Elephant - Special Edition

Test

Gus Van Sants ("My Private Idahoe") zu Recht hoch gelobtes Drama schockiert und fesselt zugleich

Auf den ersten Blick scheint es ein ganz normaler Tag wie jeder andere an einer typischen Highschool irgendwo in Amerika zu werden. John (John Robinson) kommt wegen seines betrunkenen Vaters zu spät zur Schule, was ihm prompt Ärger einbringt. Eli (Elias McConnell) schießt für ein Schulprojekt noch ein paar Fotos, die er anschließend entwickeln will. Und für Brittany (Brittany Mountain), Jordan (Jordan Taylor) und Michelle (Kristen Hicks) besteht der Schulalltag aus Gesprächen über Jungs, Shoppen und ihren krankhaften Schlankheitswahn.

So folgen im Laufe des Films noch weitere Charaktere, in deren Leben man stets nur oberflächlich Einblick erhält, bevor sie wieder verschwinden. Für einige der kurz eingeführten Personen endet wie für viele ihrer namenlosen Kameraden das Leben an diesem Tag, als ohne Vorwarnung zwei Mitschüler das Feuer auf sie eröffnen.

Klasse Film, schwache DVD

Auch wenn es auf zunächst so scheinen mag: Hier handelt es sich nicht um eine dokumentarische Aufarbeitung des Columbine Highschool-Massakers in der US-Stadt Littleton von 1999, das damals die ganze Welt erschütterte.

Die Katastrophe diente van Sant lediglich als Grundidee für eine kompromisslose Gesellschaftskritik und Milieustudie. Die reduzierte Erzählweise, die ungewöhnliche visuelle Umsetzung und den Titel entlehnte er von Alan Clarkes Kurzfilm "Elephant". Dieses Werk des verstorbenen britischen TV-Filmers, der sich mit seinen künstlerisch-provokanten Werken einen Namen machte, findet sich ebenfalls auf der DVD. Wegen seiner extremen Gewaltdarstellung führte es zur höheren Einstufung seitens der FSK-Stelle. Gus Van Sants Film selbst ist "ab 16 Jahren".

Mehr über den Hauptfilm erfährt man in einem Interview, das in Gus Van Sants Haus in Portland, Oregon, geführt wurde, und bei dem er über seine Inspirationsquellen, die Dreharbeiten und seine Intentionen spricht (ohne dt. UT). Weiterhin findet sich ein Besuch am Set von "Elephant", der Filmtrailer sowie Previews zu "Hana-Bi", "Deep Blue" und "Theo gegen den Rest der Welt". FE n

Fazit

Film-Check: Der mit Laiendarstellern und Steadycam gedrehte, von Improvisation geprägte Streifen verfügt über keine eindeutigen Hauptfiguren. Niemals wird Stellung zu den Ereignissen bezogen, Ursachenforschung sucht man ebenfalls vergebens. Dennoch -- oder deswegen -- ein faszinierendes Werk, das mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet wurde.
DVD-Fazit: Subtiler, diskussionswürdiger Streifen, der das Geschehen für sich selbst sprechen lässt und an ein brisantes Thema auf ganz eigene Weise herangeht. Die Extras sind zwar nicht gerade reichhaltig ausgefallen, das Wenige ist aber eine gelungene Ergänzung. Die DVD zeigt den Hauptfilm nicht im Original-Format 1.33:1, wie es von Van Sant bewusst gewählt wurde.

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