Deutscher Computerspielpreis 2011 - Who cares? - Leser-Special von balthier9999

Special balthier9999

Hat ihn überhaupt jemand bemerkt? Am Mittwochabend wurde der dritte Deutsche Computerspiel verliehen. Das Desinteresse vieler Spieler ist aber völlig verständlich:

Nach dem Fiasko im Jahr 2010 war den Spielern und der Fachpresse klar: Der Deutsche Computerspielpreis hat seinen Namen nicht verdient. Der in der Vereinbarung zur Vergabe des Preises vorgebrachte pädagogische Wert ist kein Kriterium, sondern Voraussetzung für die Vergabe der insgesamt 385 000 Euro aus Industrie und Steuergeldern. Damit verliert der Preis aber selbst an Wert; zum Zweck der Pädagogik ist der Titel Computerspielpreis jedenfalls ungeeignet und sollte daher umgestaltet werden, z.B. in einen 'Deutschen Preis für pädagogische Computerspiele' oder 'Deutscher Kinderspielepreis'. Wie unbedeutend der Preis für die deutsche Spielekultur ist, lässt sich an den Preisträgern 2011 festmachen:

• Bestes Jugendspiel: A New Beginning
• Bestes Kinderspiel: The Kore Gang
• Bestes Mobiles Spiel: Galaxy on Fire 2
• Bestes Serious Game: Energetika
• Bestes Browsergame: Die Siedler Online
• Bestes Konzept aus Nachwuchswettbewerb: Tiny & Big - Grandpa's Leftover

Immerhin wurde dieses Jahr versucht, ein paar erwachsene Spieler anzusprechen, indem man zeitgleich den LARA-Arward verlieh. Doch auch hier ist die Auswahl der Gewinner eher fragwürdig:

• Bestes Internationales Computerspiel: Star Craft II: Wings of Liberty
• Bestes Internationale Konsolenspiel: Assassin's Creed: Brotherhood
• Bestes Internationales Mobiles Spiel: World of Goo
• LARA of Honour: Yves Guillemo

Sofern der Preis seinen Namen behalten möchte, sollte er grundlegend umgestaltet werden. Die bisherige Jury bestand aus Vertretern der Politik, Medienwissenschaft, Pädagogik und Jugendschutz, hinzu kommen Mitglieder der Wirtschaft und Fachpresse. Für einen Preis, der tatsächlich den kulturellen Wert der Spiele misst und damit ihre kulturelle Bedeutung anerkennt, wäre eine Jury aus Game Designern, Künstlern und professionellen Journalisten ohne staatliche Vertreter wesentlich geeigneter. Aber als ein zum Teil staatlich dotierter Preis dürfte derlei Denken wohl den Träumen vorbehalten bleiben. Indessen spiegelt die offizielle Website des Preises dessen aktuelle Situation auf ironische Art sehr gut wider: Auf der Homepage findet man einen Banner, auf dem groß geschrieben steht: "Am 31. März 2009 stehen sie fest: Die Ersten, die Besten!"

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