DVD-Review: Borat

Test Toni Opl

Sacha Baron Cohen geht als kasachischer Reporter ohne Schamgefühl auf Entdeckungsreise in die "US und A"

Borats "kulturelle Lernung" avancierte trotz oder vielleicht gerade wegen der Empörung der kasachischen Regierung und des daraufhin verkleinerten US-Kinostarts zum Überraschungshit 2006. Gemessen am Produktionsbudget von 18 Millionen Dollar ist das globale Einspiel von über 254 Mio. Dollar geradezu eine Sensation. Der durch seine "Da Ali G Show" bekannte Sacha Baron Cohen erhielt den "Golden Globe" als bester Hauptdarsteller.

Provozierte Statements

Zwei Welten: Borat beim Humor-Coach. Zwei Welten: Borat beim Humor-Coach. Der rückständige TV-Reporter Borat Sagdiyev wagt in seinem ersten Kinofilm einen Abstecher nach Amerika, um dort für eine Dokumentation auf Tuchfühlung mit Land und Leuten zu gehen. An seiner Seite: Produzent Azamat Bagatov (Ken Davitian), der dafür sorgt, dass Borat seine zahlreichen Interviewtermine einhält.

Inszeniert und gefilmt wie eine echte Reportage, konfrontiert der dreiste Kasache die angeblich so aufgeschlossene US-Bevölkerung mit frauen-, schwulen-, juden- und behindertenfeindlichen Ansichten -- und entlarvt so den alltäglichen Rassismus und Sexismus.

Fremdschämen pur

Diskussion mit einer Gruppe Feministinnen Diskussion mit einer Gruppe Feministinnen Die von Borat hervorgelockten Reaktionen reichen von aberwitzig über grotesk bis hin zu erschreckend. Da erhält er auch schon mal den Tipp, welcher Wagen sich am besten zum Überfahren von Zigeunern eignet oder wird aufgefordert, sich seinen Schnurrbart abzurasieren, um nicht "wie ein gottverdammter islamischer Terrorist" auszusehen.

Borat (Sacha Baron Cohen, Mitte) präsentiert sein "Heimatdorf" und dessen Bewohner Borat (Sacha Baron Cohen, Mitte) präsentiert sein "Heimatdorf" und dessen Bewohner Die entfallenen Szenen im Bonusmaterial vertiefen nach dem Hauptfilm Borats Albernheiten und Amerikas fragwürdige Moralvorstellungen noch. Hier sehen wir den Titelhelden bei einer Massage im Hotelzimmer und dürfen verfolgen, wie er die scheinbar endlose Geduld eines Supermarkt-Managers auf eine harte Probe stellt. Überdies ist auch ein echter TV-Report über Borats Auftritt beim Rodeo zu sehen.

Ausschnitte einer weltweiten PR-Tour zeigen Borat als Gast bei den Talk-Shows von Conan O’Brien und Jay Leno sowie der Kult-Comedy-Serie "Saturday Night Live". Wer im Sprachauswahlmenü auf Hebräisch klickt, gelangt an einen versteckten Witz.

Fazit

Film-Check: Wer hier eine durch und durch entlarvende Satire erwartet, in der Borat der amerikanischen Gesellschaft konsequent den Spiegel vorhält, sei gewarnt. Zwar gibt es durchaus zahlreiche solcher Momente, diese wechseln sich jedoch immer wieder mit derben Albernheiten auf niedrigstem "Jackass"-Niveau ab. Unterm Strich hat man sich deutlich mehr an Johnny Knoxville und Co. orientiert als an Michael Moore.
Bemerkenswert ist, wie gnadenlos Sacha Baron Cohen seine Rolle durchzieht -- und dabei nicht für eine Sekunde auch nur im Ansatz schmunzeln muss. Aufgrund der mäßigen deutschen Synchronisation raten wir dringend dazu, den Film in der Originalfassung anzusehen. DVD-Fazit: Bild und Ton erfüllen ihren Zweck. Mehr ist bei dieser dokumentarisch angelegten Spaßreise auch gar nicht nötig. Das enthaltene Bonusmaterial ist knapp, dafür aber sehr sehenswert. Allem voran stehen die entfallenen Szenen.

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