Brigade E5

Test

Wenn das Nachladen die Nerven kitzelt: Dieses Taktikspiel inszeniert dramatische Feuergefechte in Zeitlupe, Echtzeit oder rundenweise. Jagged Alliance 2 stand Pate!

Brigade E5 Echtzeit-Strategen sind Weicheier! Ziehen einfach einen Rahmen um ihre Infanteristen, klicken irgendwohin -- und schon trotten die Soldaten los. Wenn sie einen Feind sehen, schießen sie selbstständig drauf. Und wenn sie tot umfallen, »produziert« der Echtzeit-Stratege halt ein paar neue Truppen.

Runden-Taktiker sind cool! Kümmern sich um ihre Schutzbefohlenen. Halten das Spiel an, analysieren die Lage, geben detaillierte Befehle: liegend seitlich abrollen, Feuerstoß, zurückrollen, nachladen, Granate zücken, aufrichten, schleudern.

Wie in Brigade E5. Das lebt von diesen spannenden Feuergefechten, die sich ihre Söldner Millisekunde für Millisekunde mit dem Gegner liefern. Wenn Sie wollen. Denn Sie können die Duelle auch in Weichei-Echtzeit spielen. Oder festlegen, wann Sie pausieren und neue Befehle erteilen wollen, etwas bei Feindsichtung, kritischen Treffern, Zielwechseln.

Pistolero in Palimero

Brigade E5, das ist ein Taktikspiel rund um den fiktiven Kleinstaat Palimero. Hier gibt's drei Fraktionen -- Militärs, Revoluzzer und Schmuggler. Und dazwischen Sie. Zu Spielbeginn schaffen Sie sich ein Alter Ego: brachialer Einzelkämpfer, filigraner Scharfschütze, Meisterdieb, eine Kombination aus allen. Diese Auswahl läuft über einen Psychotest, aus dessen Ergebnis automatisch Ihr Charakterprofil entsteht. Kommt Ihnen bekannt vor? Dann kennen Sie vermutlich Jagged Alliance 2, das große Vorbild von Brigade E5 -- deshalb auch sein Untertitel New Jagged Union. Zusammen mit einer Handvoll russischer Fans hat einer der Jagged Alliance-Entwickler dieses Fanprojekt gestemmt.

Anfangs ist Ihr Kämpfer spärlich ausgerüstet. Eine Pistole, etwas Munition, ein kaputtes Sturmgewehr. Später heuern Sie weitere Söldner an, die Ausrüstung mitbringen. Über 80 Waffentypen gibt's zu kaufen oder zu erbeuten, mit echten Feuerwerten, Magazingrößen, Nachladezeiten. Aufrüstbar mit Zielfernrohr, Laserpointer, Zweibein. Ein El Dorado für Waffennarren! Doch bis Sie mit Präzisionsgewehr und Raketenwerfer losziehen, müssen Sie sehr, sehr lange kleine Brötchen backen.

Hässliche Wändlein

Das Land Palimero hat mehrere Kleinstädte, einen Flughafen, Dörfer. Wenn Sie Ihren Trupp über eine hässliche, strategische Landkarte bewegen, entdecken Sie diese speziellen Quadranten nach und nach. Wie Ihre Leute vorrücken sollen, legen Sie genau fest: Schnurstracks die Straßen lang -- das geht schnell, aber sie werden leichter von marodierenden Trupps entdeckt und in ein Zufallsgefecht verwickelt? Oder lieber durchs Unterholz -- was sicherer, aber ermüdender und langwieriger ist?

Wenn Ihr Kommando ein Dorf erreicht oder auf Gegner trifft, schaltet das Spiel auf eine Nahansicht. Die können Sie drehen, kippen, zoomen -- was nichts daran ändert, dass die Optik nur hässlich ist. Graue Mauern treffen auf braunen Boden, die Texturen sind Torturen. Ganz übel wird's in Gebäuden: Unsere Recken laufen durch leere Zimmerfluchten, in denen Auftraggeber oder Gegner hausen.

Rauschende Colts

Aufträge gibt's jede Menge: vom Botengang (Sohnemann des Bürgermeisters aus dem Knast freikaufen) über Sammelaufträge (zwölf Flaschen Wein erbeuten) bis hin zu Kopfgeldjägerjobs. Alles ganz witzig, aber lahm inszeniert, mit drögen Textfenstern.

Klingt langweilig, ist es auch. Doch sobald Fotos, Wein oder Kopf geliefert sind und wir unser Geld kassieren, setzt zuerst der Kaufrausch ein: Im Laden holen wir uns Helme, Panzerwesten, bessere Waffen. Dann der Kampfrausch: Beim nächsten Gefecht ist das öde Rumgelaufe schlagartig verziehen. Runden-Taktiker sind schließlich kein Weicheier.

Martin Deppe

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