Deutschland. Ein Sommermärchen

Test Patrick Köllner

Im Sommer 2006 war Deutschland für kurze Zeit das schönste Land der Welt. Und das lag nicht nur am Wetter

Deutschland. Ein Sommermärchen Mit der ihm eigenen Bescheidenheit wies der große Humorist Ephraim Kishon einmal darauf hin, dass er einige Erfolge vorzuweisen habe. Dazu zählten erfolgreiche Bücher, Filme und Theaterstü- cke, für die er Preise und Auszeichnungen erhielt. Sogar ein persönliches Schreiben von Golda Meir, der ersten israelischen Ministerpräsidentin, sei in seinem Besitz. Nichts von alledem habe ihm aber auch nur den Bruchteil jener ekstatischen Beseligung vermittelt, die eintrete, wenn ein Ball im Tor des Gegners lande.

David Odonkor zeigt in Stuttgart Flagge David Odonkor zeigt in Stuttgart Flagge Genau so ist es. Als am 09. Juni 2006 in München die 18. Fußballweltmeisterschaft mit einem mitreißenden 4:2-Sieg der deutschen Elf gegen Costa Rica begann, wich der von uns Deutschen in allen Lebenslagen so gern angewendete Zweckpessimismus allmählich einem kollektiven Freudentaumel, in den wir die vielen Gäste aus dem Ausland einbezogen.

Kein schöner Land

Michael Ballack und Masseur Adi Katzenmeier Michael Ballack und Masseur Adi Katzenmeier Mittendrin statt nur dabei war Sönke Wortmann. Nach dem Vorbild der französischen Doku "Les yeux dans les Bleus" (1998) begleitete der erfolgreiche Filmemacher Jürgen Klinsmann und sein Team während des gesamten Turniers mit einer Videokamera. Dabei fing Wortmann Bilder ein, die Fußballfans zuvor noch nie zu sehen bekamen. Wir begleiten die Mannschaft schon während der Vorbereitung auf Sardinien und in Genf, erleben den Besuch von Kanzlerin Merkel im Berliner Schlosshotel Grunewald, sind bei Siegen gegen Schweden und Argentinien himmelhoch jauchzend und nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien zu Tode betrübt. Trotzdem nehmen wir zusammen mit 700.000 Menschen glücklich Abschied am Brandenburger Tor.

Nachspielzeit

Jürgen Klinsmann stimmt sein Team ein Jürgen Klinsmann stimmt sein Team ein Vor Kinostart am 05. Oktober 2006 befürchteten mehrere Betreiber, dass der für Dezember angesetzte DVD-Release für Zuschauerschwund sorgen könnte. Weit gefehlt. Sogar der TV-Termin im Dezember hielt knapp vier Millionen Deutsche nicht davon ab, in die Säle zu strömen. Kinowelt verschob den Erscheinungstermin der Disc jedenfalls in den Februar.

Deutschland. Ein Sommermärchen DVD 1 des 2er-Sets enthält einen Kommentar von Wortmann und Sebastian Schweinsteiger, Fitness-Tipps, einen Spot für Südafrika und sieben DVD-Trailer. Die Bonus-Disc hält 22 sehenswerte zusätzliche Szenen mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 105 Minuten, eine Pressekonferenz mit Wortmann und eine dreiteilige Featurette zur Premiere in Berlin parat.

Fazit

Film-Check: Die WM 2006 gilt einhellig als das schönste Fußballturnier aller Zeiten. Maßgeblich dazu beigetragen haben erstaunlicherweise wir Deutschen selbst. Mit kindlicher Freude und südländischem Temperament haben wir nicht nur uns selbst überrascht, sondern der Welt gezeigt, wie lustig und nett wir sein können. Die Bilder der Fanmeilen weckten in England sogar das Interesse an Deutschlandreisen.Die Stimmung im Land und die Begeisterung der Menschen vermittelt der Film aber nur peripher. Bei einem Ereignis, das selbst die härtesten Kerle zu Tränen rührt, wären etwas mehr Emotionen durchaus erlaubt gewesen. Sehenswert, aber viel zu objektiv.
DVD-Fazit: Dass man an mit Camcordern gefilmte Dokumentationen audiovisuell keine Referenz-Ansprüche stellt, versteht sich fast von selbst. So sind Bild und Ton längst nicht so überragend wie das gelungene Bonusmaterial.

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