Eine düstere Zukunft für die Menschheit, aber eine super Gegenwart für Rollenspielfans: Deus Ex: Mankind Divided hat den Hit-Status verdient!
So viel Freiheit fühlt sich im ersten Moment ungewohnt an. Deus Ex: Mankind Divided mag kein klassisches Open World-Spiel sein, dennoch wirkt das virtuelle Prag weitläufig und lädt zum Erforschen ein. Statt enger Levelkorridore erstreckt sich ein weitverzweigtes Netz aus sich überkreuzenden Wegen, Abkürzungen und Geheimrouten durch die Stadt. Zwischen den unterschiedlichen Arealen reist man mit Hilfe der U-Bahn hin und her, ansonsten muss man keine Ladezeiten ertragen.
Quelle: Games Aktuell
Neonhölle:
Die künstliche Beleuchtung im Ghetto Golem City ist ein echter Augenschmaus. Viele versteckte Schleichwege laden zum Herumschnüffeln ein. (PS4)
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Stoiker:
Jensens Pokerface bleibt bestehen, auch wenn das Gegenüber ausrastet. Persönlichkeit und Gemüt der Dame erkennen wir dank Augmentation. (PS4)
Das Leveldesign ist nicht nur hervorragend mit den unterschiedlichen Augmentierungen von Held Jensen verzahnt, die Gestaltung der Innen- und Außenräume fällt zudem sehr überzeugend aus. Statt den in Spielen häufig anzutreffenden, austauschbaren Appartements mit unlogischem oder gar unmöglichen Aufbau (zum Beispiel in Mirror's Edge: Catalyst), wirken die Gebäude in Mankind Divided realistisch und als ob dort tatsächlich Menschen leben und arbeiten. Viele der Wohnungen kann man betreten, entweder, indem man sich Schleichwege durch Schächte sucht, über Balkons klettert oder das Türschloss hackt. Appartements gleichen sich lediglich im Aufbau, die individuelle Einrichtung verrät sofort, ob dort ein stets besoffener Partylöwe haust, ein Junkie oder eine einsame Katzen-Lady.
Nicht nur die Bewegungsfreiheit überzeugt, auch bei der Vorgehensweise habt ihr jede Menge Optionen. Mit roher Gewalt oder leise wie ein Schatten? Anders als zuvor begünstigt Mankind Divided nicht mehr eine bestimmte Vorgehensweise, für beide Spielstile bekommt ihr vergleichbar viele Erfahrungspunkte gutgeschrieben. Mit deren Hilfe leistet ihr euch Verbesserungen für euren größtenteils mechanischen Körper, die Augmentierungen genannt werden. Da gibt es neue Optionen wie die Teslaspulen, die Feinde unter Strom setzen, aber nur betäuben. Oder die bekannten versteckten Armklingen, mit denen man Widersacher leise und schnell ausschaltet.
Es ist zumal wieder möglich, das Spiel abzuschließen, ohne auch nur einen einzigen Gegner umzubringen. Denn auch durch wohlüberlegte Wortwahl vermag Jensen, gewisse Klippen zu umschiffen - dabei hilft unter anderem eine Augmentierung, die den Charakter des Gegenübers analysiert.
Nicht akzeptiert
Einerseits helfen die zahlreichen mechanischen Teile Jensen beim Erreichen seiner Ziele. Andererseits machen ihn diese Verbesserungen zu einem Ausgestoßenen. Mankind Divided beschäftigt sich mit der Spaltung der Gesellschaft, nachdem die Augmentierten am Ende des Vorgängers Deus Ex: Human Revolution wegen eines geheimnisvollen Signals Amok liefen. Aus diesem Grund gelten sie nun als gefährliche Unruhestifter, die von der Polizei gegängelt werden, die weniger Rechte haben als die sogenannten Naturals und die in Ghettos gedrängt in Armut und Not leben und leiden.
Die Parallelen zu historischen Geschehnissen sind nicht zu übersehen, und auch wenn die Gleichstellung von Augs und tatsächlich unterdrückten Menschengruppen in der Vergangenheit logisch nicht ganz einwandfrei ist, bemüht sich Mankind Divided, ein facettenreiches und damit recht überzeugendes Bild der Zivilisationskrise zu zeichnen. Die Atmosphäre in Prag und in Golem City ist, passend zum Cyberpunk-Setting, dystopisch und bedrückend, mit Polizeisperren, Aug-Kontrollstationen, korrupten Cops und patroullierenden Drohnen an jeder Ecke.
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Auge in Auge:
Nach wie vor ist das Schleichen ein wichtiges Element im Spiel. Viele Situationen kann man aber auch mit roher Gewalt lösen - auch das macht Spaß. (PC)
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Da ragt was raus:
Wachroboter und Drohnen sollte man immer im Auge behalten. Oder man sucht sich einen Rechner im Sicherheitszentrum und schaltet die Feinde einfach ab. (PC)
Den Vorgänger und die älteren Teile der Serie muss man nicht kennen, um in Mankind Divided einsteigen zu können. Dafür sorgt das ausführliche Intro-Video, das alle wichtigen Ereignissen zusammenfasst und Jensen als Charakter etabliert. Wer Human Revolution gespielt hat, der hat aber selbstverständlich ein besseres Verständnis der Situation im Jahr 2029.
Nicht vernünftig
Die Vielschichtigkeit von Umgebung und Spielprinzip wird widergespiegelt in den Massen Items, die man finden und nutzen kann. Das klassische Inventar mit Raster, in dem die verschieden großen Gegenstände gelagert werden, kann man erweitern und mit zig Arten Munition, Heilmitteln, Alkohol, Waffen und mehr vollstopfen.
Auch Passwörter und Dokumente, die man oft beim Durchstöbern der Umgebung findet, kann man sich im Menü ein weiteres Mal ansehen. Sollte man die Kombination oder das Kennwort für einen gesperrten Rechner oder ein Schloss bereits gefunden haben, wird die Lösung zudem eingeblendet. Oftmals lassen die Bewohner von Prag unbedarft PDAs mit sensiblen Daten einfach herumliegen, oder sie verschicken unverschlüsselte Mails mit den Zugangsdaten für geheime Lagerräume - das wirkt manchmal reichlich unrealistisch, manchmal aber auch amüsant.
Auch ohne Passcode kann sich Jensen durch Hacking Zugang zu Safes oder Festplatten verschaffen. Das Minispiel ist recht unterhaltsam, wenn auch nicht sonderlich anspruchsvoll. Nach und nach nimmt man Knotenpunkte ein, bis man den Hauptspeicher erreicht hat. Das sollte möglichst geschehen, bevor die Firewall den Zugriff blockiert.
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Gehacktes:
Unser Ziel ist es, den Speicher rechts in grün zu übernehmen. Doch die Firewall in rot streckt bereits ihre Fühler aus. Wir müssen uns beeilen! (PS4)
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Fang!
Gegner kann man mit Objekten bewerfen - je schwerer der Gegenstand, desto besser. Der Polizist im Exo-Suit zeigt sich unbeeindruckt von dieser kleinen Kiste. (PS4)
Als Hilfsmittel dienen Items, die zum Beispiel die Dauer, die man benötigt, um einen Knotenpunkt zu hacken, reduzieren. Bei einem Fehlschlag wird der Zugangsbildschirm für kurze Zeit gesperrt - nach ein bisschen Wartezeit kann man ungehindert ein weiteres Mal den Einbruch versuchen. Nur gelegentlich taucht die Polizei auf, etwa, wenn man in einer Wohnung mit Schutz-KI einsteigt und beim ersten Versuch, diese abzuschalten, versagt.
Die Polizei ist ohnehin nicht gerade Freund und Helfer: als Augmentierter wird Jensen regelmäßig von den Ordnungshütern kontrolliert und an einigen Stellen sogar am Durchgang gehindert, wenn man nicht entsprechende Papiere vorzeigen kann - oder das Portmonée weit öffnet.
Die Nebenfiguren wirken - ebenso Jensen - nicht unbedingt sympathisch, aber meistens überzeugend. Auch deren KI funktioniert in einem Großteil der Fälle ordentlich, ohne euch auf unfairem Wege das Leben schwer zu machen. Wenn ihr vor einer Meute Polizisten flieht, werden bislang unbeteiligte Cops nicht sofort damit anfangen, auf euch zu feuern - schließlich wissen sie nicht, dass ihr der gesuchte Verbrecher seid.
Wer ohne die passenden Augmentierungen und Vorsicht in den Kugelhagel taucht, der haucht auch auf dem normalen Schwierigkeitsgrad rasch das Leben aus. Umsichtiges Spielen wird auch in Hinblick auf die vielen verborgenen Extras und optionalen Gebiete belohnt. Bis zu 40 Stunden ist man beschäftigt, wenn man sich die Zeit zum Entdecken nimmt; etwa die Hälfte davon wird fällig, wenn man sich nur der Hauptmission widmet.
Nach dem ersten Durchgang darf man im Modus New Game Plus ein weiteres Mal loslegen, angesichts der Entscheidungsmöglichkeiten im Spiel wird das sicher den einen oder anderen reizen. Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Story ist dabei Jensens Dasein als Doppelagent, der beiden Parteien nicht vollkommen vertraut. Aktionen und Reaktionen des Helden wirken sich nicht so stark auf die Handlung aus, wie man angesichts der Konflikte vermuten könnte.
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Miesmacher:
Adam Jensen wirkt unnahbar und missmutig. Interpol schickt ihn deshalb zu einer Psychologin. Ob sie sich an Jensen die Zähne ausbeißt, entscheidet ihr. (PC)
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Panorama:
Schon das Tutorial bezaubert mit tollen Aussichten und schönen Lichteffekten. Ein Traum! (PC)
Das facettenreiche Spielprinzip trägt, wenn man sich in einem zweiten Durchgang für eine andere Vorgehensweise entscheidet, deutlich mehr zu einer unterhaltsamen Reprise bei als die Erzählung an sich. Zumal das Ende recht unbefriedigend daherkommt und man Mankind Divided anmerkt, dass es den Mittelpart einer Trilogie darstellt. So richtig abgeschlossen wird die Story erst mit dem nächsten Spiel - auf das man eventuell erneut fünf Jahre warten muss.
Vergleicht man Mankind Divided mit dem Vorgänger Human Revolution, erkennt man unzählige technische Verbesserungen im neuen Werk. Nicht nur ist der Gelbfilter gewichen, die Lichteffekte wurden verbessert, der Detailgrad ist höher, die Menge an herumliegenden Objekten ist gestiegen - diese reagieren physikalisch auf Beschuss, werfen kann man den meisten Krempel ebenfalls (mit passender Augmentierung auch große Objekte).
Nicht perfekt
Ähnlich wie in Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain wurde bei Deus Ex: Mankind Divided die zuvor als hakelig bekannte Steuerung überarbeitet und verbessert. Jensen duckt sich hinter Kisten, schlittert von Deckung zu Deckung. Unterstützt wird die Fortbewegung durch unterschiedliche Augmentierungen, mit deren Hilfe man unter anderem höher gelegene Orte erreicht.
Das Gunplay fühlt sich überzeugender an als je zuvor, Waffen verfügen über glaubhaftes Feedback und können ebenfalls an die eigenen Vorlieben angepasst werden - etwa mit Schalldämpfern, Zielfernrohr und Giftmunition. Solche Objekte kann man einerseits kaufen, andererseits aber auch selbst herstellen. Thema kaufen: Geldprobleme hat man zu so gut wie keinem Zeitpunkt im Spiel, denn die meisten Ausrüstungsgegenstände findet man ohnehin in der Umgebung.
Ein paar Kleinigkeiten stören den sehr guten Eindruck, den die düstere Zukunftsvision spielerisch und technisch macht. So geht einem das ständige Geplärre der überall laufenden Fernseher rasch auf die Nerven, und dass es gar keine Repressionen gibt, wenn man die Aus- und Eingänge für Naturals benutzt, wirkt unrealistisch.
Quelle: Games Aktuell
Flammender Engel:
Durch die Ikarus-Augmentierung hinterlasst ihr wortwörtlich Eindruck bei der Landung! (PC)
Diverse kleine, wenn auch nicht überaus schlimme Bugs lassen sich bei einem so großen Rollenspiel nicht ganz vermeiden. Anders als bei typischen Open-World-RPGs sind die meisten herumstehenden NPCS nur Staffage, mit denen man keine Unterhaltungen führen kann; einen richtigen Tagesablauf haben die Pixelmenschen auch nicht.
Unfreiwillig komisch sind die Soundeffekte, wenn man Gegner unter Strom setzt oder mit einem Betäubungschuss lähmt. Theatralisch gehen sie zu Boden und stoßen rhythmische Seufzer oder Schreie aus. Die deutsche Synchronisation ist davon abgesehen gut gelungen, auch wenn an vielen Stellen die Lippenanimationen nicht zum Sprechertext passen. Auf Englisch klingen die gut geschriebenen Dialoge auf jeden Fall noch besser.
Keine Experimente, sondern zielgerichtete Verbesserungen machen Mankind Divided zu einem sehr guten Vertreter des modernen Rollenspiels. Gerade die Wechselwirkung zwischen den vielen unterschiedlichen Augmentierungen und dem tollen Leveldesign sorgen für ein facettenreiches, spaßiges Spielgefühl. Setting und Story leiden durch kleine Brüche in Sachen Glaubhaftigkeit, das Ende lässt einen zudem mit offenen Fragen zurück. Nichtsdestotrotz ist Deus Ex: Mankind Divided auf jeden Fall eines der Rollenspiel-Highlights des Jahres.
Entwickler: Eidos | Hersteller: Square Enix | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 18
Der Breach-Modus: ein Spiel im Spiel
Quelle: Games Aktuell
Eingebrochen:
Als Breach wird unter anderem ein Einbruch bezeichnet, zum Beispiel in Firmennetzwerke. Ein passender Name für den Zusatzmodus. (PC)
Gänzlich losgelöst von der Hauptstory existiert der Breach-Modus, bei dem ihr in Firmennetzwerke eindringen müsst - Mikrotransaktionen inklusive.
In den kleinen, flotten Missionen infiltriert ihr das Intranet von Konzernen und stellt euch den humanoiden Schutzprogrammen aus der Ego-Ansicht. Als Belohnung lest ihr geheime Dokumente der Konzerne und erhaltet Verbesserungen für euren Hacker-Charakter. Der Schwierigkeitsgrad steigt rasch an, wer weder über die Geduld noch das Können verfügt, erkauft sich mit Echtgeldeinsatz Vorteile. Breach ist nicht mehr als eine nette Dreingabe, aber kompetitive Spieler finden vielleicht Freude daran, ihre Speedrun-Ergebnisse mit denen anderer Spieler per Highscore-Liste zu vergleichen. Die erreichte Punktzahl dient gleichzeitig als Währung, um neue Talente freizuschalten. Breach benötigt, anders als die Hauptstory rund um Adam Jensen, wegen der Highscore-Listen eine dauerhafte Verbindung mit dem Internet.
