Was PC-Spieler wollen: Das sind die wichtigsten Portierungs-Features und so viel Arbeit macht die Umsetzung laut Entwicklern

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Was PC-Spieler wollen: Das sind die wichtigsten Portierungs-Features und so viel Arbeit macht die Umsetzung laut Entwicklern
Quelle: PC Games

Was macht die perfekte PC-Umsetzung aus? Und dreht sich in den Köpfen der Spieler wirklich alles nur um hohe Fps-Zahlen? Das sind die wichtigsten PC-Features - laut den Entwicklern von Crysis, Dying Light und Shadow Warrior 2, mit denen wir im Interview über die (vermeintlichen) Wünsche der PC-Spieler gesprochen haben.

Was für Features müssen Videospiele im Allgemeinen und PC-Umsetzungen im Besonderen haben, um Käufer und Fans zufriedenzustellen? Wir sprachen im Rahmen unseres Reports zu schlechter PC-Performance mit mehreren Entwicklern darüber, was ihre PC-Community erwartet - und wie aufwändig die Umsetzung solcher Features wie Mod-Unterstützung und Fps-Unlocks ist. Für unsere Interviews standen uns Mitarbeiter der Shooter-Experten von Crytek (Crysis 3), Flying Wild Hog (Shadow Warrior 2) und Techland (Dying Light) Rede und Antwort.

Flüssige 60 Frames pro Sekunde

Der Unterschied zwischen 30 und 60 Fps ist merklich, besonders bei der relativ geringen Distanz zwischen Auge und Monitor am PC im Vergleich zum weit vom Fernseher entfernt sitzenden Konsolenspieler. Daher akzeptieren viele Spieler zu Recht keine Einschränkungen bei der Bildrate. Immer wichtiger wird zudem die Unterstützung von hohen Framerates auf 144-Hertz-Ausgabegeräten. Techland hat das dazu zu sagen: "Das ist extrem schwer umzusetzen, weil jedes Spiel anders ist. Viele [Spieler, Anm. d. Red.] empfinden es jedoch als absoluten Maßstab ohne darüber nachzudenken, was die Software sonst noch leisten muss. [Als Entwickler] erreichst du entweder die 60-Fps-Marke wie von dir erwartet oder du schaffst es nicht und dein Spiel ist automatisch minderwertig, was natürlich Quatsch ist."

Der deutsche Entwickler Crytek geht noch einen Schritt weiter und sieht als Grundvoraussetzung "die Möglichkeit eines Framerate-Unlocks. Produkte, die auf eine bestimmte Bildwiederholrate eingestellt sind, werden vom Publikum in der Regel sehr schlecht aufgenommen."
Doom Kolumne: Gameplay Quelle: PC Games Flüssiges Spielen verbinden die meisten PC-Besitzer mit 60 Frames pro Sekunde. Zudem hat Techland festgestellt, dass viele Käufer automatisch den Anspruch haben, dass jede PC-Umsetzung besser läuft als die Konsolenfassung: "Das ist ein heikles Thema, aber da PC-Spieler viel mehr Zeit, Arbeit und Geld in ihre Hardware stecken, erwarten sie zu Recht eine bessere Performance ihrer Spiele. Es ist eine Denkweise, die man überall liest und hört. Wann immer ein Multiplattform-Titel erscheint, sieht man sehr schnell Vergleichsvideos. Die Presse und Youtuber erstellen diese Videos, weil die Kundschaft darüber informiert werden will." Klar: Wenn man den Unterschied zwischen hohen PC-Grafikdetails und PS4-Optik mit der Lupe suchen muss, sorgt das für Frust. Ganz schlimm: PC-Versionen, die schlechter aussehen als die Konsolenfassung, siehe PES 2017.Doch es ist nicht so einfach, aus der potenten PC-Hardware höhere Leistung herauszukitzeln. "Wir müssen gleichzeitig auch für Rechner entwickeln, welche gerade so die minimalen Systemanforderungen erfüllen. Das macht die Sache natürlich richtig knifflig. Es ist ein Balance-Akt, denn du kannst nicht einfach nur die absolute High-End-Hardware als Zielplattform hernehmen und den Rest ignorieren. [....] Du kannst die Besitzer weniger kostspieliger PCs nicht einfach zurücklassen."

Umfangreiche Grafikoptionen

"Effekte wie Bewegungsunschärfe, Chromatic Aberation, Vignetten, Kamera-Optik und mehr sind oft ein Streitpunkt", hat Entwickler Crytek erkannt. Die "Kontrolle über Teile der Bildnachbearbeitung (post processsing)" sieht das Unternehmen dann auch als einen wichtigen Punkt auf der Agenda, wenn es um die Bereitstellung spezieller PC-Features geht. "Einige Leute bevorzugen es, ohne [diese Effekte] zu spielen (besonders im Multiplayer-Wettbewerb), andere Menschen mögen sie."

Watch Dogs 2 bietet eines der aktuell umfangreichsten Grafikmenüs am PC. Quelle: Imgur Watch Dogs 2 bietet eines der aktuell umfangreichsten Grafikmenüs am PC. PC-Spieler schätzen zudem eine hohe Skalierbarkeit mit stufenweise reduzierbaren Grafikdetails und mehreren Anti-Aliasing-Stufen. Zuletzt überzeugte etwa die PC-Adaption Watch Dogs 2 mit ihrem umfangreichen Optionsmenü. "Je mehr, desto besser!", meinen die Polen von Flying Wild Hog. Eine Menge an Optionen anzubieten, ist "nicht so einfach, aber wir haben uns daran gewöhnt." Techland dagegen schätzt den Aufwand als eher gering ein, gibt aber zu, dass die Implementierung mehrerer Grafik-Settings mit unterschiedlichem Detailgrad für "unvorhergesehene Schwierigkeiten" sorgen kann. "Das Wichtigste ist, bei jedem Setting die Balance zwischen Performance und visueller Qualität zu wahren. Als Entwickler musst du dich fragen, wie viele Anpassungsmöglichkeiten du erlauben willst. Denn jede Einstellung ist im Grunde eine weitere Variable mit dem Potential, ein Performance-Problem zu schaffen."

Crytek erkennt in diesem Zug die zunehmende Beliebtheit von Supersampling-Optionen an, um die sowohl die ausgegebene als auch die interne Rendering-Auflösung zu erhöhen: "Es gibt eine Menge von Usern erstellte Tools da draußen, die selbst ältere Titel dazu zwingen, es anzubieten. Es ist ein nettes Bonus-Feature, um Qualität und Performance zu optimieren."

Gerade bei Ego-Shootern stören auf Konsolen zugeschnittene enge Sichtfelder den PC-Besitzer (Grund ist einmal mehr die unterschiedliche Sitzdistanz zur Anzeige). Daher ist es unabdingbar, dass entweder der Entwickler das Field of View (FoV) für die PC-Version angepasst hat oder aber der Spieler diese Option besitzt. "Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Punkt", gibt Cryteks Technical Director Rok Erjavec im Interview zu. "Ich bin grundlegend unzufrieden damit, wie dieses Problem vom Gros der Industrie behandelt wird. Da unsere Rendering-Pipelines immer noch auf lineare Projektion limitiert sind, erzeugen FoV-Tweaks einfach nur unrealistisch verzerrte Bilder. Leider wurden die Kosten für eine bessere Lösung bislang als unnötig abgetan - aber die zunehmende Verbreitung von Virtual Reality könnte mit der Zeit für eine organische Lösung sorgen."

21:9-Monitore machen darüber hinaus die Unterstützung extrem breiter Auflösungen erforderlich - hier hinken viele PC-Adaptionen noch hinterher, besonders beim Anpassen der im Ultra-Widescreen-Modus ansonsten verzerrten Bildschirmanzeigen. Sehr breite Sichtfelder (Field of View) sind gerade bei Ego-Shootern am PC ein Muss. Quelle: Computec Media GmbH Sehr breite Sichtfelder (Field of View) sind gerade bei Ego-Shootern am PC ein Muss.

Freie Tastenbelegung

Egal ob Linkshänder, Behinderter oder Individualist: Für viele Spieler ist es eine Selbstverständlichkeit, die Steuerung nach Gutdünken anzupassen. Die meisten Entwickler von Konsolen-Adaptionen haben das längst kapiert. Auf unsere Frage nach den wichtigsten PC-Features zeigt sich Crytek dann auch "unsicher, ob es wert ist, die Anpassung der Bedienung aufzulisten. [...] Das ist Standard in PC-Spielen seit den Anfängen der 1990er Jahre. [...] Heutzutage sollte man ohne dieses Feature definitiv nicht auf den Markt kommen. Die einzige Ausnahme stellen derzeit Virtual-Reality-Spiele dar."

Dagegen hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass schwammige Maussteuerung durch nicht abschaltbare Features wie Mausbeschleunigung den PC-Nutzern regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt. "Raw Input" heißt das Zauberwort. Apropos, liebe Entwickler: Eine vernünftige Mausunterstützung in den Menüs ist ein Muss! Dabei gehört die Umsetzung dieser Features laut Flying Wild Hog, den Machern von Shadow Warrior 2, zu den einfachsten Fingerübungen eines Studios.

Anpassbares Interface

Keine störenden Bildschirmanzeigen: In Ubisoft-Spielen wie For Honor lassen sich alle störenden Pfeile ausblenden. Quelle: PC Games Keine störenden Bildschirmanzeigen: In Ubisoft-Spielen wie For Honor lassen sich alle störenden Pfeile ausblenden. Wenn Konsolen-Adaptionen bei der PC-Steuerung schlampen, ist das wohl eher eine Frage der Sorgfalt und des Interesses der Entwickler als ein Problem mit dem Zeitaufwand - genau wie bei den Interface-Optionen.

Flying Wild Hog erklärt uns im Interview, dass das Anpassen der Benutzeroberfläche inklusive ausblendbarer Bedienelemente, frei einstellbarer Schriftgrößen oder verschiebbarer Platzierung von Schnellzugriffsleisten & Co. keinen großen Aufwand für die Entwickler darstellt. Dennoch wird dieses Feature am PC immer wieder vernachlässigt.

Positivbeispiele gibt es aber auch, allen voran die PC-Umsetzungen von Ubisoft-Spielen wie For Honor. Auch Deus Ex: Mankind Divided ließ sich letztes Jahr komplett ohne Bildschirmanzeigen spielen - das freut Puristen.

Mod-Unterstützung

Mods verlängern die Lebenszeit von Spielen wie XCOM 2, besonders Total-Conversions wie Long War. Quelle: 2K Games, LWS Mods verlängern die Lebenszeit von Spielen wie XCOM 2, besonders Total-Conversions wie Long War. Wenn es das eine, die PC-Plattform definierende Feature gibt, dann ist das ohne Zweifel die Unterstützung von Mods. Egal ob Skyrim, Cities: Skylines, S.T.A.L.K.E.R., Crusader Kings 2 oder die Total War-Serie - wer als Entwickler am PC für eine reibungslose Unterstützung von Fan-Inhalten und Modifikationen sorgt, der verlängert die Lebenszeit seines Spiels beträchtlich.

Allerdings bedarf es dazu auch einiger Arbeit, wie ein Sprecher von Flying Wild Hog im Interview zugibt: "Das zu implementieren ist tatsächlich sehr knifflig, besonders wenn man mit einer Fremd-Engine arbeitet."

Joystick- und Lenkrad-Support

Wenn Lenkrad-Support in Spielen wie Forza Horizon 3 fehlt, ist eine Minderheit der PC-Spieler verärgert. Quelle: PC Games Wenn Lenkrad-Support in Spielen wie Forza Horizon 3 fehlt, ist eine Minderheit der PC-Spieler verärgert. Rennspiele und das immer kleiner werdende Genre der (Flug-)Simulationen sind schon immer das Mekka für Besitzer sündhaft teurer Zusatz-Hardware. Verschiedene Third-Party-Peripherie zu unterstützen, sieht Techland als einen nicht zu unterschätzenden Punkt in der PC-Feature-Checkliste. Allerdings: "Der Markt wird von Gamepads, Joysticks und Lenkrädern überflutet, sowohl Markenware als auch No-Name-Hardware."

Hier befindet sich Techland in einem Dilemma: "Oft gibt es eine sehr lautstarke Gruppe von Spielern, die fragen, warum ihre bevorzugte Hardware nicht unterstützt wird. Als Entwickler kannst du da einfach nicht auf dem neuesten Stand bleiben oder kostbare Entwicklungszeit dafür opfern. Meistens konzentrieren wir uns daher auf die Teile, von denen wir wissen, dass sie bei der Mehrheit der Spieler verbreitet sind. Nach dem Release schauen wir dann, ob wir weitere Hardware unterstützen können. Es ist aber nahezu unmöglich, all die Peripherie zu unterstützen, die derzeit auf dem Markt verfügbar ist."

Stabilität

"Ein totaler Crash ist sehr ärgerlich", meint Techland. "Daher müssen wir als Entwickler die Stabilität eines Spiels gewährleisten und so gut wie möglich garantieren. [...] Je komplexer ein Spiel ist, desto mehr Stabilitätsprobleme gibt es im Lauf der Entwicklung und während der Optimierungsphase." Darin sehen die Polen eine Schlüsselkomponente der PC-Entwicklung. "Wenn man bei den oben genannten Punkten Kompromisse macht, dann liegt es meist daran, dass man der Stabilität den Vorzug gegeben hat. Ein Spiel muss zuallererst spielbar sein und nicht nur wunderschön aussehen."

Was sind eure Wunsch-Features am PC? Schreibt uns euer Feedback in den Kommentaren!

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