Die Geschichte der Konsolenhersteller: Sony (Teil 3)

Special Simon Fistrich

Heute stellen wir Euch die Top Five der Sony-Spiele vor. Und den PlayStation-Papa Ken Kutaragi.

Der PlayStation-Vater: Ken Kutaragi

Ken Kutaragi Ken Kutaragi Ken Kutaragi stieß im Alter von 25 Jahren nach seinem Abschluss an der Universität der Elektro-Kommunikation in Chofu, Tokio, zum Elektronikkonzern Sony. Dort war der junge Heißsporn zunächst in der Forschungsabteilung beschäftigt und erarbeitete sich einen Ruf als Problemlöser. Obwohl seine Arbeit sehr geschätzt wurde, war er selbst nicht sehr beliebt. Sein wenig zurückhaltendes Wesen machte ihn gerade bei seinen Landsleuten zu einem unangenehmen Zeitgenossen. Doch Sony-CEO Norio Ohga machte das nichts, seine Arbeit überzeugte ihn vollkommen, zumal Ohga selbst ein eher unkonventioneller Charakter war. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum der CEO Kutaragi immer unterstützte, zumal die Ergebnisse des Ingenieurs immer hervorragend waren. Selbst nach dem Desaster mit dem SNES-CD stand Ohga immer hinter Kutaragi und unterstützte ihn bei der Gründung seiner eigenen Abteilung, aus der schließlich Sony Computer Entertainment (SCEI) hervorging.

Nach den Erfolgen in seiner Sparte war Kutaragi einige Zeit als potenzieller Konzern-Chef im Gespräch, gerade nachdem er SCEI zur erfolgreichsten Sparte des Konzerns machte. Als Ohga die Geschäfte 1999 in die Hände von Nobuyuki Idei legte, gab dieser Kutaragi zunächst freie Hand. Doch die Chemie zwischen den beiden Männern stimmte nicht, der eher zurückhaltende Idei kam wohl mit Kutaragis frecher und arroganter Art nicht zurecht. Zur gleichen Zeit wuchs die Unzufriedenheit über den Eigenbrötler Kutaragi, der zunehmend mit markigen Sprüchen auf sich aufmerksam machte. Bekanntester Fauxpas seiner Karriere dürfte wohl die Bemerkung zur PS2 gegenüber Newsweek im Jahr 2000 gewesen sein: „Sie können mit einer neuen Cybercity kommunizieren. Das wird der ideale Heim-Server. Kennen Sie den Film 'Matrix'? Selbes Interface. Selbes Konzept. Ab nächstes Jahr dürfen Sie sich in die Matrix einklinken.“ Jeder PS2-Spieler weiß, wie viel Wahrheit in dieser Aussage steckt.

Trotzdem beförderte Idei den PlayStation-Erfinder 2003 zum Deputy Executive President, Chief Operating Officer und Vice-Chairman. Damit durfte er seine Ideen auch anderen Geschäftsbereichen des Konzerns unterbreiten, in der Hoffnung, den seit Anfang des neuen Jahrtausends kriselnden Konzern etwas auf die Beine zu helfen – oder, und das könnte Ideis ursprüngliches Ziel gewesen sein, ihn scheitern zu sehen. Dank einiger wirkungsloser Maßnahmen und seiner arroganten Art machte sich Kutaragi erneut keine Freunde im Unternehmen. Ganz im Gegenteil, er bewies, dass er für das Amt des Konzern-Chefs, das ihm Branchenbeobachter bereits zusprachen, vollkommen ungeeignet war. Selbst in den eigenen Reihen wurden die internen Kritiker lauter. Die horrenden Entwicklungskosten der PS3 und des Cell-Prozessors, entsprechend hohe Verluste von SCEI sowie der hohe Verkaufspreis nagten überdeutlich am Image des Ingenieurs. Mit der Ablösung von Idei durch den Waliser Sir Howard Stringer war der Fall Kutaragis nicht mehr aufzuhalten. Nach und nach gab Kutaragi alle Ämter ab und überließ SCEI am 26. April 2007 vollständig seinem Nachfolger Kazuo Hirai.

Dieser Artikel ist Teil unseres großen Specials "Die Geschichte der Konsolenhersteller". Alle Infos und das Inhaltsverzeichnis gibt es hier.

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