FIFA 17 im Test: Spielerisch ein Rückschritt - Nur Europa League statt Königsklasse
Test
Konkurrent Pro Evolution Soccer hat bereits vorgelegt und jetzt zieht endlich FIFA nach. In unserem Test erfahrt ihr, warum uns FIFA 17 trotz des neuen und sehr netten Story-Modus The Journey sowie des gelungenen Engine-Wechsels nicht so recht überzeugen konnte, und wo es bei EAs Fußballsimulation gewaltig hakt.
Während der große Konkurrent Pro Evolution Soccer sich dieses Jahr mal wieder auf Verbesserungen am Gameplay konzentrierte, befeuerte EA die Werbemaschinerie hauptsächlich mit den Stichpunkten Story-Modus und Frostbite-Engine. Vor allem die neue Grafik-Engine, die auch bei der Battlefield-Serie zum Einsatz kommt und dort für eine Prachtoptik sorgt, ließ Fans vorab das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nach weit über 30 Stunden mit FIFA 17 lässt sich jedoch sagen, dass sich die Entwickler von EA Canada doch besser auf das Wesentliche konzentriert hätten, denn was zählt, ist schließlich aufm Platz und hier lässt der Titel Federn.
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FIFA 17 im Test: Mehr Details, mehr Kitsch
Doch widmen wir uns zunächst den beiden großen Neuerungen. Die Frostbite-Engine steht FIFA 17 wirklich gut und sorgt für mehr Details und einfach mehr Feinheiten an den Spielermodellen. Ein technisches Wunderwerk sollte man sich dennoch nicht erwarten. Während Stars wie Ronaldo oder Griezmann richtig toll aussehen, sind Normalo-Kicker wie Stindl oder Dahoud immer noch recht grobschlächtig modelliert.
Quelle: PC Games
Im Story-Modus The Journey schlüpfen wir in die Rolle des Jungprofis Alex Hunter. Die Geschichte ist ein wenig kitschig, aber meistens unterhaltsam, zieht sich an manchen Stellen allerdings etwas in die Länge.
Auch der Story-Modus namens The Journey ist mehr netter Bonus als heiliger Gral des Sportspiel-Genres. Hier übernehmen wir die Rolle des 17-jährigen Alex Hunter, der zusammen mit seinem Kumpel Gaz von einem Premier-League-Club unter Vertrag genommen wird. In der Geschichte durchlaufen wir alle Höhen und Tiefen eines Jungprofis und die Zwischensequenzen sind super vertont und von den engagierten Schauspielern auch gut gespielt. Die Story trägt aber teilweise zu dick auf, sodass es manchmal ein wenig kitschig wird. Unterhaltsam ist die Geschichte von Hunter aber allemal. Nervig ist allerdings, dass oftmals das Tempo arg herausgenommen wird und man Training an Training und Spiel an Spiel reiht, bis endlich wieder eine Cutscene kommt, welche die Geschichte weitererzählt. Schön ist aber, dass wir ganz nach Vorliebe vor jedem Spiel auswählen dürfen, ob wir mit Hunter alleine oder mit der gesamten Mannschaft spielen.
Die angekündigten Neuerungen im Karrieremodus sind allerdings eine Farce. Man darf jetzt zwar einen Avatar für seinen Trainer auswählen und muss spezielle Vorgaben des Vorstandes erfüllen, ansonsten hat sich aber gar nichts geändert.
FIFA 17 im Test: "Warum lauft ihr nicht mit?!"
Quelle: PC Games
Eckball- und Strafstoß-Steuerung wurden überarbeitet und sorgen mit kleinen Kniffen für mehr Varianz bei den Standardsituationen.
Auf dem Platz selbst macht FIFA 17 zwei Schritte nach vorn und drei zurück. Positiv sind auf jeden Fall die angepassten Standardsituationen. Bei Eckbällen darf man nun präziser die Richtung sowie die Stärke des getretenen Balles bestimmen. Zusammen mit den immer noch anwählbaren Optionen aus dem Vorgänger ergibt sich so ein nie da gewesener Variantenreichtum. Auch bei den Strafstößen kann man nun Anlauf, Richtung und Schussstärke besser bestimmen. Zunächst ist die Steuerung etwas ungewohnt, da ihr mit dem linken Stick anlauft und die Richtung des Balles steuert, aber bald schon will man diese Möglichkeit nicht mehr missen. Zudem darf man während des Spiels nun den Ball per gedrückter L2-Taste abschirmen. Eine gute Neuerung.
Ansonsten wurden aber einige Gameplay-Elemente geradezu verschlimmbessert. Das Spiel über die Flügel ist beispielsweise noch unpräziser und schwächer als im Vorgänger, wodurch man bald schon von Flanken absieht und sich FIFA 17 eines wichtigen Spielelementes beraubt. Auch die Torraumszenen ähneln sich oftmals wie ein Ei dem anderen. Hier hat PES 2017 klar die Nase vorn. Zudem hat die KI immer wieder nervige Aussetzer. Zwar wurde die Raumaufteilung verbessert, sodass sich die Spieler sowohl offensiv als auch defensiv cleverer positionieren, aber es herrscht einfach zu wenig Bewegung.
Quelle: PC Games
Das Spiel über die Flügel ist im Vergleich zum Vorgänger schlechter geworden. Flanken sind meist zu lasch oder zu unpräzise. Das beschneidet das Gameplay ungemein.
Gerade im Angriffsspiel versuchen sich die Kollegen oftmals gar nicht freizulaufen, nutzen keine Schnittstellen, bleiben gar stehen oder verstecken sich quasi hinter dem Gegenspieler. Viel zu oft starteten wir einen Konter, der dann im Sande verlief, weil keiner unserer Kollegen mitlief. Während bei Pro Evolution Soccer 2017 im Test immer Bewegung und Positionskampf zu sehen ist, erinnert FIFA 17 in manchen Momenten beinahe an Tip-Kick. Das gilt aber auch für die KI-Mannschaften, wo die ballführenden Spieler oftmals hin- und herdribbeln, weil sie keine Anspielstation haben. Hier muss dringend nachgepatcht werden. Zudem sind einige Spieler selbst mit Ball am Fuß im Sprint nicht einzuholen und oftmals macht sich fehlender Zugriff in den Zweikämpfen bemerkbar. So wird's nichts mit dem Hit.
FIFA 17 im Test: Update nach dem ersten Patch
Während kleine Fehler wie der Auswahl falscher Trikots im Story-Modus ausgebügelt wurden, hat sich auch auf dem Platz kaum etwas getan. Die Zweikämpfe sind nun etwas griffiger, wodurch sich die Rangeleien um den Ball realistischer anfühlen. Außerdem wurde das Tempo der ballführenden Spieler spürbar gedrosselt, sodass diese einem nicht mehr so einfach wegrennen. Allerdings fielen uns nach dem Patch mehr grobe Torwartpatzer auf als noch zuvor. Auch die teilweise arg umständlichen Laufwege der Kameraden in der Offensive oder ihre Sprintfaulheit während Kontern wurden nicht behoben. An der Stärke und der Genauigkeit der Flanken hat sich ebenfalls nichts getan. Auch nach dem ersten Patch wartet also noch viel Arbeit auf die Entwickler von EA Canada.
Quelle: PC Games
In unserer Testversion liefert sich die KI immer wieder jede Menge Aussetzer. Zudem ähneln sich Torraumszenen oft wie ein Ei dem anderen.
Update: Die PC- und PS4-Fassung
Die Versionen für PC und Sonys Playstation sind natürlich absolut inhaltsgleich mit der bereits getesteten Xbox-One-Fassung. FIFA 17 hat auf allen Plattformen dieselben Vorzüge und Nachteile. Auf der PS4 sieht das Spiel allerdings einen winzigen Ticken hübscher aus als auf der Microsoft-Konsole. Auf dem PC wirkt die Grafik dann sogar nochmal etwas feiner und detailreicher. Bisher hatten wir mit der Fassung für den Rechenknecht keine technische Probleme. Das Spiel lief auf unserem Test-PC absolut rund und flüssig. Auch Abstürze haben wir keine zu vermelden. Lediglich beim ersten Start des Spiels hängte sich FIFA 17 vor dem Intro einmal auf und musste neu gestartet werden. Dieser Fehler ließ sich aber nicht reproduzieren. Technisch macht der Titel also sowohl auf der Xbox One als auch bei den Nachzüglern PC und PS4 einen sehr guten Eindruck.
Was die Redaktion im Vergleich vom großen Konkurrenten PES 2017 hält, lest ihr im Test - jetzt auch mit PC-Wertung.
