Konsolen vs. Mobile: Gegenwart und Zukunft der Plattformen

Special Sebastian Zelada
Kommen groß raus: 
Tablet- und Smartphones-Games bedienen immer größere Märkte. (iPad Pro)
Quelle: Apple

Smartphone-Spiele werden immer beliebter und setzen inzwischen Milliardenbeträge um. Werden sie den klassischen Konsolenspielen zusehends gefährlich?

Es gibt aktuell wohl kaum ein PC oder Konsolenspiel, welches sich mit Grand Theft Auto 5 messen kann. Bereits 24 Stunden nach Veröffentlichung erzielte Rockstar Games eine Marke von 800 Millionen US-Dollar Umsatz und konnte 11,21 Millionen Einheiten des Spiels verkaufen. Nach drei Tagen knackte man die Milliardengrenze und nach sechs Wochen hatte man bereits 29 Millionen Spiele ausgeliefert. Damit konnte Publisher Take Two bereits in eineinhalb Monaten mehr Einheiten des Spiels absetzen als vom Vorgänger. Aktuell liegt man bei 65 Millionen verkauften Spielen, alle Plattformen zusammengezählt.

Das mag astronomisch klingen, doch es gibt einen aufstrebenden Markt, bei dem sind solche Zahlen Tagesgeschäft. Mobile Games werden immer wichtiger und könnten bereits nächstes Jahr erstmals mehr Umsatz generieren als der Konsolenmarkt!

Das Geld in der Hosentasche

Das Marktforschungsunternehmen Newzoo sieht für den globalen Gamesmarkt ein Gesamtwachstum von jährlich durchschnittlich 6,6 Prozent von 2015 bis 2019. Das scheint nun nicht sonderlich spektakulär. Doch in dieser Analyse wird vorausgesagt, dass der aktuell dominanteste Videospielmarkt, nämlich an TV-Geräten betriebene Konsolen, vier Prozent am Gesamtmarkt verlieren werden, während das Smartphonegeschäft insgesamt zehn weitere Prozent an sich reißen wird. Handhelds wie PS Vita und Nintendo 3DS werden 2019 so gut wie keine Rolle mehr spielen. 2015 machten sie bereits lediglich 3 Prozent des Gesamtmarkts aus, 2019 soll es lediglich noch ein Prozent sein.

Immer dabei: 
Was früher der Game Boy war, sind heute die Smartphones. (iPhone 6S) Quelle: Apple Immer dabei: Was früher der Game Boy war, sind heute die Smartphones. (iPhone 6S) 2019 sollen Konsolen- (26 %) und PC-Spiele (25 %) nur noch knapp die Hälfte des Gesamtmarktes ausmachen, während Spiele für Tablets (11 %) und Smartphones (34 %) insgesamt 45 Prozent der Umsätze auf sich vereinen sollen. Doch woher kommt dieses Wachstum und welche Titel generieren aktuell die größten Profite?

Angaben des Online-Analyseservices Statista zeigen, dass das erfolgreichste iPhone-Spiel im Monat März, Game of War, in den Vereinigten Staaten 1,55 Millionen Dollar umsetzte - jeden Tag und alleine in den USA! Knapp dahinter folgte Clash of Clans, das im März täglich knapp 1,2 Millionen Dollar an Einnahmen in den USA generierte. Selbst das zehntplatzierte Summoners War konnte jeden Tag 150.000 Dollar umsetzen und kam damit alleine im März auf knapp 4,5 Millionen Dollar.

Bedenkt man nun noch, dass die Herstellungskosten für Mobile-Games oftmals bedeutend geringer sind als für AAA-Konsolenspiele, fällt es leicht zu verstehen, dass dies für die Entwickler ein hochattraktiver Markt ist. Das Geld der Spieler wird in Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes immer häufiger aus den Hosentaschen gezogen werden.

Mehr als laxe Unterhaltung

Das bisher als Casual-Hölle verschriene Mobile-Gaming wächst aus den Kinderschuhen und bietet zunehmend anspruchsvolle sowie attraktive Unterhaltung. Portierungen von Final Fantasy, Tomb Raider oder GTA sind nicht nur auf den kleinen Geräten angekommen, sie erhalten oftmals auch sehr gute Bewertungen und lassen sich inzwischen viel präziser steuern, als dies noch bei den ersten Gehversuchen der Fall war.

Meisterwerk: 
Monument Valley ist ein wunderbares Spiel, das exklusiv für Android und iOS erhältlich ist. Bislang setzte das Spiel 14 Millionen Dollar um. Quelle: Ustwo Meisterwerk: Monument Valley ist ein wunderbares Spiel, das exklusiv für Android und iOS erhältlich ist. Bislang setzte das Spiel 14 Millionen Dollar um. Manche herausragenden Spielerlebnisse sind sogar zuerst auf Smartgeräten zu finden, bevor sie für Konsolen erscheinen, oder bleiben ganz und gar exklusiv. Das Rätseladventure Monument Valley hat einen Metascore von 89 erreicht und wurde so zahlreich heruntergeladen, dass es, obwohl es grundsätzlich gratis ist, in zwei Jahren 14 Millionen Dollar umsetzen konnte. Von den 26 Millionen Downloads waren 21 Millionen kostenlos. Ein beliebtes Mittel bei Mobile-Games, um im Nachhinein über In-App-Käufe zur Kasse zu bitten. Das funktioniert in vielen Fällen sehr gut. 8 Ball Pool auf iOS hat vom 8. November 2015 bis zum 7. Dezember 2015 959.000 Dollar eingenommen und davon knapp drei Viertel aus Einkäufen in der App erzielt, wie Apptopia berichtet. Das letzte Viertel stammt aus Werbung, die in der App geschaltet wird.

Anders als bei Vollpreis-Konsolenspielen müssen Anbieter von Mobile-Games inzwischen fast notgedrungen diesen Ansatz verfolgen. Spieler sind vergleichsweise selten bereit, überhaupt etwas für Smartphonespiele zu zahlen, und wenn doch, muss es so günstig wie möglich sein. Hat man sie jedoch an der Angel, so versucht man als Anbieter die Begeisterung der Spieler so gut wie möglich in Geld umzumünzen. Das wissen manche Firmen besonders gut anzustellen.

Platzhirsche

Klotzen statt kleckern: 
In Minecraft Pocket Edition geht es genauso kreativ zu wie in den PC- und Konsolenversionen. Das Spiel ist auf allen Plattformen äußerst beliebt. Quelle: Microsoft Klotzen statt kleckern: In Minecraft Pocket Edition geht es genauso kreativ zu wie in den PC- und Konsolenversionen. Das Spiel ist auf allen Plattformen äußerst beliebt. Was Rockstar für Take Two ist, stellt der finnische Mobile-Entwickler Supercell für seinen japanischen Hauptanteilseigner Softbank dar. Die Macher von Clash of Clans schreiben weiterhin phänomenale Zahlen. 2014 erzielte der Entwickler einen Umsatz von 1,55 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr waren es mit 2,3 Milliarden stolze 37 Prozent mehr. Alleine der Gewinn betrug 930 Millionen Dollar. Mit gerade einmal drei Spielen (Clash of Clans, Boom Beach und Hay Day) ist dies eine enorme Leistung, die unter anderem mit dem Markteintritt in China zusammenhing.

Im Gegensatz zu Rovio, den Machern von Angry Birds, die nach einer extremen Expansion und inzwischen stark nachlassenden Verkäufen zahlreiche Mitarbeiter entlassen mussten, achtete Supercell stets darauf, das Team relativ klein zu halten. Knapp 180 Mitarbeiter zählt der Entwickler, von denen sich laut CEO Ilkka Paananen die meisten mit Namen kennen. Im Gegensatz zu Angry Birds, welches sich, nach einem enormen Höhenflug, inzwischen fast schon im freien Fall befindet, scheint Supercell vor allem das Problem der Nutzerbindung in den Griff bekommen zu haben, ein Stolperstein, der vielen Entwicklern für Mobile-Games stark zu schaffen macht. Aus diesem Grund ist Clash of Clans aktuell auch die erfolgreichste App weltweit und Supercell das Objekt der Begierde zahlreicher Investoren, die den Entwickler von Softbank loseisen wollen.

Wer hätte das gedacht? 
Kaum jemand hätte es 1996 für möglich gehalten, dass Tomb Raider in dieser Grafik auf Geräten läuft, die man in die Hosentasche stecken kann. Quelle: Square Enix Wer hätte das gedacht? Kaum jemand hätte es 1996 für möglich gehalten, dass Tomb Raider in dieser Grafik auf Geräten läuft, die man in die Hosentasche stecken kann. Auf einem ähnlichen Kurs befindet sich der Namensvetter Clash of Kings, das aktuell mit Bastian Schweinsteiger im TV wirbt. Der chinesische Entwickler Elex achtete hier besonders auf die Balance des Spiels, die soziale Komponente und Features wie Chatfunktionen. Zudem reicht Elex fortwährend neue Inhalte und Updates nach, um die Spieler bei der Stange zu halten. Ein kostenintensives, aber durchaus lohnenswertes Unterfangen, das sich momentan auszahlt. Das Spiel scheint die typische Schwäche eines Handyspiels größtenteils zu umschiffen, bereits nach kurzer Zeit uninteressant zu werden.

Nun, wo immer mehr hochwertige Spiel erfahrungen auf den mobilen Geräten zu finden sind und diese immer leistungsfähiger werden, könnte die Vorhersage von Newzoo tatsächlich eintreffen. Vielleicht sind wir 2019 sogar schon weit genug und erleben echte Hardcore-Inhalte auf Smartgeräten. Die Vorboten sind in Form der genannten Portierungen von Final Fantasy, Tomb Raider und Konsorten bereits da. Sollten sich diese Premiumspiele langfristig als erfolgreich erweisen, könnte es nicht mehr lange dauern, bis es exklusive AAA-Produktionen im Konsolenstil auch auf Tablets und Smartphones gibt. Minecraft und GTA finden sich ja bereits auf den portablen Geräten.

Klassiker: 
Secret of Mana ist ein beliebtes Retro-RPG, welches bislang aber, wie auch Final Fantasy 9 im Google Play Store, nicht auf sechsstellige Verkaufszahlen kommt. Quelle: Square Enix Klassiker: Secret of Mana ist ein beliebtes Retro-RPG, welches bislang aber, wie auch Final Fantasy 9 im Google Play Store, nicht auf sechsstellige Verkaufszahlen kommt. Allerdings ist der Markt noch nicht so weit. Die Android-Version von Final Fantasy 9 beispielsweise hat sich seit ihrem Release, am 11. Mai dieses Jahres, keine 50.000 Mal verkauft. Auch Tomb Raider 1 und 2 lief auf Mobile-Geräten bis heute nicht bedeutend besser. Es liegen wohl doch noch Welten zwischen Konsolenspielen und Smartphone-Games, auch wenn sich die Umsätze von einigen Mobile-Spielen bereits in ähnlichen Dimensionen bewegen.

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