Comandante

Test

Oliver Stone fühlte dem kubanischen Staatschef Fidel Castro drei Tage lang auf den Zahn

Comandante Obwohl er neulich bei einer Verkehrskontrolle in Hollywood mit Alkohol und Drogen am Steuer erwischt wurde, gilt Oliver Stone immer noch als politisches Gewissen Hollywoods. Der dreifache "Oscar"-Gewinner verpackt seine Botschaften gern in hochkarätig besetzte Hochglanz-Epen, mit denen er seinen Landsleuten den Spiegel vor die Nase hält. Ob Medien ("Natural Born Killers"), kalte Krieger ("Nixon") oder seine Militärzeit ("Platoon") -- wenn Oliver Stone etwas nicht passt, macht er einen Film darüber.

Zwischen dem Football-Drama "An jedem verdammten Sonntag" (1999) und "Alexander" (2004) nutzte der Regisseur die Zeit für die Dokus "Looking for Fidel" (2004) sowie "Persona non grata" und "Comandante" (beide 2003). Letztere erscheint nun auf einer DVD von Universum.

Im Februar 2002 gewährte Kubas kommunistischer Revolutionsführer dem Filmemacher drei Tage, um trotz eines stets prall gefüllten Terminkalenders vor laufenden Kameras Rede und Antwort zu stehen. Insgesamt kamen auf diese Weise über 30 Stunden an Material zusammen, aus dem Stone auswählen konnte. Der damals immerhin schon 75-jährige Castro hatte dabei die Möglichkeit, die Aufnahmen zu unterbrechen oder zu beenden. Erstaunlicherweise tat er das nicht.

Charakterkopf

Stone begleitet Castro in dessen Büro, bei Besuchen an einer Schule oder in einem Museum. Von der Idee seiner Revolution vollkommen überzeugt, geht der Diktator auch kritischen Fragen nach freien Wahlen oder einer McDonald's-Filiale auf der Insel nicht aus dem Weg und versucht -- ganz nach seiner Lebens-Maxime -- durch logische Argumente zu überzeugen.

Übrigens erfährt man auch, warum Castro seinen Bart so lang trägt: Der Staatschef behauptet, durch Nicht-Rasur Monate an Zeit zu gewinnen. Eine der wichtigsten Fragen stellt Stone allerdings nicht: Wie schlimm muss das Leben auf Kuba für viele Menschen sein, wenn sie bereitwillig ihr Leben riskieren, um auf selbstgebastelten Flößen die Flucht in Richtung Florida anzutreten? PK n

Fazit

Film-Check: Im Weißen Haus wird man diese erstaunliche Nahaufnahme des erklärten Klassenfeindes vor der eigenen Haustür mit Akribie analysiert haben. Der verblüffend vitale Castro hat zu jeder Frage die passende Antwort parat, und unterstützt Stone bei dessen in "JFK" aufgestellter Theorie über das Kennedy- Attentat. Eine sehenswerte Geschichtsstunde.
DVD-Fazit: Fidel Castro ist nicht nur eine zu Lebzeiten zur Legende gewordene Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts, er gehört gleichzeitig zu den umstrittensten politischen Führern der Welt. Mit dieser DVD kommt man dem unermüdlichen Idealisten näher als mit jeder nur erdenklichen Alternative. Die Disc wurde außerdem absolut ausreichend umgesetzt.

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