Die Geisha

Test

Schöne Schmonzette: Auf Hochglanz polierte, opulente Bestsellerverfilmung, der man ihre Defizite nicht allzu übel nimmt

Zu den bekanntesten Phänomenen japanischer Kultur und Lebensweise gehören neben Sushi und Mangas auch die Geishas. Wie hoch das Interesse an ihrer exotischen Erscheinung ist, belegt der Erfolg des von Arthur Golden verfassten Buches "Die Geisha", das nach seiner Veröffentlichung 1997 die Bestsellerlisten der Welt erklomm und für den Film als Vorlage diente.

Eigentlich wollte Steven Spielberg die Leinwand-Version selbst inszenieren, zog sich dann aber auf den Produzentenposten zurück. "Oscar"-Kandidat Rob Marshall ("Chicago") übernahm die Regie, bediente mit einem geschätzten Budget von über 85 Millionen viele Klischeevorstellungen der westlichen Zuschauer und konnte sich mit seiner Crew schließlich über drei "Oscars" für Kostüme, Kamera und Kulissen freuen.

Melodramatisches Märchen

Der Film beginnt 1929. Als die Waise Sayuri (Ziyi Zhang) die Welt der Geishas kennen lernt, wird ihr klar, dass sie als eine dieser traditionellen Unterhaltungskünstlerinnen weder über ihr Leben noch ihre Liebe selbst bestimmen darf. Unterrichtet wird sie von Mameha (Michelle Yeoh), die Sayuri einschärft, dass es in der Beziehung zu einem Gönner Grenzen gibt. Im Gegensatz zu ihrer rebellischen Rivalin Hatsumomo (Gong Li) weiß Mameha, dass es sich keine Geisha leisten kann, ihrer Leidenschaft für einen Mann nachzugeben.

Hanamachi in Hollywood

Dass die weiblichen Hauptrollen nicht mit japanischen, sondern chinesischen Stars besetzt wurden, störte übrigens nicht nur Nippon, sondern auch die Volksrepublik: In China wurde das Werk von den Zensoren verboten. Von solch kritischen Tönen ist im Bonusmaterial der DVD allerdings nichts zu finden. Vier deutsch untertitelte Dokumentationen haben neben einigem Eigenlob auch Interessantes zu bieten. "Das Geisha-Trainingslager" zeigt, wie Liza Dalby, die in Kyoto als erste Ausländerin den Beruf der Geisha erlernte, den Darstellerinnen in sechs Wochen die Grundlagen vermittelte.

"Der Geisha-Look" verrät, dass das Aussehen der Film-Geishas in einigen Punkten abgewandelt wurde: So ließ man Augen und Lippen größer und die Hüften schmaler wirken. "Die Entstehung der Hanamachi" vollzieht nach, wie unter Leitung des Produktions-Designers John Myhre 175 Mitarbeiter in nur 3,5 Monaten eine ganze Stadt aus dem Boden stampften, die so naturgetreu wie möglich wirken sollte.

Musikinteressierte freuen sich über den Punkt "Die Musik". Hier kommen u.a. Cellist Yo-Yo Ma und Violinist Itzhak Perlman zu ihrer Zusammenarbeit mit Komponist John Williams zu Wort. SB n

Fazit

Film-Check: Der Film verliert sich über weite Strecken in der rein dekorativen Bebilderung der Geschichte und bleibt dadurch allzu sehr an der Oberfläche. Das Bild der Geishas wird von einer verklärenden Romantik überlagert, die Tragik wirkt sehr vordergründig. Weder die politischen noch die psychologischen Komponenten der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckenden Geschichte bekommen eine adäquate Chance zur Entfaltung.Darüber trösten die üppige Optik, schönen Aufnahmen und attraktiven Darstellerinnen hinweg. So sind es dann auch in allererster Linie die Schauspielerinnen und die opulente Ausstattung, die den Film sehenswert machen.
DVD-Fazit: Das Bild der DVD bringt die wunderbaren Aufnahmen beinahe fehlerfrei ins Heimkino. Der 5.1-Mix ist ebenfalls eine Freude. Die Special Features sind zwar weniger umfangreich als bei der US-Version, inhaltlich aber ergiebig.

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