Ich und du und alle die wir kennen

Test Susanne Backmund

Die Performance-Künstlerin Miranda July übernahm für ihr erstes Filmprojekt Drehbuch, Regie und die Hauptrolle

Die Straße vom Einkaufszentrum bis zum Parkplatz wird zum Symbol für eine Lebensetappe Die Straße vom Einkaufszentrum bis zum Parkplatz wird zum Symbol für eine Lebensetappe In Miranda Julys 2005 in Cannes preisgekröntem Erstlingswerk sieht der Zuschauer Menschen beim -- meist vergeblichen -- Versuch zu, mit anderen zu interagieren. July selbst spielt Christine, eine erfolglose Video-Künstlerin, die als Chauffeurin älterer Leute ihr Geld verdient und sich in den Schuhverkäufer Richard Swersey (John Hawkes, "Identität") verliebt. Richard muss nach der Trennung von seiner Frau mit seinen Söhnen Peter (Miles Thompson) und Robby (Brandon Ratcliff) umziehen. Dass Peter sich allmählich für Sex interessiert und Stunden in Internet-Chatrooms verbringt, fasziniert auch seinen kleinen Bruder Robby, der im Cyberspace eine Frau kennen lernt, die sich für seine kindlichen Fantasien begeistert.

Die Teenies aus der Nachbarschaft bereiten sich auf ihre ersten sexuellen Erfahrungen vor Die Teenies aus der Nachbarschaft bereiten sich auf ihre ersten sexuellen Erfahrungen vor Die neuen Nachbarn sind ziemlich merkwürdig. Während die zehnjährige Sylvie (Carlie Westerman) am liebsten ihre Aussteuertruhe mit Küchengeräten füllt, streiten die zwei pubertären Mädchen Heather (Natasha Slayton) und Rebecca (Najarra Townsend) darum, wer von ihnen die bessere Liebhaberin sei und philosophieren darüber, ob man das erste Mal nicht am besten mit jemandem erleben sollte, der einem nichts bedeutet -- dann könne man sich nicht blamieren.

Kommunikationsprobleme

Zwei deutsch untertitelte Interviews sorgen im Extra-Teil für zusätzliche Informationen. Außerdem finden sich zwei weitere July-Projekte. Im Kurzfilm "Haysha Royko" (3:47) wabern rosa und braune Farbfelder um einige in einer Wartehalle sitzenden Personen. Julys etwa vierzigminütige Performance "The Swan Tool" hatte 2001 beim Internationalen Filmfest in Rotterdam ihre Weltpremiere.

Fazit

Film-Check: Der eigenwillige Episodenfilm enthält einige originelle Ideen und bemerkenswerte Bilder. Wer Autorenfilme gut findet, dürfte auch Miranda Julys Erstling mögen. Ihre Hauptfigur der Träumerin Christine erinnert mit ihrer Art, sich selbst im Weg zu stehen, an den Amélie-Charakter, wobei es Julys Werk im Vergleich aber an Atmosphäre fehlt.Häufig merkt man den Szenen und Figuren überdeutlich Julys Hintergrund als Performancekünstlerin an. So geht durch die gewollt wirkende Exzentrik die Leichtigkeit verloren und die Charaktere wachsen dem Zuschauer nicht sonderlich ans Herz. Am eindrücklichsten füllt John Hawkes seine Rolle aus.
DVD-Fazit: Die Technik ist noch akzeptabel, die ungewöhnlichen Zugaben mit den Beiträgen der Multimedia-Künstlerin Miranda July lohnen einen Blick, auch wenn sich abgesehen von den Inter- views keine filmbezogenen Infos finden.

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