Test: Angel-A

Test Toni Opl

Bei der märchenhaften Romantikkomödie führte Frankreichs Starproduzent Luc Besson nach sechs Jahren wieder Regie.

Der gutherzige Kleinganove André (Jamel Debbouze, li.) steckt in Schwierigkeiten. Der gutherzige Kleinganove André (Jamel Debbouze, li.) steckt in Schwierigkeiten. Der in Paris lebende Marokkaner André (Jamel Debbouze, "Die fabelhafte Welt der Amélie") droht unter einem gigantischen Schuldenberg zu ersticken. Weil die vielen Gläubiger dem Mittellosen kaum noch Zeit geben, die Kohle aufzutreiben, sieht er in Suizid den einzigen Ausweg. Doch gerade als er sich von einer Brücke in die Seine stürzen will, entdeckt er eine unbekannte Schönheit, die allem Anschein nach den gleichen Entschluss gefasst hat.

Als sie springt, hechtet André selbstlos hinterher und fischt die langbeinige Blondine aus dem Wasser. Die attraktive, geheimnisvolle Angela (Rie Rasmussen, "Femme Fatale") weicht ihm fortan nicht mehr von der Seite und besteht darauf, sich um den desillusionierten Pechvogel zu kümmern. Und siehe da, Andrés Schicksal scheint sich tatsächlich langsam zum Guten zu wenden ...

Sanftere Töne

Tatsächlich ein Engel? Angela (Rie Rasmussen) liest ihrem Lebensretter die Leviten. Tatsächlich ein Engel? Angela (Rie Rasmussen) liest ihrem Lebensretter die Leviten. Während sich Luc Besson mit dem Sci-Fi-Knaller "Das fünfte Element" inhaltlich und optisch gnadenlos austobte, präsentiert er hier nicht nur eine deutlich ruhigere Geschichte, sondern entzog seinen Bildern auch jegliche Farbgebung. Ein konventioneller Streifen ist "Angel-A" deshalb aber noch lange nicht. Die sich anbahnende Romanze zwischen André und Angela könnte direkt einem Märchenbuch für Erwachsene, das Schwarz-Weiß-Arrangement des nahezu menschenleer wirkenden Paris einer Kunstgalerie entsprungen sein.

Wer sich für die Entstehung dieses ungewöhnlichen Projekts interessiert, kommt im Making of auf seine Kosten. Der Beitrag beleuchtet die ungleichen Hauptfiguren, die französische Hauptstadt, die Stunts und schließlich Besson selbst und sein eingeschworenes Team. Ebenfalls sehenswert ist das Making of der Filmmusik, die aus der Feder der norwegischen Komponistin und Interpretin Anja Garbarek stammt.

Fazit

Film-Check: Man muss schon ein bisschen Träumer und Romantiker sein, um sich nicht an der flachen, mit ein paar Klischees und pseudopsychologischen Dialogen verwässerten Geschichte zu stören. Wer sich jedoch darauf einlässt, erlebt ein filmisches Gesamtkunstwerk, bei dem die zauberhafte Story, die stilisierte S/W-Optik und der betörende Musik-Score zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen. Neben vielen humorvollen Einlagen mit frechem Wortwitz gibt es vor allem gegen Ende zahlreiche emotionale Szenen, die aber nicht ganz so sehr berühren wie von Luc Besson gewollt. Dennoch überzeugen Jamel Debbouze und Topmodel Rie Rasmussen als konträres Paar.
DVD-Fazit: Das nicht perfekte Bild bringt die visuelle Experimentierfreude immer noch gut zur Geltung, der Sound bleibt leider frontlastig. Das Bonusmaterial ist zwar knapp, mit seinen beiden Making ofs aber dennoch sehr gehaltvoll.

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