Jeder Mensch will länger leben, dies liegt in unserer Natur verankert. Aber wie weit würde man gehen, um das eigene Dahinscheiden hinauszuzögern? Michael Bay stellt in seinem neusten Großprojekt genau diese Frage. Wenn wir uns klonen könnten, würden wir es tun?
Vielleicht liegt es ja an Ewan McGregor, der hier zwar sein Schauspieltalent erneut eindrucksvoll unter Beweis stellt, gut in seine Rolle passt und mit Leinwandpartnerin Scarlett Johansson auch perfekt harmoniert, doch eben nicht die Zugkraft eines Tom Cruise besitzt. Oder aber es ist ein Wink des Schicksals in Richtung "Never change a winning Team"? Immerhin ist "Die Insel" Bays erster Film, den er ohne die Mithilfe von Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer gedreht hat, da der für inhaltslose und zumeist auch recht patriotische Actionkost bekannte Regisseur nach eigener Aussage einfach mal etwas Neues ausprobieren wollte.
Ungewohnter Start
Neues lässt sich für einen Michael-Bay-Film hier durchaus entdecken, nämlich der Versuch, Spektakel mit Anspruch zu verbinden. So nimmt sich Bay im ersten Filmdrittel Zeit, um den Zuschauer in ein durchweg interessantes, zugleich diskussionswürdiges Science-Fiction-Setting zu entführen und dabei grundlegende moralische Fragen über Leben und Tod aufzuwerfen, ehe diese dann leider wieder vermehrt in den Hintergrund rücken und Bay zu den für ihn so typischen Motiven zurückkehrt; sprich: ausufernde Stunt-Einlagen mit reichlich Pyrotechnik, Trickeffekten und Zeitlupeneinstellungen.
Topmoderne Helikopter, fliegende Jet-Bikes und sündhaft teure Edelkarossen -- der Regisseur fährt allerlei schwere Geschütze auf, um die Herzen des jugendlichen Zielpublikums höher schlagen zu lassen. Vor allem aber verschlägt es einem bei der Verfolgungsjagd auf einem viel befahrenen Freeway die Sprache, auch wenn es sich hierbei streng genommen nur um eine Wiederholung der selbigen Szene aus "Bad Boys II" handelt. Und dennoch: Zerstörung und Chaos können nur wenige Filmemacher so cool und furios inszenieren wie Michael Bay.
Traurige Konsequenz?
Ob die DVD nur wegen des schlechten Abschneidens des Films an den Kinokassen kaum Bonusmaterial zu bieten hat, ist zwar fraglich, aber durchaus denkbar. Nicht selten hat ein mieses Einspiel auch einen verminderten Aufwand bei der DVD-Umsetzung zur Folge. "Die Insel" wäre jedenfalls ein Paradebeispiel für diese These, denn es hat sich gerade mal ein 15-minütiges Making of auf die Disc verirrt. Darin sprechen Michael Bay, Produktionsdesigner Nigel Phelps und Ausstatterin Rosemary Brandenburg über das gigantische Set des Merrick Biotech-Komplexes, das im riesigsten Filmstudio des Großraums Los Angeles errichtet wurde. Die Bauzeit der Kulissen, welche die beiden größten Hallen des 32 Hektar großen, ehemaligen Nasa-/Boeing-Betriebsgelände füllten, betrug fünf Monate.
