Inside ist ein durch und durch finsteres, oft sogar deprimierendes Spiel.
Das Setting von Inside ist dagegen neu. Waren wir in Limbo noch in der Hölle unterwegs, entführt uns Inside in eine verstörende, trostlose Dystopie. Der kleine Junge, den wir hier spielen, ist zu Beginn auf der Flucht: Er schleicht durch einen finsteren Wald, versteckt sich vor Männern, die ihn mit Taschenlampen und Spürhunden suchen. Im Dunkel der Nacht erspähen wir Lastwagen, die Menschen wie Vieh abtransportieren - erst später erkennen wir, dass diese Leute keinen freien Willen mehr haben. In Reih und Glied marschieren sie ihrem Schicksal entgegen, nehmen an abstoßenden Auswahlverfahren teil, begafft von gesichtslosen Männern, Frauen und Kindern, bis sie schließlich in einer Art Fabrik landen. Was dort passiert und warum, soll nicht verraten werden: Inside wirft unbequeme Fragen auf, liefert aber nur wenige Antworten - es bleibt dem Spieler überlassen, was er mit den verstörenden Bildern anzufangen vermag.
Inside erzählt seine deprimierende Geschichte ganz ohne Dialoge, Erklärungen oder Bildschirmeinblendungen, bemüht sich aber deutlich mehr als Limbo um einen zusammenhängenden Plot. Mit Erfolg: Im Test hat uns das Spiel zu keiner Minute losgelassen, wir beendeten das Abenteuer in einem Rutsch! Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat Inside einen aufwühlenden Schlussakt zu bieten, der in einem überraschenden, wenn auch sehr abrupten Finale endet - mit dieser Entscheidung dürfte Playdead sicherlich die Gemüter der Fans spalten, manche werden den Schluss lieben, andere lässt er womöglich frustriert zurück. Gesprächsstoff bietet er aber allemal (es gibt für Inside ein alternatives Ende, das gar nicht so leicht zu erspielen ist.).
Inside im Test: Präzise und kreativ
Quelle: PC Games
Intuitives Knobeln: In vielen Rätseln kommt eine robuste Physik-Engine zum Einsatz.
Inside spielt sich angenehm simpel und präzise, der linke Analogstick bewegt den Jungen, zwei Tasten sind für das Springen und Interagieren mit Objekten reserviert. Wichtiger als hüpfen und klettern sind aber ohnehin die vielen Puzzles, die wir im Spielverlauf lösen. Anfangs verschieben wir nur ein paar Kisten, doch schon bald wird die Sache komplizierter: Da müssen wir den Jungen etwa geschickt in Schatten verbergen, während Suchscheinwerfer bedrohlich über die Szenerie wandern. Oder wir bugsieren eine Lore über eine bewegliche Schiene, befördern sie dank der ordentlichen Physik-Engine im richtigen Moment in die Lüfte.
Für einige der kreativsten Puzzles muss der Junge einen speziellen Helm tragen, durch den er Menschen in der Nähe zu seinen willenlosen Dienern macht - sie folgen ihm dann auf Schritt und Tritt und ahmen seine Bewegungen nach, so kann der Junge beispielweise schwere Objekte verschieben oder Türen aufhebeln lassen. All diese Ideen kommen nie zu lange zum Einsatz, die meisten Spielinhalte von Inside sind wohldosiert.
Quelle: PC Games
Schöne Lichteffekte: Der Junge schleicht im Schatten an Selbstschussanlagen vorbei.
Inside im Test: Grausame Tode, überraschende Tauchgänge
In einer besonders coolen Sequenz durchwandert das Kind einen unterirdischen Komplex, in dem regelmäßig tödliche Schockwellen durch den Level peitschen - hier muss sich der Junge geschickt Deckung schaffen und die Umgebung ausnutzen, denn schon der geringste Treffer sorgt für hässliche Sterbeszenen, in denen das Kind buchstäblich in Fetzen gerissen wird. Noch heftiger sind die Todesanimationen, wenn das Kind von einem seiner Häscher entdeckt wird - trotz der stilisierten Optik dürfte der Anblick eines Kindes, das erwürgt oder von Hunden zu Tode gebissen wird, für empfindsame Spieler zuviel sein. Die drastischen Bilder haben aber zumindest einen wirksamen Effekt: Obwohl der Bildschirmtod dank fair gesetzter Checkpoints nie in Frust ausartet, möchte man das Kind schützen, um jeden Preis.
In der zweiten Spielhälfte überrascht das Spiel mit langen Tauchabschnitten, in denen sich der Bub - fein animiert - durch's finstere Nass vorarbeiten und gruseligen Wesen ausweichen muss, bevor er in die Tiefen gezogen wird. Später kommen sogar längere Sequenzen in einem Mini-U-Boot hinzu, gerade hier sorgen die tollen Lichteffekte und die erstklassige, reduzierte Soundkulisse für eine beklemmende Atmosphäre. Im letzten Spieldrittel nutzen die Entwickler das Wasser auch für einige ungewöhnliche, physikalisch höchst abenteuerliche Puzzles - wie genau diese Rätsel aussehen? Verraten wir natürlich nicht!
Quelle: PC Games
In einem langen Abschnitt sind wir mit einem kleinen U-Boot unterwegs und erkunden die Tiefen der See. Stimmungsvoll!
Inside im Test: Ein gigantischer Level
Beeindruckend: Genau wie in Limbo besteht auch Inside im Grunde aus einem einzigen, gigantischen Level. Es gibt keine störenden Ladezeiten, sichtbaren Übergänge oder unnatürliche Unterbrechungen - das trägt deutlich zu dem unheimlichen, soghaften Spielerlebnis bei. Hat man sich einmal auf die düstere Welt von Inside eingelassen, fällt es schwer, das Gamepad aus der Hand zu legen. Ständig überrascht es mit neuen, eindrucksvollen Kulissen, klugen Puzzles und verstörenden Ideen, dadurch vergeht die Zeit wie im Fluge. Umso bedauerlicher, dass das Erlebnis so schnell wieder vorbei ist: Wir haben Inside in etwas mehr als drei Stunden durchgespielt. Damit kam es uns zwar ein bisschen länger vor als Limbo, das mit seinen zehn Euro aber auch deutlich günstiger war. Für Inside muss man dagegen 20 Euro hinblättern, zweifellos viel Geld für die kurze Spielzeit, zumal sich der Wiederspielwert arg in Grenzen hält.
Trotzdem ist es uns den satten Kaufpreis allemal wert, denn das Erlebnis wirkt weit über den Abspann hinaus: Mit seiner eindrucksvollen Inszenierung, seinem guten Spielfluss und seiner zutiefst verstörenden Atmosphäre ist Inside genau das geworden, was sich Limbo-Fans erhofft hatten - ein würdiger Nachfolger, der sich schon jetzt zu den besten Spielen des Jahres zählen darf.
Inside im Test: Infos zur PC-Fassung
Quelle: PC Games
Ein unterirdischer Wald, durchzogen von Maschinen - Playdead hat sich für Inside tolle Locations einfallen lassen.
Die PC-Version ist grafisch identisch mit der Xbox-One-Fassung. In Sachen Grafikeinstellungen gibt's lediglich die Möglichkeit, die Helligkeit und den Vollbildmodus ein- und auszuschalten, außerdem lassen sich verschiedene Auflösungen wählen. Das Xbox-360-Pad wurde einwandfrei erkannt, alternativ können wir aber auch bedenkenlos mit Tastatur spielen - die Maus findet in Inside keine Verwendung. Dafür können wir die Tastenbelegung (sechs Tasten werden benötigt) problemlos ändern, uns war es beispielsweise angenehmer, die Tasten für Springen und Benutzen umzubelegen.
Ungewohnt: Es gibt keine Spielstände in Inside. Allerdings können wir jederzeit einen von vielen Checkpoints laden, die automatisch angelegt und dann in einem übersichtlichen Menü aufgelistet werden. So können wir bei Bedarf einfach direkt an den Anfang springen, wenn wir das Spiel nochmal von vorn beginnen oder einen früheren Abschnitt starten wollen.
Inside im Test: Preis, Versionen, Wertung und Fazit (Switch-Update)
Inside ist zum Preis von 20 Euro für Xbox One und ab 7. Juli 2016 für PC erhältlich. Weitere Plattformen sind offiziell nicht angekündigt, die Entwickler haben aber schon Interesse daran bekundet, das Spiel auch für andere Konsolen zu veröffentlichen.
Update: PS4-Version erschienen
Seit 23. August 2017 ist Inside auch für die PS4 erhältlich. Technisch wie inhaltlich ist diese Version mit den PC- und Xbox-One-Fassungen identisch. Die PS4-Fassung läuft butterweich, unterstützt Remote Play und ist nur als Download für 20 Euro erhältlich.
Update: Switch-Version erschienen
Am 26. Juni 2018 erschien Inside schließlich auch für die Nintendo Switch. Die Umsetzung ist inhaltlich identisch mit den anderen Fassungen und läuft auch im tragbaren Modus sehr flüssig. Grafisch sind nur minimale Unterschiede zu den anderen Versionen auszumachen, etwa bei einigen Schatten, die etwas gröber ausfallen. Auch sind selten leicht sichtbare Pixelkanten auszumachen. Beide Abstriche wirken sich nicht nennenswert auf Spielspaß oder Look aus, die Wertung bleibt darum identisch. Die Switch-Version kostet wie alle anderen Fassungen rund 20 Euro. Schön: Zeitgleich mit Inside wurde übrigens auch der geistige Vorgänger Limbo für Switch umgesetzt.
