Anno 1800: Reichen ein paar neue Hafengebäude, um mich zurückzulocken? - Kolumne
Kolumne 53,99 €
Mit dem neuen Speicherstadt-DLC ist nun bereits die dritte Saison an Zusatzinhalten für Anno 1800 angebrochen. Lohnt es sich, bei der Stange zu bleiben oder erneut in das Aufbauspiel einzusteigen? Diese Frage stellte sich auch PC-Games-Redakteur Matthias Dammes in dieser Kolumne.
Der Release von Anno 1800 ist inzwischen fast zwei Jahre her und nach den ursprünglichen Plänen wollten die Entwickler von Ubisoft Mainz sich jetzt bereits anderen Projekten widmen. Zumindest war es während der Arbeiten an Season 2 angedacht, dass Land der Löwen der letzte DLC für das Aufbauspiel wird. Eventuell sollt es noch ein Paket mit kosmetischen Items danach geben, aber dann sollten die Arbeiten an Anno 1800 aber auch final eingestellt werden. Allerdings kommt im Leben häufig alles anders, als man denkt. Auch im Verlauf der zweiten Saison blieb das Aufbauspiel sehr erfolgreich. Dazu benötige ich keine Zahlen von Ubisoft, sondern brauche nur in unsere Artikelstatistiken zu schauen. Alles, was mit Anno 1800 zu tun hat, trifft bis heute auf großes Interesse bei den Lesern.
So ist es auch wenig verwunderlich, dass die Entwickler Ende letzten Jahres doch noch eine dritte Season mit drei neuen DLC-Paketen angekündigt haben. Mir stellte sich jedoch die Frage, womit der Spieler auch im dritten Jahr noch bei der Stange gehalten werden sollte. Mit der Ankündigung wurde bereits deutlich gemacht, dass man sich diesmal auf die Alte Welt konzentrieren werde und keine neuen Gebiete einführen will. Als die drei DLCs vor einigen Wochen im Detail vorgestellt wurden, blieb eine gewisse Skepsis, auch wenn sich Konzepte wie der Tourismus und der Bau von Wolkenkratzern sehr spannend anhören. Aber gerade der Speicherstadt-DLC, der nun in dieser Woche erschienen ist, wirkte ein wenig dürftig. Nachdem ich den DLC nun gespielt habe, wurde dieser Eindruck auch nicht wirklich entkräftet.
Quelle: PC Games
Anno 1800: Speicherstadt-Kolumne. (3)
Was kann die Speicherstadt?
Nun muss man natürlich anmerken, dass mit Land der Löwen vor gerade einmal fünf Monaten die bislang größte Erweiterung für Anno 1800 (jetzt kaufen / 53,99 € ) erschienen ist. Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass es auf diesem Niveau stetig weitergeht. Aber wenn ein neuer DLC erscheint, muss er der Frage standhalten, ob er mir genügend Inhalte bietet, die mich wieder zum Spiel zurückkehren lassen. Was also genau bietet Speicherstadt nun
Quelle: PC Games
Anno 1800: Speicherstadt-Kolumne. (4)
eigentlich? Im Grunde dreht sich in dem DLC alles um eine Reihe von neuen Gebäuden, die für eine neue Art der Hafengestaltung genutzt werden können. Dabei haben sich die Entwickler von der Hamburger Speicherstadt inspirieren lassen, dem zum UNESCO-Welterbe gehörenden größten historischen Lagerkomplex der Welt.
Ähnlich wie beim Zoo und Museum wird ein Hauptgebäude errichtet, von dem aus dann alle weiteren Einrichtungen des Hafens gebaut werden. In enger Bauweise lassen sich so Reparaturkräne, Hafenmeistereien, Verladestationen und Depots errichten. Zusammen mit gut zwei Dutzend dazu passenden Ornament-Verzierungen lässt sich auf diese Weise ein wirklich ansehnliches Hafenviertel in der eigenen Stadt errichten. Neben den üblichen Hafenfunktionen bringt die Speicherstadt auch noch eine neue Handelsmechanik mit sich - den Import/Export. Nun konnte man zwar bisher schon Waren gegen Gold ver- oder einkaufen, mit dem neuen System lassen sich Güter nun aber direkt tauschen. Sagen wir ich produziere zu viel Holz, dann gebe ich das zum Export frei und lasse mir dafür Seife für meine Handwerker bringen. Dabei liegt immer ein Umrechnungsschlüssel auf Basis der Schwierigkeit der Herstellung einer bestimmten Ware zugrunde. Je dauerhafter ich einen gewissen Handel betreibe, umso vorteilhafter kann sich der Tauschkurs entwickeln.
Lohnt sich das für mich?
Hat sich das Spiel für mich damit dauerhaft verändert? Wohl kaum. Mit der Gestaltung einer schicken Speicherstadt, verbringe ich vielleicht ein, zwei Nachmittage. Gut, unverbesserliche Schönbauer können da vermutlich auch unzählige Spielstunden drin versenken, den perfekten Hafen zu entwerfen. Aber mir geht es meist eher um Funktionalität. Das Import-Export-System ist für mich auch nicht mehr als eine Ergänzung. Benötigte Waren stelle ich in der Regel selbst her und Überschüsse werden für Gold verkauft, damit der Staatshaushalt nicht einbricht. Der Direkttausch bietet sich da lediglich für kurzfristige Engpassausgleichungen oder dergleichen an. Zumal der dafür zuständige Händler viel zu selten an der Speicherstadt anlegt.
Hätte mich der Speicherstadt-DLC wieder dazu verleitet, Anno 1800 zu spielen, wenn ich mich nicht beruflich damit beschäftigt hätte? Vermutlich nicht. Dazu braucht es schon ein wenig mehr. Ich kann aber auch nachvollziehen, dass viele Fans, die dauerhaft oder zumindest regelmäßig im Spiel unterwegs sind, die kleine Auffrischung begrüßen. Ich will ja auch gar nicht abschreiben, dass gute Ideen in dem DLC stecken. Die sieben Euro wären es mir jetzt aber vermutlich nicht wert gewesen. Den 20 Euro Season-Pass sowieso nicht, ohne zu wissen, wie genau die anderen beiden DLC-Pakete inhaltlich ausgestaltet sind. Aber vielleicht kann mich der Rest der Saison ja noch positiv überraschen. Bevor Ubisoft danach dann aber über eine mögliche Season 4 nachdenkt, sollten sie sich vielleicht mal überlegen, ob es nicht an der Zeit für ein neues Spiel wäre.
