Silent Hill: Downpour im Test - Gutes Ende, aber ein beschwerlicher Weg dahin

Test Katharina Pache

Silent Hill: Downpour im Test für Xbox 360 und PS3! Im neuen Teil der Horror-Saga muss sich Held schrecklichen Erlebnissen in seiner Vergangenheit stellen. Dabei kristallisiert sich heraus, dass Silent Hill: Downpour zwar mit einem guten Ende aufwartet, allerdings mit einigen Spielspaßbremsen für Frust sorgt.

Warum? Diese Frage haben wir uns beim Test von Silent Hill: Downpour oft gestellt. Warum ist Held Murphy so beweglich wie ein gestrandeter Wal? Warum sehen die Blitze bei einem Gewitter aus wie Grafikfehler? Und warum läuft uns bei den Kämpfen Frust- statt Angstschweiß von der Stirn? Doch der Reihe nach. Silent Hill: Downpour hat durchaus gute Momente. Gefallen hat uns die Story: Häftling Murphy Pendleton erlangt bei einem Unfall des Gefangenentransportbusses unfreiwillig die Freiheit und findet sich am Ufer des Toluca-See wieder, der – wie Serienkenner wissen – vor dem Örtchen Silent Hill liegt.

Im Verlauf der Geschichte stellt sich Murphy seinen Schuldgefühlen und durchlebt schreckliche Ereignisse aus seiner Vergangenheit ein weiteres Mal. Einige Wendungen sieht man als Silent Hill-Fan zwar kommen, im Großen und Ganzen wird Murphys Abenteuer aber ordentlich präsentiert und zu einem schlüssigen Ende gebracht. Wie der Protagonist Silent Hill entkommt, liegt in der Hand des Spielers, auch wenn sich die storyrelevanten Entscheidungen an den Fingern derselben abzählen lassen.

Als beträchtlicher Motivationsfaktor stellt sich überraschenderweise der Hauptcharakter heraus. Anders als die Helden früherer Silent Hill-Folgen reagiert Murphy nachvollziehbar auf die bizarren Situationen, mit denen er konfrontiert wird. An einem Punkt weigert er sich sogar, weiter die Marionette einer sadistischen höheren Macht zu mimen. Doch sein Widerspruch ist zwecklos, und so tut der Spieler gerne sein Möglichstes, dem Ex-Knasti dabei zu helfen, wohlbehalten aus der Gruselstadt zu entkommen.

Der Sound von Downpour weiß ebenfalls zu gefallen. Komponist Daniel Licht hat nicht nur eine atmosphärische Geräuschkulisse, sondern auch einige melancholische Songs erschaffen, die gut zum Abenteuer passen. Über den Intro-Song der New-Metal-Band Korn lässt sich streiten, diesem begegnet man aber nur im Hauptmenü und im Abspann des Spiels. Auch die englischen Sprecher leisten gute Arbeit.

Das finstere Örtchen Silent Hill ist wieder Schauplatz der Grusel-Action in Silent Hill: Downpour. Quelle: Konami Das finstere Örtchen Silent Hill ist wieder Schauplatz der Grusel-Action in Silent Hill: Downpour. Dass Silent Hill: Downpour der Serie nicht zu altem Glanz verhelfen kann, liegt an anderen Punkten. Die Optik von Downpour ist unspektakulär, teilweise sogar hässlich – da helfen auch vereinzelte Highlights wie Spiegelungen auf nassem Straßenasphalt nicht. Wohin man sieht, tun sich Probleme auf: Die Frame¬rate geht regelmäßig in die Knie, das Bild zerreißt, Texturen laden nach, Gesichter wirken starr. Downpour ist definitiv das hässliche Entlein der einst für Grafikpracht bekannten Serie.

Spielerisch kann der Titel die optischen Probleme nicht ausgleichen. Bis auf vereinzelte gute Rätselideen trifft man oft auf die Urgroßeltern der Kopfnuss-Familie, sprich Schiebe- und Zahlencode-Knobeleien. Allzu oft muss man seine grauen Zellen zudem nicht bemühen, jedenfalls wenn man ausschließlich dem Verlauf der Hauptstory folgt. Es besteht die Möglichkeit, in Silent Hill eine Reihe Nebenaufgaben abzuschließen, die mal mehr, mal weniger gelungen sind, aber in den meisten Fällen keine Belohnungen außer einer Trophäe beziehungsweise Gamerscore-Punkten bieten. Immerhin strecken die optionalen Missionen die Spielzeit des Abenteuers (wenn auch hauptsächlich durch lange Laufwege), sodass die acht Stunden, die man ungefähr zum Durchspielen der Hauptstory benötigt, auf über zehn Stunden Gesamtspielzeit erhöht werden.

Für viel Frust sorgen in regelmäßigen Abständen die Kämpfe. Murphy schlägt langsam und ungenau zu, nach ein paarmal Blocken geht außerdem die Waffe zu Bruch – und man kann höchstens zwei davon bei sich tragen. In 90 Prozent der Fälle wird die zweite Waffe die Pistole oder Flinte sein, doch deren wertvolle Munition gegen Standard-Gegner einzusetzen, ist nicht ratsam, sodass Murphy erst nach einem neuen Gegenstand suchen muss. Sobald er sich einem solchen Gegenstand nähert, wird die Option "Aufheben" eingeblendet, aber nicht, was genau man aufheben kann; man muss ständig zurücklaufen und nachsehen, um welches Item es sich handelt. Denn wer will schon seine Axt gegen ein nutzloses Stuhlbein oder einen Stein tauschen? Auch die Anderswelt frustriert durch Trial&Error-Abschnitte und sich ständig wiederholende Elemente, einen Mangel gibt es aber an markerschütternden Schock- und Gruselmomenten. So bleibt Downpour nur die Story, Musik und der Hauptcharakter, um zu fesseln – zu wenig für eine Kaufempfehlung.

Wertung zu Silent Hill: Downpour (X360)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Nebenmissionen verfügbarOffene Spielwelt in Silent HillOrdentliche StorySympathischer HeldGute musikalische UntermalungEinige gelungene RätselUnterschiedliche Enden
Technisch schwachUninspiriertes Leveldesign in der AndersweltTrial & Error-AbschnitteBelangloses MonsterdesignTräge KämpfeStarkes RuckelnCheckpoints liegen weit auseinanderHakelige SteuerungLetztes Level frustrierendWenig Bossfights
Fazit

Murphy tut mir leid – zum einen, weil ich ihn lieb gewonnen habe, zum anderen, weil er ein besseres Spiel verdient hätte.

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