Der kanadische Regisseur Denys Arcand filmte seine persönliche Idealvorstellung vom Sterben
Für "Die Invasion der Barbaren" standen Denys Arcand die gleichen Schauspieler zur Verfügung, mit denen er bereits bei "Der Untergang des amerikanischen Imperiums" 1986 gearbeitet hatte. Der Geschichtsprofessor, Sozialist und Frauenheld Rémy (Rémy Girard) ist wie seine intellektuellen Freunde, mit denen er einst über Sex und den Zustand der Welt diskutierte, inzwischen Mitte 50. Als er unheilbar erkrankt, übernehmen seine Ex-Frau und sein vermögender Sohn Sébastien (Stéphane Rousseau) ungeachtet aller Ressentiments die Verantwortung, Rémy das Sterben so angenehm wie möglich zu machen.
Nicht nur, dass neben Rémys Freunden auch seine Ex-Liebschaften eingeladen werden. Sébastien scheut obendrein nicht davor zurück, Heroin zu besorgen, um die Schmerzen seines Vaters zu lindern. Unterstützung findet Sébastien in der Drogenabhängigen Nathalie (Marie-Josée Croze).
Drehbuchautor und Regisseur Denys Arcand verweist anhand des Mikrokosmos eines Krankenzimmers in Montreal und der Probleme einiger weniger Personen auf den Verlauf der Weltgeschichte und die Schwierigkeiten einer ganzen Kultur. Der Filmtitel deutet an, was die Hauptfigur Rémy beklagt: "Die Invasion der Barbaren" beschränkt sich nicht auf vergangene Jahrhunderte.
Ein im Bonusmaterial der DVD zu findendes Statement des Regisseurs verdeutlicht diese These: Denys Arcand behauptet, das Sterben aller politischen Utopien führen zum Zerfall einer Kultur, die nun von Barbaren jeglicher Art heimgesucht würde. Er sieht den 11. September als Auftakt einer neuerlichen "Invasion der Barbaren", die das amerikanische Imperium im Herzen getroffen hätte, und als Symptom für den Untergang einer Kultur.
Darüber hinaus äußert er sich über Generationskonflikte, offene Filmenden sowie über die Entstehung und den teils recht derben Humor des Streifens. SB
